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ANWALTS-STUNDENSäTZE 2018

Die durchschnittlichen Anwaltsstundensätze blieben 2018 im Vergleich zum Vorjahr konstant, sanken in einigen Rechtsbereichen sogar. Die risikonahe Beratung bleibt dennoch in Sachen Partnersätze unangefochten das für Kanzleien lukrativste und für Mandanten teuerste Vergnügen, auch wenn sich Private Equity wieder in die Spitzengruppe vorarbeitet.
Im Schnitt gaben sowohl die Partner- als auch die Associate-Stundensätze gegenüber dem Vorjahr leicht nach: Für Partner ging es um 0,6% nach unten, für Associates um 1,5%. Im Gesamtdurchschnitt verlangten die Kanzleien für hoch spezialisierte Partner 2018 einen Studensatz von 340 Euro, für Associates wurden 265 Euro fällig.
Damit ist die Entwicklung anders als noch im Vorjahr aus Sicht der Kanzleien weniger erfreulich als bei den mittelständisch orientierten Sozietäten (mehr…).

Die Top-Abrechner 2018

Alle aufgeführten Stundensätze beruhen erneut auf über 1000 Selbstauskünften von Kanzleien. Diese haben in der Regel weniger als 50 Anwälte, darunter sind zahlreiche Boutiquen. Internationale Großkanzleien sind im Verhältnis zu ihrer Marktpräsenz unterrepräsentiert. Alle Angaben in Euro.

Im Gegensatz zum Vorjahr, in dem die Stundensätze teils deutlich stiegen waren, war die Entwicklung 2018 eher verhalten. Im Vergleich zu 2017 gingen die durchschnittlichen Stundenhonorare von Partnern und Associates zuletzt sogar leicht zurück.  

Nichts geändert hat sich hingegen daran, dass Fachgebiete, die zur Risikoberatung zählen, am teuersten sind. Ein Grund dafür ist, dass sich die meisten Unternehmen immer noch nicht auf einen möglichen Krisenfall vorbereiten – das gilt auch für die entsprechende Rechtsberatung.  Daneben setzte sich die – jedenfalls aus Kanzleisicht – positive Entwicklung bei Private-Equity-Transaktionen fort. Seit längerem schaffen es die Praxen unter die Top 5 der Beratungsbereiche mit den höchsten Stundensätzen.

Transaktionsnahe Beratung (Banking/Finance, Kartellrecht, M&A, Private Equity, Immobilienrecht)

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Die Partnerstundensätze in der Immobilienberatung stiegen zuletzt wieder – gerade rechtzeitig, bevor erste Spekulationen darüber laut wurden, dass der Boom wohl bald zu Ende gehen wird. M&A zeigt hingegen keine Erholung. Das wird voraussichtlich auch so bleiben, denn jenseits der Top-Deals greift die Standardisierung immer weiter um sich. Ganz anders das Kartellrecht: Hier bleiben die Stundensätze vor allem deshalb hoch, weil neben der transaktionsbezogenen Fusionskontrolle die Kartellschadensersatzklagen weiterhin en vogue sind. Das Risiko für die Beklagten ist enorm, die Beratung entsprechend hochpreisig.  Auch bei den Finanzierungsspezialisten stammt der Durchschnittssatz aus einer Mischkalkulation: Der günstigen Kreditberatung stehen teure Regulierungsmandate gegenüber. Während letztere hochpreisig bleiben werden, droht ersteren durch die Digitalisierung vieler Bankgeschäfte eher ein weiteres Minus.

Krisennahe Beratung (Compliance, Konfliktlösung, Restrukturierung, Wirtschaftsstrafrecht)

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Zwar scheint in der krisennahen Beratung ein gewisser Sättigungsgrad erreicht zu sein, doch die Stundensätze pendeln sich auf einem hohen Niveau ein. Ein Grund dafür ist, dass – anders als Teile des Transaktionsgeschäfts – sich diese Beratung  nur schwer standardisieren lässt und damit für Legal Tech schwer zugänglich ist. Hinzu kommt, dass nach wie vor viele Unternehmen ihre Berater nicht präventiv verpflichten und so im Akutfall eine schlechte Verhandlungsposition haben.  Zudem sind Compliance-Spezialisten nach wie vor nicht allzu zahlreich und gute Strafrechtler aufgrund hoher Auslastung bei Bedarf schwer zu bekommen.   

 

Regelmäßige Beratung (Arbeitsrecht, Datenschutz, Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Nachfolge/Vermögen, Baurecht,  Vertrieb/Außenhandel)

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Bei den Beratungsfeldern mit einer vergleichsweise gleichmäßigen Nachfrage bewegt sich relativ wenig. Bemerkenswert ist allerdings, dass im Gewerblichen Rechtsschutz der Graben zwischen marken- und wettbewerbsrechtlichen Beratung einerseits und dem Patentrecht andererseits immer tiefer wird: Während der Durchschnitt der Partnersätze bei ersterer 2018 leicht auf 326 Euro sank, stieg er bei den Patentexperten auf 388 Euro. Die Europäisierung des Beratungsfeldes dürfte dabei eine Rolle spielen. Erstmals liegen auch Zahlen zur datenschutzrechtlichen Beratung vor. Wegen des Inkrafttretens der Datenschutzgrundverordnung waren Datenschutzanwälte zuletzt so gefragt wie nie. Umso erstaunlicher ist, dass die Partnersätze im Schnitt recht moderat blieben. Eine Ursache dürfte darin liegen, dass sich gerade bei weniger komplexen Unternehmensstrukturen Standardlösungen fanden. Bislang gibt es noch wenige relevante Bußgeldfälle. Wenn sich das ändert, dürften die Honorare zulegen.

Branchenbezogene Beratung (Energierecht, Informationstechnologie, Medien, Gesundheitswesen, Versicherungsrecht)

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Die Stundensätze in der branchenorientierten Beratung entwickelten sich uneinheitlich. Im Energierecht zogen die Preise einmal mehr an.  Die Energiebranche ist schlicht unter stärkerem politischen Druck als die meisten anderen. Das schlägt sich zwangsläufig auf den Beratungsbedarf, das Risikoprofil und damit die Stundensätze nieder.   

 

 

Beratung im öffentlichen Raum (Öffentliches Recht, Regulierung/Verkehr, Vergaberecht)

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Die Arbeit im öffentlichen Raum bleibt für die Kanzleien die am wenigsten lukrative. Die öffentliche Hand pocht meist auf moderate Stundensätze. Und auch die Neuerungen im Vergaberecht haben keine Spuren in den Anwaltshonoraren hinterlassen. Komplexe politiknahe Mandate fallen hingegen aus dem Rahmen. Ein Indiz dafür ist schon, dass Regulierungsthemen für die Kanzleien deutlich attraktiver sind. Dass sie dennoch oft nicht in das Gefüge einer internationalen Großkanzlei passen – deren Stundensatzerwartungen sind in diese Erhebung nur vereinzelt eingeflossen -, zeigte sich zuletzt in bemerkenswerten Kanzlei-Abspaltungen, etwa eines prominenten Freshfields-Teams.

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