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15.09.2020

VW-Monitorship: Larry Thompson packt die Koffer

Nach gut drei Jahren, inklusive einer Verlängerung, und rund 700 Millionen Euro Kosten endet das Monitorship beim VW-Konzern. US-Monitor Larry Thompson beendet seine Arbeit mit Zustimmung des US-Justizministeriums. Das Ende des Monitorships kommt fast zeitgleich mit der Zulassung der Anklage gegen Ex-VW-Chef Dr. Martin Winterkorn.

Larry Thompson

Larry Thompson

Vorangegangen war eine Zertifizierung durch die US-Behörden, die sich mit Ausnahme von Porsche AG und Porsche USA auf alle Konzerngesellschaften erstreckt. Schon im Vorjahr hatten sich VW und Thompson zudem darauf verständigt, das Monitorship um drei Monate zu verlängern, um noch nicht abgearbeitete Empfehlungen zu erledigen. Auch heute sieht sich der Konzern noch nicht gänzlich am Ziel. Vor allem die Veränderung der Unternehmenskultur braucht noch Zeit, so Compliance- und Integritätsvorstand Hiltrud Werner in einem Video des Unternehmens.

Hiltrud Werner

Hiltrud Werner

Nachdem im Herbst 2015 der Dieselskandal aufgeflogen war, hatten die US-Behörden im Rahmen einer Einigung dem Konzern nicht nur ein milliardenschweres Bußgeld aufgedrückt, sondern ihm für drei Jahre auch einen Monitor an die Seite gestellt. Um die Arbeit des Monitors zu unterstützen, richtete VW in Wolfsburg eine Art Liaison-Büro unter Leitung von Dr. Thomas Meiers ein. Mit seinem Team baute Meiers peu à peu die relevanten Prozesse und Strukturen in verschiedenen Bereichen des Konzerns um, darunter die technische Entwicklung, Governance, Risikomanagement, Compliance und die Rechtsfunktionen. Etliche Leitungsfunktionen bei Recht und Compliance wurden neu besetzt, Verantwortungszuweisungen wurden dezentralisiert und in die einzelnen Marken und Regionen übergeben.

Im Juni gab Thompson seinen letzten Bericht ab, der jetzt zum Abschluss des Monitorships führte. „Es wird ständige Achtsamkeit erfordern, aber die vorhandenen Strukturen und Prozesse sowie die Verpflichtungen auf allen Ebenen des Unternehmens sowie die Kontrolle durch den Aufsichtsrat können Volkswagen zu einem langfristigen und nachhaltigen Erfolg in Bezug auf Ethik, Integrität und Compliance verhelfen“, sagte Thompson. Entsprechend empfahl er in einem Interview mit dem Handelsblatt, die Funktion Werners im Vorstand zu erhalten.

VW tat sich vor allem in der Anfangszeit nicht leicht, mit dem Dieselskandal und den Forderungen der US-Justiz umzugehen. So verließ die zunächst in den Vorstand berufene Dr. Christine Hohmann-Dennhardt das Gremium nur kurze Zeit später. Unglücklich war auch der Umgang mit deutschen Ermittlungsbehörden, die auf Unterlagen aus der von Jones Day durchgeführten internen Untersuchung zugreifen wollten. Mit einer Beraterphalanx an der Seite gelang es nur schrittweise, den öffentlichen Eindruck zu relativieren, dass kein ernsthaftes Interesse an Veränderungen besteht. Dennoch wird der Konzern noch Jahre mit der Aufarbeitung des Skandals und daraus resultierenden Klagen beschäftigt sein. (Astrid Jatzkowski)

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