Artikel drucken
12.01.2018

Chaos bei Niki-Insolvenz: Österreich eröffnet zweites Hauptverfahren

Das österreichische Landesgericht Korneuburg hat ein Konkursverfahren über die Fluggesellschaft Niki eröffnet. Überraschend handelt es sich dabei jedoch nicht um ein sogenanntes Sekundärverfahren, sondern um ein weiteres Hauptverfahren. Nach der europäischen Insolvenzverordnung dürfte es das aber gar nicht geben. In Österreich wurde die bekannte Wiener Insolvenzrechtlerin Ulla Reisch von Urbanek Lind Schmied Reisch zur Insolvenzverwalterin bestellt. Sie ist damit gleichgestellt mit dem deutschen Niki-Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas Flöther – auch das ist eigentlich nicht erlaubt.

Ulla Reisch

Ulla Reisch

„Diese Eröffnung widerspricht der Europäischen Insolvenzordnung“, erklärte Flöther in einer ersten Stellungnahme. „Die Niki Luftfahrt GmbH wird nun die zur Verfügung stehenden rechtlichen Schritte prüfen. Im Vordergrund steht allerdings, dass der bereits geschlossene Kaufvertrag für den Niki-Geschäftsbetrieb Rechtskraft erlangt und möglichst viele Arbeitsplätze gerettet werden“. Kompetenzfragen seien dabei völlig nachrangig.

Welche Konsequenzen die österreichische Entscheidung hat, ist noch völlig unklar. Möglicherweise hebelt sie aber das deutsche Insolvenzverfahren aus. Die österreichische Zeitung Kurier spekuliert, dies könne an einer Lücke im deutschen Insolvenzrecht liegen. Das deutsche Verfahren sei derzeit noch „vorläufig“, während das Korneuburger nun bereits eröffnet sei. In Österreich hatte Flöther als Niki-Verwalter nur ein Sekundärverfahren beantragt.

Das Fluggastportal Fairplane will das Insolvenzverfahren nach Österreich ziehen. In Berlin beschwerte es sich erfolgreich darüber, dass das Hauptverfahren der Air Berlin-Tochter Niki in Deutschland ausgetragen wird. Hierüber muss nun der Bundesgerichtshof entscheiden. Gleichzeitig stellte Fairplane einen Konkursantrag in Österreich.

Niki steht kurz vor dem Verkauf an den britischen Luftfahrtkonzern IAG. Dieser könnte auch abgeschlossen werden, wenn das Hauptverfahren nach Österreich verlegt würde – allerdings reicht die Überbrückungsinvestition von IAG nur für wenige Wochen.

Insolvenzverwalterin Niki Österreich
Urbanek Lind Schmied Reisch (Wien): Ulla Reisch

Sachwalter Air Berlin und vorläufiger Insolvenzverwalter der Niki Luftfahrt GmbH Deutschland
Flöther & Wissing (Leipzig): Prof. Dr. Lucas Flöther (Insolvenzrecht)

Lucas Flöther

Lucas Flöther

Vertreter Fairplane
Kosch & Partner (Wiener Neustadt): Dr. Michael Lentsch (Insolvenzrecht)
Voigt Salus (Berlin): Joachim Voigt-Salus, Oliver Sietz, Thomas Ellrich (Köln); Associate: Christian Krönert (Leipzig; alle Insolvenzrecht)

Vertreter Niki
Graf & Pitkowitz (Graz): Dr. Alexander Isola, Stefan Weileder (beide Insolvenzrecht)
BRL Boege Rohde Luebbehuesen
(Hamburg): Stefan Denkhaus, Dominik Demisch, Friedrich von Kaltenborn-Stachau (Hamburg), Friedemann Schade (Berlin)

Hintergrund: Reisch gilt als eine der renommiertesten Insolvenzrechtlerinnen Österreichs. Zuletzt war sie zur besonderen Verwalterin beim Stahl-, Glas- und Anlagenbauer SFL Technologies bestellt. Die übrigen Anwälte sind mit dem Insolvenzverfahren rund um Niki und Air Berlin schon länger mit dem Komplex betraut. Voigt Salus ist in Deutschland erstmals für Fairplane tätig. (Christiane Schiffer)