Artikel drucken
24.07.2020

Wirecard: Weitere Verteidiger werden bekannt

Im Betrugsskandal beim Dax-Konzern Wirecard hat die Münchner Staatsanwaltschaft drei frühere Führungskräfte festgenommen: den ehemaligen CEO-Markus Braun, Ex-CFO Burkard Ley und einen ehemaligen Leiter des Accountings. Haftbefehle hatte zuvor das Münchner Amtsgericht erlassen. Gleichzeitig sind weitere Verteidiger bekannt geworden: Die Verteidigung Leys hat nach JUVE-Informationen Dr. Norbert Scharf von Grub Brugger übernommen, der ehemalige Accounting-Chef vertraut auf Dr. Sabine Stetter aus der gleichnamigen Münchner Kanzlei.

Norbert Scharf

Norbert Scharf

Der Haftbefehl gegen Braun kam recht überraschend, da ein erster Haftbefehl bereits gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt wurde. Nun sei ein neuer, erheblich erweiterter Haftbefehl beantragt und erlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Vorwürfe lauten gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation in mehreren Fällen. Das mehrköpfige Verteidigerteam von Braun wird im Wesentlichen von seinem Verteidiger Prof. Dr. Alfred Dierlamm koordiniert.

Mit Scharf und Stetter, die von ihrer Senior Associate Stephanie Kamp unterstützt wird, haben die beiden ehemaligen Finanzmanager von Wirecard ebenfalls zwei bekannte Wirtschaftsstrafverteidiger mandatiert, die derzeit in den wesentlichen großen Verfahrenskomplexen präsent sind. Beispielsweise verteidigen beide hochrangige Manager im Dieselkomplex: Scharf vertritt VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, dessen Strafverfahren kürzlich eingestellt wurde, Stetter ist Verteidigerin von Ex-Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg, dessen Anklage nach Informationen der Süddeutschen Zeitung bevorstehen soll.

Sabine Stetter

Sabine Stetter

Staatsanwaltschaft sucht weitere Kronzeugen

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilt, hätten im Fall Wirecard vor allem die Aussagen eines Kronzeugen, aber auch weitere Beweismittel dazu geführt, die Beschuldigungen auszuweiten. Mehreren Medienberichten zufolge soll es sich bei dem Kronzeugen um den früheren Geschäftsführer der Wirecard-Tochter Cardsystems MiddleEast in Dubai handeln. B. wird von dem Münchner Strafrechtler Dr. Nicolas Frühsorger verteidigt.

In einem recht bemerkenswerten Statement wandte sich die für Presseangelegenheiten zuständige Oberstaatsanwältin Anne Leiding in einer Pressekonferenz an mögliche Mitwisser und forderte sie auf, sich als Kronzeugen zur Verfügung zu stellen. Allerdings „werde der Wert von Informationen mit fortschreitenden Ermittlungen immer geringer“. Zuständig für das Verfahren sind Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl und ihr Kollege Matthias Bühring.

Die Dynamik, die der Wirecard-Skandal in den vergangenen Wochen angenommen hat, ist auch bei den beteiligten Kanzleien nicht ohne Folgen geblieben: Nachdem Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé die Geschäfte übernommen hat, musste Ufer Knauer das Mandat der Unternehmensverteidiger von Wirecard an Luther abgeben, Gleiss Lutz übernahm wesentliche Compliance- und Governance-Aufgaben von Gibson Dunn & Crutcher. Die Unternehmensberatung Alix Partners ist nach Medienberichten beauftragt worden, mithilfe einer forensischen Untersuchung einer möglichen Bilanzfälschungen auf die Spur zu kommen. (Christiane Schiffer)

  • Teilen