Artikel drucken
07.03.2018

Wichtiger Etappensieg für Noerr-Mandanten: D&O-Versicherer muss Prozesskosten zahlen

Der D&O-Versicherer AIG Europe muss für die Kosten eines Rechtsstreits zwischen den beiden Ex-Olympus-Managern Michael Woodford und Paul Hilman und ihrem ehemaligen Arbeitgeber aufkommen. Das hat der Londoner High Court of Justice entschieden. Der Rechtsstreit ist bemerkenswert, weil sich Versicherer und Manager normalerweise eher auf eine gemeinsame Strategie verständigen, als sich miteinander zu streiten.

Oliver Sieg

Oliver Sieg

AIG weigerte sich, die Millionenkosten für einen Klage der Olympus-Tochter KeyMed gegen Woodford und Hillman zu tragen. Diese Klage ist Gegenstand eines separaten Prozesses, der in den kommenden Wochen ebenfalls in London stattfinden wird. Der Vorwurf lautet, die beiden Manager hätten im Jahr 2005 während ihrer Tätigkeit für KeyMed angeblich pflichtwidrig eine Altersversorgung für Führungskräfte ins Leben gerufen.

Laut AIG wusste Olympus und KeyMed schon bei Abschluss der D&O-Versicherung von dem angeblichen Fehlverhalten. Außerdem seien Fragen des Versicherers an Olympus nicht fristgemäß beantwortet worden. Deswegen verweigerte AIG die Erstattung der Prozess- und Anwaltskosten von Woodford und Hillman, wogegen diese vor Gericht zogen.  

Der High Court entschied jetzt, dass AIG für alle Kosten aufkommen muss. Das Gericht konnte nicht erkennen, dass Olympus über ein Fehlverhalten Bescheid wusste. Dass die Antworten zu spät kamen, hätte ebenfalls keine grundsätzliche Bedeutung. AIG kann noch vor dem Court of Appeal in Berufung gehen.

Björn Seitz

Björn Seitz

Interessant ist zum einen, dass der Streit auf Wunsch der Kläger vor einem englischen Gericht ausgetragen wurde, obwohl Einzelheiten des Versicherungsschutzes deutschem Recht unterliegen, was die Einbindung von deutschen Sachverständigen notwendig machte. Zum anderen ist es bemerkenswert, dass sich die versicherten Personen und der Versicherer in einem D&O-Streit begegnen, anstatt eine gemeinsame Strategie für die anstehende Auseinandersetzung mit Olympus zu entwicklen.

KeyMed war an dem Verfahren ebenfalls beteiligt. Hillman machte einen bedingten Anspruch (Contingent Claim) gegen seinen Ex-Arbeitgeber geltend, da dieser ihm den D&O-Versicherungsschutz vertraglich zugesichert habe.

Bilanzskandal als Vorgeschichte

Michael Woodford sieht zwischen der Klage von KeyMed und seiner Aufklärung eines Bilanzskandals bei Olympus einen verspäteten Akt von Rache. Er wurde 2011 zum CEO der Olympus Corporation in Tokio bestellt. Kurz danach deckte er Bilanzfälschungen in Milliardenhöhe auf. Unmittelbar nach seinen Enthüllungen gegenüber der Presse wurde er entlassen. Paul Hillman gilt als enger Vertrauter von Woodford und war als Finanzverantwortlicher bei KeyMed tätig.

Vertreter Michael Woodford und Paul Hillman
Brickcourt Chambers (London): Stephen Midwinter
Noerr (Düsseldorf): Dr. Oliver Sieg, Lucy Holden (München; beide Federführung); Associates: Anne Schrader, Miriam Rosenberger, Franziska Wollrath (München)

Vertreter AIG Europe
Quadrant Chambers (London): John Kimbell
BLD Bach Langheid Dallmayr (Köln): Björn Seitz; Associate: Dr. Julia Achtmann
DAC Beachcroft (London): William Allison; Associate: Mark Healing
Inhouse (Frankfurt): Klaus Goldschmidt (Schaden D&O)

Vertreter KeyMed
Wilberforce Chambers (London): Max Mallin
Fieldfisher (London): Jim Sharkey; Associate: Siona Spillett

High Court of Justice London – Commercial Court
Jane Moulder (Vorsitzende Richterin)

Hintergrund: Das Mandat von Noerr als Solicitor kam auf Empfehlung durch Simmons & Simmons zustande. Diese vertreten beide Ex-Manager im Prozess gegen KeyMed. Midwinter ist auch dort Barrister.

BLD wird seit Längerem umfangreich von AIG mandatiert. Da der Fall in England ausgetragen wurde, betreut die Kanzlei den Versicherer zusammen mit DAC Beachcroft, einem Kooperationspartner unter dem Dach von Legalign Global. Dabei handelt es sich um einen Verbund von unabhängigen Versicherungs- und Haftungsrechtskanzleien. (Martin Brandt)

  • Teilen