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13.03.2013

Ermittlungen: Windreich wehrt sich mit BRP, Balz mit KMZ-Verteidigerin

Der Windkraftwerk-Entwickler Windreich und fünf amtierende und ehemalige Vorstände sind ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Die Beamten vermuten Bilanzmanipulation, Kapitalanlagebetrug, Marktpreismanipulation, Kreditbetrug und Insolvenzverschleppung.

Alexander Schork

Alexander Schork

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart vermutet, dass die Windreich-Manager – unter ihnen der Vorstandschef und Firmengründer Willi Balz – Jahres- und Konzernabschlüsse geschönt haben. Laut Ermittlungsbehörde soll der Konzern in seinen Lageberichten den Wert von Vermögenspositionen zu hoch angesetzt haben.

Konkret sollen in den Jahren 2010 und 2011 Umsätze und Forderungen manipuliert worden sein. Die Geschäfte seien weit weniger wert gewesen, als in den Zahlenwerken ausgewiesen. Trotz der bekannten Liquiditätsprobleme hat Windreich bislang keinen Insolvenzantrag gestellt. Die Staatsanwaltschaft geht daher auch dem Verdacht der Insolvenzverschleppung nach. Gegenüber der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ erklärte Balz, dass er schon in Kürze mit einem Geldzufluss in dreistelliger Millionenhöhe rechnet. Presseberichten zufolge stehen Verhandlungen über den Verkauf eines großen Windparkprojekts kurz vor dem Abschluss.

Neben Vorstandschef Balz wird auch gegen den ehemaligen stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Walter Döring und die amtierenden Vorstände Heiko R. und Anil S. ermittelt. Zudem gehört Ex-Finanzvorstand Matthias H. zum Kreis der Beschuldigten.

Ulrike Paul

Ulrike Paul

Trotz der großen Investitionsvolumen, die Windreich bewegt, ist die Firma gemessen am Umsatz noch ein kleiner Mittelständler. 2011 hatte die Firma rund 120 Millionen Euro umgesetzt, für 2012 wurden noch keine Zahlen veröffentlicht. Dennoch gehört Windreich zu den größten Playern in der Offshore-Windenergiebranche. Finanziert werden die Windreich-Investments im Wesentlichen über Fremdkapital, deshalb ist der Vorwurf des Kreditbetrugs brisant.

Laut Staatsanwaltschaft wird allein die Sichtung der beschlagnahmten Unterlagen bis Mitte Juni dauern.

Berater Windreich
BRP Renaud & Partner (Frankfurt): Dr. Alexander Schork (Federführung), Thomas Janssen – aus dem Markt bekannt
Inhouse (Wolfschlugen): Dr. Michael Görike (Chefsyndikus), Andreas Link (als externer Berater) – aus dem Markt bekannt

Verteidiger Willi Balz
Kullen Müller Zinser (Sindelfingen): Ulrike Paul – aus dem Markt bekannt

Verteidiger Walter Döring
Peter Müller (Gerlingen) – aus dem Markt bekannt

Verteidiger Heiko R.
Feigen Graf (Frankfurt): Dr. Bernd Groß – aus dem Markt bekannt

Verteidiger Anil S.
Dr. Schmitz (Stuttgart): Dr. Alexandra Schmitz – aus dem Markt bekannt

Matthias H.
Büring Reger Bierwisch Dietrich (Stuttgart): Kerstin Dietrich

Staatsanwaltschaft Stuttgart
Dr. Hans Richter (Oberstaatsanwalt), Heiko Wagenpfeil

Hintergrund: Für die interne strafrechtliche Aufarbeitung mandatierte Windreich BRP Renaud & Partner. Die Federführung hat dabei Alexander Schork, der Mitte 2012 von der Frankfurter Strafrechtsboutique Dr. Dörr & Partner zu BRP gewechselt war (mehr…). Die Windreich-Rechtsabteilung ist ebenfalls mit dem Komplex befasst. Neben dem Leiter der Rechtsabteilung Dr. Michael Görike ist auch sein Vorgänger Andreas Link als externer Berater mit der Sache betraut. Erst Ende März 2012 hatte Link Windreich verlassen (mehr…).

Die Beschuldigten lassen sich in dem Ermittlungsverfahren in erster Linie von renommierten regionalen Strafrechtlern verteidigen. Der im Zentrum der Ermittlungen stehende Firmenchef Balz setzt auf die Kanzlei Kullen Müller Zinser. Sie war bereits in einer anderen Sache für Balz beratend tätig, so hat sich der Kontakt ergeben.

Döring hatte bereits einmal mit der Staatsanwaltschaft zu tun. 2005 erhielt er wegen eines Parteispendenskandals eine Strafe über neun Monate Haft auf Bewährung. Damals hatte er sich von einem Anwalt der Kanzlei Eisenmann Wahle Birk verteidigen lassen, jetzt setzt er auf einen Einzelanwalt aus der Region. Bekannt ist, dass die umstrittenen Windreich-Bilanzen von der Stuttgarter Steuerberatungskanzlei BW Partner testiert wurden. Döring hatte gegenüber dem ´Handelsblatt´ betont, sich auf den Rat der Kanzlei verlassen zu haben.

Bei Windpark-Projekten und -transaktionen hat sich Windreich jahrelang von Gleiss Lutz beraten lassen, etwa als das Unternehmen die Geschäftsanteile an dem Windpark ‘Nordsee Offshore MEG I’ übernahm (mehr…). Auch der Erwerb der Offshorewindparks ‘Deutsche Bucht’ von Eolic Power und ‘Austerngrund’ von Global Wind Support wurde mit Gleiss-Hilfe gestemmt (mehr…). Gesellschaftsrechtlich war zudem häufig Dr. Günther Bredow für Windreich tätig, seit Anfang 2012 Partner bei Heuking Kühn Lüer Wojtek (mehr…). (Volker Votsmeier)

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