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08.08.2019

An den Golf: Emirates NBD kauft Denizbank mit Clifford Chance und Binder Grösswang

Die Bank Emirates NBD aus Dubai bekommt die Denizbank zu einem deutlichen Abschlag: Der Kaufpreis beträgt nun 2,8 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 2,5 Milliarden Euro) statt der im Mai 2018 vereinbarten 3,2 Milliarden Dollar. Sämtliche Freigaben der für Banken zuständigen Aufsichtsbehörden liegen seit Ende Juli vor.

Thomas Schirmer

Thomas Schirmer

Das emiratische Finanzinstitut kauft von der Sberbank 99,85 Prozent an der türkischen Denizbank. Der verringerte Dollar-Kaufpreis geht auf Nachverhandlungen und den Verfall der türkischen Lira an den internationalen Devisenmärkten zurück. In Lira liegt der jetzige Kaufpreis mit 15,48 Milliarden um 0,88 Milliarden über dem ursprünglich verabredeten.

An den neuen Eigentümer geht im Zuge des Verkaufs auch die gleichnamige hiesige Tochtergesellschaft mit ihrem Geschäft in Österreich und Deutschland. In beiden Ländern zusammen kam die Denizbank 2018 auf eine Bilanzsumme von gut 11 Milliarden Euro und ein Betriebsergebnis von 195,3 Millionen Euro. In den 27 österreichischen und 16 deutschen Filialen beschäftigt die Bank knapp 500 Mitarbeiter.

Die Denizbank gehört zu den fünf größten privaten Banken in der Türkei und zählt dort 749 Fillialen und 14.000 Mitarbeiter. Die Sberbank gibt die türkische Bank mit dem Verkauf komplett aus der Hand. Sie hatte den Anteil von 99,85% im Sommer 2012 von Dexia-Töchtern erworben. Der Kaufpreis betrug damals 2,8 Milliarden Euro.

Emirates NBD stärkt Auslandsgeschäft

Die Emirates NBD erweitert mit dem Zukauf ihr internationales Geschäft deutlich. 2013 hatte das Haus 500 Millionen Dollar für die ägyptische Tochter der BNP Paribas ausgegeben. Außerdem ist sie in Saudi-Arabien, Indien, Singapur und Großbritannien tätig. Der Gewinn der Bank lag 2018 bei rund 10,1 Milliarden Dirham (umgerechnet 2,4 Milliarden Euro). Die Marktkapitalisierung des Instituts beträgt rund 49 Milliarden Dirham (12 Milliarden Euro), einen Mehrheitsanteil von 55,8 Prozent hält die staatliche Investment Corporation of Dubai.

Thomas Krecek

Thomas Krecek

Berater Emirates NBD
Clifford Chance: Mohammed Al-Shukairy, (Federführung; Dubai), Dr. Thomas Krecek, Stefan Bruder (beide Corporate/M&A), Dr. Mark Benzler (Bank-/Finanzrecht; letztere drei Frankfurt); Associates: Oliver Jarvis-Bicknell, Sara Salameh (beide Corporate/M&A; beide Dubai), Christian Hissnauer (Bank-/Finanzrecht; Frankfurt) – aus dem Markt bekannt
Binder Grösswang (Wien): Dr. Thomas Schirmer (Corporate/M&A), Dr. Stephan Heckenthaler (Finanz-/Bankaufsichtsrecht; beide Federführung), Dr. Markus Uitz (Immobilienrecht), Dr. Angelika Pallwein-Prettner (Arbeitsrecht), Christine Dietz (Kartellrecht), Dr. Ivo Rungg (IP/IT; Innsbruck); Associates: Stefan Frank, Brigita Rakar (Rechtsanwaltsanwärterin; beide Finanz-/Bankaufsichtsrecht), Felix Fuith (Corporate/M&A), Michael Delitz (Immobilienrecht; letztere beide Rechtsanwaltsanwärter)

Roman Perner

Roman Perner

Berater Sberbank
Herbert Smith Freehills (Moskau): Evgeny Zelensky (Federführung), Stanislav Grigoryev (beide Corporate/M&A); Associates: Anna Vashutina, Denis Morozov (beide Corporate/M&A), James Leadill (Litigation; London), Elena Manasyan (Corporate)
Schönherr (Wien): Dr. Roman Perner (Corporate/M&A), Martin Ebner (Bank-/Finanzrecht), Dr. Sascha Schulz (Corporate/M&A); Associates: Matthias Pressler (Bank-/Finanzrecht), Leon Scheicher (Corporate/M&A; Rechtsanwaltsanwärter)
Paksoy (Istanbul): Stéphanie Beghe Sönmez, Nazlı Bezirci, Ökkeş Şahan (alle türkisches Recht)

Hintergrund: Clifford Chance berät die Käuferin immer wieder in  M&A- und finanzrechtlichen Fragen, so auch bei der Platzierung einer Anleihe über eine Milliarde US-Dollar im Frühjahr 2019. Über das emiratische Clifford-Büro kamen auch Binder Grösswang und das Frankfurter Clifford-Team für die jeweiligen lokalen Fragen ins Mandat. Die bis Anfang 2018 amtierende General Counsel Lubna Qassim hatte bei Clifford Chance in den 2000ern in London und Dubai als Rechtsanwältin gearbeitet.

Herbert Smith Freehills ist für die russische Sberbank seit 2017 immer wieder tätig. Damals begleitete sie die Bank beim Verkauf ihrer Großbeteiligung an der ukrainischen VS Bank an die TAS-Gruppe. Auch die Zusammenarbeit mit Schönherr ist etabliert: Die Kanzlei vertritt das russische Geldhaus gemeinsam mit Linklaters dabei, milliardenschwere Forderungen gegen den kroatischen Mischkonzerns Agrokor durchzusetzen. Für Fragen türkischen Rechts zog das Moskauer HSF-Team um Zelensky die renommierte Istanbuler Kanzlei Paksoy hinzu.

Beim Einstieg der Sberbank bei dem türkischen Finanzinstitut 2012 berieten die Käuferin Teams von Linklaters und CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati. Als das Institut Ende 2015 seine slowakische Tochter an Penta Investments verkaufte, verließ es sich unter anderem auf Binder Grösswang mit einem Team um die Partner Schirmer und Uitz. (Raphael Arnold)

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