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06.02.2018

Interview mit PHH-Partnerin Julia Peier: Ein guter Mix ist wichtig

Im September 2017 wurde Julia Peier bei PHH Prochaska Havranek zur Salary-Partnerin ernannt – als eine der jüngsten Partnerinnen Österreichs. Mit JUVE sprach sie über die Wichtigkeit von Diversität in Kanzleien.

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Julia Peier

JUVE: Frau Peier, Ihre Kanzlei hat den Frauenanteil in der Partnerschaft 2017 stark erhöht. Sie sind mit nur 30 Jahren zur Salary-Partnerin ernannt worden. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Julia Peier: Ich habe immer klar formuliert, was ich will und wie meine Zukunftspläne aussehen. Mein Ziel war es, Partnerin zu werden. Die Partner bei PHH haben mir von Anfang an viel Vertrauen entgegengebracht und mich gefördert. Ich durfte schnell Mandate eigenverantwortlich abwickeln und Mandanten persönlich betreuen.

Wie lange dauert es bei PHH, bis man es vom Salary-Partner zum Equity-Partner bringen kann?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Auf jeden Fall gibt es in der Kanzlei verschiedene Wege, Partner zu werden. Ich selbst bin ein Eigengewächs und war bereits als Konzipientin bei PHH. Annika Wolf, die zeitgleich mit mir zur Partnerin ernannt wurde, ist dagegen Quereinsteigerin und seit 2015 dabei.

Mussten Sie sich schon einmal den Vorwurf gefallen lassen, eine Quotenfrau zu sein?

Nein! Ich finde es schlimm, dass man im Jahr 2018 überhaupt noch über dieses Thema sprechen muss. Man kann mir genauso gut den Vorwurf machen, dass ich zu jung für diese Position bin. Es geht um Leistung, Persönlichkeit und Entwicklungspotenzial. Die  Ernennung zur Partnerin war eine reine personenbezogene und unternehmerische Entscheidung.

Verändert es eine Kanzleikultur, wenn es unter den Partnern mehr Frauen gibt?

Ich weiß natürlich nicht, wie die Partner-Meetings früher abgelaufen sind. Aber es wirkt sich meiner Erfahrung nach immer positiv aus, wenn eine Frau bei einer Verhandlung mit am Tisch sitzt. Dann bemühen sich alle um einen besseren Umgangston. Außerdem sehen Frauen manche Dinge anders, genau wie junge Menschen Dinge anders betrachten als ältere. Der Schlüssel einer guten Partnerschaft ist ein Mix verschiedener Persönlichkeiten.

PHH hat den Anteil der Frauen in der Partnerschaft im vergangenen Jahr auf mehr als 27 Prozent gesteigert. Sehen Sie Ihre Kanzlei dadurch in einer Art Vorreiterrolle?

Ja, ich habe zwar keine genauen Zahlen vorliegen, aber ich denke, wir sind recht weit vorn dabei. Ich habe allerdings das Gefühl, dass die österreichischen Kanzleien inzwischen insgesamt offener werden, was Gesellschafterinnen betrifft.

Unabhängig vom Geschlecht. Ist die Partnerschaft für die Generation Y überhaupt noch ein attraktives Karriereziel?

(lacht): Also für mich schon. Aber immer weniger junge Menschen wollen so viel arbeiten, wie das noch vor zehn, 15 Jahren in der Branche üblich war. Die Work-Life-Balance ist vielen wichtiger geworden. Ich denke, man muss sich davon frei machen, Privates und Berufliches strikt zu trennen. Die Digitalisierung erleichtert einiges, gerade auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Schließlich kann man heute ohne große Probleme auch von zuhause aus arbeiten. Das schafft neue Möglichkeiten.

Werden Sie diese Möglichkeiten nutzen?

Ich habe mich sehr bewusst dafür entschieden, Partnerin zu werden. Das war keine Entscheidung gegen eine Familie. Um beides unter einen Hut zu bringen, werde ich sicherlich ein paar Dinge anders lösen müssen. Glücklicherweise habe ich viel Rückendeckung von meinem Partner und meiner Familie – und ich kann mich voll und ganz auf mein Team verlassen.

Was denken Sie über Teilzeit-Partnerschaften?

Ich glaube, dass es die de facto nicht gibt! Man kann sich in unserem Job nicht einfach auf eine bestimmte Stundenanzahl beschränken. Im Projektgeschäft muss ich dann da sein, wenn ich gebraucht werde.

Das Gespräch führte Annette Kamps

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