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07.02.2018

Steinhoff-Krise: Kika/Leiner sichert sich mit Schönherr Finanzierung

Der Möbelhändler Kika/Leiner hat die Finanzierung seiner operativen Gesellschaften in Österreich über einen mehrstelligen Millionenbetrag gesichert. Dazu trägt der Mutterkonzern Steinhoff trotz seines Bilanzskandals mit eigenen Mitteln bei. Der Restrukturierungsplan bei Kika/Leiner sieht unter anderem vor, ein nachhaltig rentables Filialnetz zu schaffen und die Onlinepräsenz zu verbessern.

Miriam Simsa

Miriam Simsa

Zu den Maßnahmen zählt auch, dass der Gewinnabführungsvertrag mit dem Mutterkonzern auf Eis gelegt ist. Die österreichischen Geschäfte gerieten im Dezember aufgrund der Schieflage des Konzerns in Südafrika in finanzielle Turbulenzen. Betroffen waren die 50 Filialen hierzulande, bei denen etwa 6.000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Auf die rund 15 Geschäfte von Kika/Leiner in Tschechien, Ungarn, der Slowakei und Rumänien erstreckt sich der Plan nicht, sie erwirtschaften ausreichend eigene Mittel. Weltweit unterhält Steinhoff ungefähr 12.000 Geschäfte und beschäftigt 130.000 Mitarbeiter, davon 50.000 in Südafrika.

Als Teil seiner eigenen Sanierungsbemühungen verkaufte der Steinhoff-Konzern noch im Dezember das Leiner-Stammhaus in der Mariahilfer Straße in Wien. Es ging für rund 50 Millionen Euro an den Immobilieninvestor René Benko. Für Kika/Leiner wechselte damit der Vermieter, der Vertrag läuft bis 2030.

Die börsenotierte Gesellschaft Steinhoff International veröffentlichte wegen des Bilanzskandals bislang noch keine Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/17, das am 30. September endete. Noch im Sommer hatte der Konzern über die Tochter Steinhoff Europe eine Anleihe über 800 Millionen Euro begeben.

Früherer Vorstandsvorsitzender angezeigt

Der Wirtschaftsprüfer Deloitte sah sich im Dezember außerstande, die Bilanz für das Geschäftsjahr 2016/17 abzusegnen. Aktuell arbeitet er weiter an den Zahlenwerken der drei zurückliegenden Geschäftsjahre. Ebenfalls im Dezember beauftragte der Steinhoff-Konzern PricewaterhouseCoopers damit, die Unregelmäßigkeiten in der Bilanz zu untersuchen, sein Vorstandsvorsitzender Markus Jooste trat zurück. Ende Januar schließlich zeigte der Konzern seinen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden wegen vermeintlicher Verstöße gegen das südafrikanische Gesetz zur Korruptionsvorbeugung und -bekämpfung von 2004 (PRECCA) an. Parallel dazu untersuchen die südafrikanische Finanzaufsicht FSB, die dortige Zentralbank und die Johannesburger Börse jeweils Teilbereiche des Skandals.

Berater Kika/Leiner
Schönherr (Wien): Dr. Wolfgang Höller, Miriam Simsa (beide Restrukturierung); Associate: Philipp Kalser (Restrukturierung; Rechtsanwaltsanwärter)
Urbanek Lind Schmied Reisch (Wien): Dr. Ulla Reisch (Insolvenzrecht)

Claus Schneider

Claus Schneider

Berater Steinhoff
Gleiss Lutz (Frankfurt): Dr. Eva Reudelhuber (Finanzierung)
Wolf Theiss (Wien): Dr. Claus Schneider (Finanzierung/Restrukturierung), Eva Spiegel (Insolvenzrecht), Matthias Schimka (Gesellschaftsrecht/Finanzierung/Restrukturierung; alle Federführung), Dr. Markus Bruckmüller (Gesellschaftsrecht), Karl Koller (Liegenschaftsrecht), Dr. Niklas Schmidt (Steuerrecht), Dr. Günter Bauer (Kartellrecht); Associates: Dr. Eva Stadler (Steuerrecht), Lukas Pinegger (Gesellschaftsrecht; Rechtsanwaltsanwärter)

Berater Koordinationskomitee der Senior Banken
Allen & Overy: Andrew Trahair, Mark Sterling (beide London), Peter Hoegen (Frankfurt; alle Finanzierung) – aus dem Markt bekannt
Binder Grösswang (Wien): Dr. Tibor Fabian, Dr. Stefan Tiefenthaler (beide Finanzierung), Gottfried Gassner (Insolvenz & Restrukturierung)

Hintergrund: Das österreichische Management von Kika/Leiner kam mit dem Restrukturierungsmandat im Dezember direkt zu Schönherr. In den folgenden Wochen galt es für das Team um die Partner Höller und Simsa, festzustellen, in welcher Lage sich das Unternehmen befand und welche Schritte zu seinem Erhalt nötig waren. Dazu zählte auch, mithilfe der Insolvenzspezialistin Reisch auf einen – letztlich nicht nötigen – Insolvenzantrag vorbereitet zu sein.

Gleiss Lutz und Wolf Theiss waren gemeinsam bereits bei der Emission der Anleihe im Sommer 2017 für Steinhoff tätig. In den aktuellen Verhandlungen koordinierte die Frankfurter Gleiss Lutz-Partnerin Reudelhuber die Arbeit für Steinhoff, Wolf Theiss oblagen die Fragen zu österreichischem Recht.

Die weltweiten juristischen Aktivitäten im Zuge des Bilanzskandals leiten Linklaters und die südafrikanische Großkanzlei Werksmans. Sie unterhält vier Büros im Land und beschäftigt rund 200 Anwälte. Aufseiten der Anleihegläubiger ist Latham & Watkins für eine Gruppe um die Investmentbank PJT Partners tätig. Inhaber von Wandelschuldverschreibungen wie Centerbridge, Farallon, Och-Ziff, Silver Point und York Capital vertritt Kirkland & Ellis. Die Den Haager Kanzlei BarentsKrans versucht, die Interessen von Steinhoff-Aktionären zu bündeln. (Raphael Arnold)

Zuletzt aktualisiert am 1. März 2018.