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02.06.2021

Diesel: VW und Ex-Vorstände stehen wohl vor Millionenvergleich

Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal drohen den ehemaligen VW-Vorständen umfangreiche Schadensersatzforderungen wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht. Medienberichten zufolge steht nun eine Einigung im Streit um den Schadensersatz zwischen Volkswagen und den Konfliktparteien kurz bevor. Ein Großteil soll dabei auf Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn entfallen. Einen Vergleich soll es auch mit dem Managementhaftpflichtversicherer Zurich geben.*

Christian Schneider

Christian Schneider

Alleine die juristische Aufarbeitung des Dieselskandals hatte VW bisher schon weit über 30 Milliarden Euro gekostet. Einen Teil des Geldes könnte der Konzern jetzt von seinen Ex-Managern wieder einsammeln. Laut Business Insider und Handelsblatt will VW sechs Manager um Ex-CEO Winterkorn in Haftung nehmen. Dabei soll sich Winterkorn bereit erklärt haben, etwa 10 Millionen Euro zu zahlen – soweit bekannt wäre das die bisher höchste Summe, die ein geschäftsführendes Vorstandsmitglied in Deutschland an seinen Arbeitgeber gezahlt hat.

Zu einem Deckungsvergleich soll es auch mit dem Managementhaftpflichtversicherer Zurich und weiteren Versicherern kommen. Dabei zahlen die Versicherer knapp 300 Millionen Euro.

Michael Arnold

Michael Arnold

Die Schadensersatzforderung gegen die Ex-Manager geht auf ein Gutachten von Gleiss Lutz zurück, das der VW-Aufsichtsrat in Auftrag gegeben hatte. Nach der Aufarbeitung entschied der Aufsichtsrat, die früheren Vorstände wegen aktienrechtlicher Sorgfaltspflichtverletzungen in Regress zu nehmen. Neben Martin Winterkorn und Rupert Stadler geht VW auch gegen die ehemaligen Vorstände von Audi, Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch, sowie den früheren Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz vor. 

Berater Aufsichtsräte VW
Gleiss Lutz: Prof. Dr. Michael Arnold (Corporate)

Berater Zurich
DLA Piper (Köln): Dr. Christian Schneider, Torben Schlüter (beide Versicherungsrecht)
Inhouse (Frankfurt): Markus Both (Head of Financial Lines Claims), Kirsten Siemon (Teamleader Financial Lines Claims)

Vertreter Axa XL
Fiedler Cryns-Moll (Köln): Dr. Anna Cryns-Moll, Björn Fiedler
Segger (Köln): Dr. Stefan Segger

Vertreter AIG
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Björn Seitz, Jan Kordes

Verteter QBE
Friedrich Graf von Westphalen (Köln): Prof. Dr. Tobias Lenz, Carsten Laschet

Vertreter Liberty
Clyde & Co (Düsseldorf): Dr. Henning Schaloske, Daniel Kreienkamp

Vertreter Allianz
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Bastian Finkel

Vertreter Tokyo Marine
BLD Bach Langheid Dallmayr (München): Dr. Reinhard Dallmayr, Dr. Joachim Krane

Vertreter Great Lakes
Thümmel Schütze & Partner (Stuttgart): Prof. Dr. Roderich Thümmel, Dr. Frank Schmidt-Husson

Vertreter Ergo
Fieldfisher (München): Dr. Jan-Ulf Suchomel

 

Berater Martin Winterkorn
Dr. Kersten von Schenck (Frankfurt; Corporate/Kapitalmarktrecht)
Cyrus (Frankfurt): Dr. Rolf Cyrus (Managerhaftung)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Mit welchen Vorständen VW neben Winterkorn genau verhandelt und in welchen Stadien sich die Verhandlungen befinden, ist bisher unklar. Zu den Ex-Vorständen, gegen die VW Forderungen erhebt, zählen neben Winterkorn Rupert Stadler, Stefan Knirsch, Wolfgang Hatz und Ulrich Hackenberg. Sie alle hatten sich bereits zuvor zivilrechtlichen Beistand geholt – Stadler setzte auf den Arbeitsrechtler Prof. Dr. Michael Kliemt von Kliemt, Knirsch mandatierte Eckstein & Kollegen mit Frank Eckstein im Wirtschaftsstrafrecht, für Hatz war
Küttner mit Partner Dr. Tim Wißmann im Arbeitsrecht sowie die auf D&O-Versicherungen spezialisierte Dr. Sandra Orlikowski-Wolf von Loschelder im Boot. Ulrich Hackenberg wird von Dr. Wolfgang Grobecker von der Kanzlei Martius beraten. Nach Angaben von Grobecker befindet sich Hackenberg bisher nicht in Vergleichsverhandlungen mit VW. 

Neu hinzugekommen ist in der Beraterriege laut JUVE-Informationen der auf Managerhaftung spezialisierte Frankfurter Anwalt Cyrus, der von Schenk bei der Beratung von Winterkorn unterstützt.

Dem Turm der D&O-Versicherer gehören neben Zurich auf der ersten Stufe so gut wie alle Branchengrößen an. Jeder Versicherer hatte eigene Rechtsberater. DLA war für den Versicherer Zurich im Mandat. Die Beziehung besteht bereits sein 2015. Seit Ende März dieses Jahres war DLA mit den Verhandlungen zwischen Managern und Versicherern betraut. Eine federführende Rolle soll auch die Zurich-Inhouse-Abteilung gespielt haben, mit der DLA eng zusammenarbeitete.

Der VW-Aufsichtsrat setzt weiterhin auf Stammberaterin Gleiss Lutz und den federführenden Partner Arnold. (Helena Hauser, Martin Ströder, Astrid Jatzkowski)

*Aktualisierung vom 9.6.2021: Am 5.6 hat sich der Volkswagen Aufsichtsrat mit Martin Winterkorn auf 11,2 Millionen Euro Schadensersatz geeinigt. Rupert Stadler zahlt 4,1 Millionen. Eine Einigung wurde auch mit den D&O-Versicherern erzielt, die eine Entschädigungszahlung von 270 Millionen Euro einbringen. Und auch mit ehemaligen Vorständen von Audi und Porsche gab es eine Einigung: Stefan Knirsch zahlt 1 Millionen, Wolfgang Hatz 1,5 Millionen Euro. Mit Ulrich Hackenberg, Ex-Audi-Vorstand, gab es keine Einigung. Gegen ihn sollen nun gerichtliche Schritte vorbereitet werden. „Sämtliche Einigungen erfolgten jeweils ohne Anerkennung einer Rechtspflicht durch die betroffenen Vorstände“, betonte VW in einer Pressemitteilung.

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