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29.03.2021

CEO-Fraud bei Teleste: Gleiss Lutz erreicht Vergleich mit D&O-Versicherern

Der finnische Telekommunikationsanbieter Teleste hat sich nach einem so genannten CEO-Fraud, einer Betrugsmasche mit geklauten Identitäten, nun mit seinen D&O-Versicherungen verglichen. 2019 war die deutsche Tochter des Unternehmens Opfer eines solchen Angriffs und verlor mehr als 7 Millionen Euro – nahezu den gesamten deutschen Gewinn des Jahres. Laut Statement des Unternehmens zahlen die Versicherer nun 3,2 Millionen Euro.

Eike Bicker

Eike Bicker

Nach JUVE-Informationen waren die VOV und die Zürich an dem Vergleich beteiligt. Ein weiterer Teil des Geldes ließ sich noch von Konten der Angreifer in Hongkong und China zurückholen, so dass laut Mitteilungen von Teleste schließlich knapp 4 Millionen Euro zurückerlangt wurden. Soweit bekannt griff eine bestehende Cyber-Versicherung nicht ergänzend ein.

Die auch als ‚Fake President‘-Masche bezeichnete kriminelle Vorgehensweise ist seit einigen Jahren bekannt – und erfreut sich seitdem in unterschiedlichen Varianten großer Beliebtheit. Prominentestes Opfer in Deutschland war 2016 die Leoni AG, der 40 Millionen Euro abhanden kamen. Auch sie nahm ihre D&O-Versicherung in Anspruch und erhielt 2017 darüber 5 Millionen Euro zurück. 

Die Täter bemächtigen sich bei diesen Fällen der Identität eines hochrangigen Mitarbeiters des Unternehmens und weisen – im Fall Teleste wohl hoch professionell – Mitarbeiter an, Geld auf Auslandskonten zu überweisen. Bei Teleste beschränkten sich die Angreifer nicht darauf, die Identität eines Managers zu kapern, sondern bemächtigten sich auch der eines Baker & McKenzie-Anwalts, um dem Ganzen einen realistischeren Anstrich zu geben. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Baker seinerzeit für das versicherungsrechtliche Gutachten bei Leoni verantwortlich war.

Berater Teleste
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Eike Bicker (Federführung; Compliance/Investigations), Dr. Tobias Harzenetter (Versicherungsrecht; München), Dr. Dirk Scherp (Compliance/Investigations); Associate: Caroline Saalwächter-Hirsch (Compliance/Investigations), Christoper Splinter (Versicherungsrecht; München)
Hannes Snellman (Helsinki): Markus Manninen (Compliance)
Zhong Lun (Schanghai): Scott Guan (Finanzierung/M&A)

Berater Versicherungen
Clyde & Co. (München) Dr. Sven Förster, Dr. Nikolaus Wank (Versicherungsrecht)
DLA Piper (Köln): Dr. Gunne Bähr (Versicherungsrecht), David Buntenbroich (Haftungsrecht)

Hintergrund: Die Berater sind überwiegend aus dem Markt bekannt. Clyde-Partner Förster und Counsel Wank wechselten erst im Februar von Norton Rose Fulbright zu den Versicherungsspezialisten Clyde. Für Gleiss wiederum ist das Mandat ein weiterer Nachweis, dass sich auch internationale Compliance-Fälle über Kooperationen klären lassen. Die finnische Kanzlei Hannes Snellman und die chinesische Einheit Zhong Lun gehören zu den Spitzenkanzleien in ihren jeweiligen Heimatmärkten. (Astrid Jatzkowski)

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