Artikel drucken
03.08.2018

Aus der Mode: Vögele geht mit Scherbaum Seebacher in Sanierungsverfahren

Nach ihrem Ende in der Schweiz hat die Modekette Charles Vögele nun auch in Österreich Insolvenz angemeldet. Das Landesgericht für Zivilrechtssachen (LGZ) Graz hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung angeordnet. Zum Masseverwalter wurde Dr. Nobert Scherbaum von der Grazer Kanzlei Scherbaum Seebacher bestellt.

Norbert Scherbaum

Norbert Scherbaum

Das Unternehmen ist mit 20 Millionen Euro überschuldet. Betroffen sind 711 Mitarbeiter, die derzeit noch auf ihre Juligehälter warten. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent angeboten. Die Gläubigerschutzorganisation Creditreform sieht neben der Insolvenz der schweizerischen Muttergesellschaft die herben Umsatzeinbrüche als Grund für die Pleite. Laut Gläubigerschutzverband KSV 1870 hatte das Unternehmen nach dem Sortimentswechsel im Sommer 2017 erheblich weniger Umsatz gemacht.

Die Schweizer Muttergesellschaft Charles Vögele war bereits Ende 2016 von dem Konsortium Sempione Fashion unter Führung des italienischen Handelskonzerns OVS gekauft worden. Der neue Eigentümer wollte sich auf wenige Kernmärkte konzentrieren und verkaufte die Filialen in anderen Ländern. Der Versuch, die Schweizer Filialen in OVS-Märkte umzuwandeln, wurde von den Kunden nicht angenommen, so dass das Konsortium im Mai 2018 Insolvenz anmelden musste. Damit wurden auch die Warenlieferungen an die österreichische Tochter eingestellt.

Investor gesucht

Durch das Sanierungsverfahren hofft man, das Unternehmen mithilfe von Investoren als Gesamtgesellschaft erhalten zu können. Presseberichten zufolge gilt die holländische Kette Miller & Monroe als der aussichtsreichste Kaufinteressent. Das Unternehmen hatte im Frühjahr bereits rund 200 ehemalige deutsche Charles Vögele-Filialen übernommen.

Masseverwalter
Scherbaum Seebacher
(Graz): Dr. Norbert Scherbaum, Dr. Clemens Jaufer, Dr. Mario Leistentritt (letztere beide Stellvertreter)

Stefan Weileder

Stefan Weileder

Schuldnervertreter
Graf & Pitkowitz (Graz): Stefan Weileder, Dr. Alexander Isola

Berater OVS
Schönherr: Dr. Wolfgang Höller, Miriam Simsa; Associate: Philipp Wetter (Rechtsanwaltsanwärter; alle Restrukturierung)

Berater Sempione Fashion
Wolf Theiss (Wien): Eva Spiegel (Federführung; Insolvenzrecht), Holger Bielesz (Prozessrecht); Associate: Paul Krepil (Prozessrecht; Rechtsanwaltsanwärter)
Lenz & Staehelin (Zürich): Dr. Roland Fischer (Insolvenzrecht)

Hintergrund: Graf & Pitkowitz zählt zu den Top-Insolvenzpraxen in der Steiermark. Der bundesweit bekannte Dr. Alexander Isola und der jüngere Partner Stefan Weileder agierten unter anderem bei SFL Technologies als Schuldnervertreter in der größten Pleite des Jahres 2017. Beide standen auch Niki im Insolvenzverfahren zur Seite.

Die Kanzlei Scherbaum Seebacher gehört in Graz zu den Platzhirschen und ist über das Insolvenzrecht groß geworden. Inzwischen sind die Insolvenz- und Restrukturierungsexperten der Kanzlei auch über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Die Kanzlei eröffnete im vergangenen Jahr auch ein Büro in Wien.

Großgläubiger OVS wird von den Schönherr-Restrukturierungsexperten Höller und Simsa beraten, die ebenso wie Reisch und Spiegel zuletzt am Verkauf der angeschlagenen Möbelhäuser Kika/Leiner an die Signa-Gruppe beteiligt waren. OVS ist schon seit Längerem Mandantin von Schönherr, wurde bislang jedoch im Gesellschaftsrecht beraten.

Die Schweizer Gesellschafterin Sempione Fashion vertraut auf die Züricher Kanzlei Lenz & Staehelin, die wiederum Wolf Theiss als österreichischen Counsel ins Boot holte.

Aus dem Markt war zu hören, dass Insolvenzrechtsexpertin Dr. Ulla Reisch einen der Kaufinteressenten berät. Reisch war zuletzt an allen großen Insolvenzverfahren beteiligt, meist jedoch in der Rolle der Schuldnervertreterin, so zuletzt für Wienwert und Forstinger. Darüber hinaus wurde sie Anfang des Jahres als Verwalterin der Niki-Insolvenz bestellt und arbeitet neben Schönherr an der Restrukturierung von Kika/Leiner. (Annette Kamps)

  • Teilen