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28.01.2021

Legal Tech: LTHV startet zweites Format für deutschsprachige Rechtsmärkte

Der Legal Tech Hub Vienna (LTHV) richtet für Kanzleien und Unternehmen ein neues Beratungsprogramm ein. Die ‚Fast Track Challenge‘ sieht vor, dass Juristen Probleme beim Technologieeinsatz mit Experten des LTHV erörtern und in einer achtwöchigen Arbeitsphase gemeinsam mit Entwicklern mögliche Lösungen erarbeiten. Das Angebot wendet sich auch an Rechtsabteilungen und Kanzleien in Deutschland und der Schweiz.

Die Initiative der aktuell fünf österreichischen Kanzleien sorgte über die Grenzen des Landes hinaus bereits für große Aufmerksamkeit. Die Deutsche Telekom ist seit Frühjahr 2020 als Partnerin des LTHV mit an Bord. Für die Accelerator-Programme des ‚Legal Tech Hub‘ bewerben sich regelmäßig Softwareschmieden aus der ganzen Welt. Seit seiner Gründung im Herbst 2018 stellte die Initiative drei Accelerator-Programme auf die Beine, bis Ende Februar läuft der Aufruf für eine vierte Runde.

Mit der ‚Fast Track Challenge‘ erweitert der LTHV nun sein Spektrum und wendet sich an deutschsprachige Kanzleien. Denn in Deutschland und der Schweiz fehlen bislang solche Initiativen weitgehend. Auch die Digitalisierung der Justiz ist etwa in Deutschland bislang weniger weit fortgeschritten und hängt stark vom Vorgehen der einzelnen Bundesländer ab. Die Regierung in Baden-Württemberg etwa hat im Sommer 2020 eine Dienstvereinbarung mit dem Hauptpersonalrat und dem Landesrichter- und Landesstaatsanwaltsrat geschlossen und bereitet so den elektronischen Rechtsverkehr und die elektronischen Akten vor. Bayern startete vor einem Jahr einen Pilotversuch am Amtsgericht Straubing. Die Landgerichte Regensburg, Landshut und Coburg erproben seit längerem, Akten in erstinstanzlichen Zivilverfahren elektronisch zu führen. Ab Januar 2026 ist die elektronische Aktenführung an allen Gerichten in Deutschland gesetzlich vorgesehen.

In der Schweiz ging im November 2020 das Bundesgesetz über die Plattform für die elektronische Kommunikation in der Justiz (BEKJ) in die Begutachtung. Die Kosten dafür, die Plattform aufzubauen, einzuführen und in den ersten acht Jahren zu betreiben, schätzt die Regierung in Bern auf rund 50 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet 46,5 Millionen Euro). Vorgesehen ist, dass Bund und Kantone dazu eine gemeinsame öffentlich-rechtliche Körperschaft gründen.

Programm startet im März

Die erste Programmphase der ‚Fast Track Challenge‘ beginnt Anfang März. Zum Einstieg sollen Kanzleien und Rechtsabteilungen ihr technisches Anliegen in einem vertraulichen, kostenlosen Rahmen vorstellen können. Gemeinsam mit Vertretern des LTHV fällt auf dieser Basis eine Entscheidung, ob dieses mit Legal Tech lösbar erscheint. Von Seiten des LTHV beteiligen sich daran Mitglieder des Teams von ‚Future-Law‘ um Sophie Martinetz und Partner der LTHV-Gründer – den Kanzleien Dorda, Eisenberger & Herzog, Herbst Kinsky, Schönherr und SCWP Schindhelm.

Danach kann sich eine achtwöchige Arbeitsperiode anschließen. In den ersten beiden Wochen geht es darum, das Projekt und seinen Umfang genau zu umreißen und einen geeigneten Technologieanbieter auszusuchen. Dazu kann das LTHV-Team auf einen Pool von rund 350 Herstellern und Entwicklern zurückgreifen. Danach folgen sechs Wochen, in denen die Kanzlei und das Tech-Unternehmen eng zusammenarbeiten sollen. Den Abschluss bildet im April eine Veranstaltung, bei der alle Kanzleien ihre Projekte vorstellen. Das Projektmanagement übernimmt der LTHV. (Raphael Arnold)

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