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13.11.2020

Lotterien: Apollo setzt mit Baker & McKenzie auf Casag-Eigner Sazka

Der Private-Equity-Investor Apollo setzt auf das Lotteriegeschäft in Europa und Nordamerika. Zu diesem Zweck steigt er voraussichtlich mit 500 Millionen Euro bei der Sazka-Gruppe ein, behördliche Freigaben stehen noch aus. Der tschechische Konzern ist seinerseits unter anderem mit gut 55 Prozent an den Casinos Austria (Casag) beteiligt. Aktuell kämpft das Unternehmen in Großbritannien um die vierte Lizenz für das Lotteriegeschäft.

Gerhard Hermann

Gerhard Hermann

Apollo und der Sazka-Mutterkonzern KKCG schaffen für das millionenschwere Engagement eine neue Gesellschaft, Sazka Entertainment, die alleiniger Anteilseigner der Sazka-Gruppe wird. Neben der Mehrheit an der Casag gehört zur Sazka-Gruppe die tschechische Nationallotterie. Darüber hinaus hält sie 40 Prozent an Griechenlands größter Glücksspielfirma OPAP und 32,5 Prozent der Anteile an der italienischen Lotterie ‚Lotto Italia′.

Die Glücksspieleinnahmen von Sazka beliefen sich im 1. Halbjahr 2020 auf 652 Millionen Euro, ein Minus von 28 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Der operative Gewinn in diesem Zeitraum fiel um knapp 57 Prozent auf rund 98 Millionen Euro.

Apollo war in den vergangenen Monaten auch am Bieterverfahren für den britischen Wettanbieter William Hill beteiligt, zog sich aber Anfang November aus dem Prozedere zurück. Ein aussichtsreicher Interessent ist nun der börsenotierte US-Kasinobetreiber Ceasars Entertainment, der umgerechnet 3,17 Milliarden Euro bietet.

Berater Apollo
Baker & McKenzie: David Allen (Federführung; London), Dr. Gerhard Hermann (Wien), Tomáš Skoumal (Prag; alle Corporate/M&A), Dr. Philipp Maier (Arbeitsrecht), Dr. Kathrin Hornbanger (Regulatory/Glückspielrecht; beide Wien), Dr. Matthias Courvoisier (Kapitalmarktrecht; Zürich); Associates: Andrea Polzer (Arbeitsrecht; Wien), Dušan Hlavatý (Finanzrecht; Prag) – aus dem Markt bekannt

Berater KKCG/Sazka
Clifford Chance: Nigel Wellings (London), David Koláček, Michal Jašek (beide Prag); Associates: Mayowa Kalesanwo, Zahrah Mohammad (beide London; alle Corporate/M&A)
Lenz & Staehelin (Zürich): Tino Gaberthüel; Associates: Alex Wille, Lukas Held (alle Corporate/M&A)

Hintergrund: Das Baker-Team für Apollo leitete Partner Allen, der bereits seit 2015 Chef der Londoner Private-Equity-Praxis war und seit April die dortige Corporate-Gruppe leitet. Als Special Advisor gehörte zu der Gruppe auch der Jurist Edmund-Philipp Schuster aus dem Wiener Büro. Er arbeitete von 2004 bis 2009 bei der österreichischen Übernahmekommission und unterrichtet unter anderem an der London School of Economics. Das Mandat für den Investor entstand über Kontakte von Hermann und eines New Yorker Partners von Baker & McKenzie. Sonst ist an der Seite von Apollo häufig die US-Kanzlei Paul Weiss Rifkind Wharton & Garrison zu sehen, etwa gemeinsam mit Latham & Watkins als Bieter für die HSH Nordbank, die heutige Hamburg Commercial Bank.

Clifford Chance hat Sazka und die hinter dem Glücksspielbetreiber stehende Holding von Karel Komárek, KKCG, bereits mehrfach beraten, darunter beim erfolgreichen Gebot für eine Lotteriekonzession in Italien 2016. Damals waren das Prager und das Londoner Büro gemeinsam mit italienischen und polnischen Beratern tätig. Für Belange nach Schweizer Recht zog Clifford ein Zürcher Team um Partner Gaberthüel von Lenz & Staehelin hinzu. In den langjährigen Auseinandersetzungen um die Beteiligungsverhältnisse an der Casag hatte Sazka ein Dorda-Team um den Wiener Partner Dr. Jürgen Kittel mandatiert. (Raphael Arnold)

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