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19.12.2019

Pleite nach Produktionsstopp: Riel und bpv Hügel sanieren Sanochemia

Die börsenotierte Sanochemia Pharmazeutika hat beim Handelsgericht Wien Insolvenz angemeldet. Der Arzneimittelhersteller soll ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung durchlaufen, um ihn zu restrukturieren und fortzuführen. Betroffen sind rund 163 Mitarbeiter und 282 Gläubiger. 

Stephan Riel

Stephan Riel

Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV 1870) belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund 49 Millionen Euro. Diesen stehen in der Bilanz nur 22 Millionen an Aktiva gegenüber. Die angebotene Mindestquote von 20 Prozent wolle Sanochemia teils durch die Unternehmensfortführung und teilweise mittels einer Kapitalerhöhung finanzieren. Die erste Gläubigerversammlung wird am 3. März 2020 stattfinden (Gz. 38 S 159/19p).

Sanochemia hat seinen Sitz in Wien und einen Produktionsstandort im burgenländischen Neufeld. Der Betrieb stellt Arzneimittel für Radiologie, Neurologie und Onkologie her. Das 1990 von Werner Frantsits gegründete Pharmaunternehmen notiert seit 1999 am Neuen Markt der Frankfurter Börse, seit 2010 sind seine Aktien auch an der Wiener Börse notiert. Die Tochtergesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Tschechien, Ungarn, der Slowakei, UK und den USA sind offenbar nicht von der Insolvenz betroffen.

Zertifizierung und Produktion eingeschränkt

Bernhard Schatz

Bernhard Schatz

2018 hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bei einer Routineprüfung Verunreinigungen festgestellt. Daraufhin schränkte sie die nötige Herstellerzertifizierung ein, sodass Sanochemia bestimmte Produkte nicht mehr selbst herstellen durfte. Der teilweise Produktionsstopp führte zu erheblichen Umsatzeinbußen und Mehrkosten. Trotz einer Kapitalerhöhung Anfang des Jahres und dem Verkauf der defizitären Tiermedizinsparte Alvetra an die belgische Firma Inovet gelang es dem neuen Firmenchef Timo Bender nicht, das Ruder rechtzeitig herumzureißen. 

Masseverwalter
Riel & Partner (Wien): Dr. Stephan Riel; Dr. Katharina Widhalm-Budak (Masseverwalterstellvertreterin)

Schuldnervertreter
bpv Hügel (Baden): Dr. Bernhard Schatz, Georg Rupprecht (beide Federführung); Associates: Friedrich Rupprecht, Gabriela Kohlenberger (Rechtsanwaltsanwärterin)

Georg Rupprecht

Georg Rupprecht

Hintergrund: Der zum Masseverwalter bestellte Riel gehört zu den angesehen Insolvenzverwaltern in Österreich. Seine ehemalige Kanzlei Jaksch Schoeller Riel war Hauptverwalterin des Pleite gegangenen Baukonzerns Alpine. Nach dem Ausscheiden zweier Namenspartner musste die Kanzlei sich jedoch umbenennen und neu aufstellen: Nach einer Hausdurchsuchung zog sich Dr. Alexander Schoeller 2018 zurück, Dr. Johannes Jaksch war bereits Ende 2017 aus Altersgründen ausgeschieden. Seit 2018 firmiert Riel nun gemeinsam mit seinen Partnerinnen Dr. Katharina Widhalm-Budak und Denise Rohringer unter Riel & Partner. Gemeinsam mit ihnen verwaltet er seit 2018 die Großinsolvenz Waagner-Biro.

Auch das Restrukturierungs- und Insolvenzrechtsteam von bpv Hügel ist regelmäßig in Sanierungs- und Insolvenzverfahren tätig, etwa jüngst im Sanierungsverfahren des Folienherstellers Alufix als Gläubigervertreter und bei der Fluglinie Niki auf Bieterseite. Die bpv-Partnerin Dr. Elke Napokoj ist seit 2013 Mitglied des Aufsichtsrats von Sanochemia. (Annette Kamps)

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