Artikel drucken
04.05.2021

Prozessfinanzierer: Latham-Anwalt eröffnet deutsches Büro für Deminor

Erneut baut ein internationaler Prozessfinanzierer seine Präsenz im deutschen Markt aus. Zum Mai hat Deminor ein Büro in Hamburg eröffnet. Leiter ist Dr. Malte Stübinger (35), bisher Senior Associate in der Konfliktlösungspraxis von Latham & Watkins. 

Malte Stübinger

Malte Stübinger

Stübinger begann seine Karriere 2015 bei Latham. Er war unter anderem an der Vertretung von Singapore Airlines bei Schadensersatzklagen gegen das Luftfrachtkartell beteiligt und gehörte zu dem Team, das für den Insolvenzverwalter von S&K Prozesse gegen Anleger führte, um frühere Ausschüttungen zurückzufordern. Damit verfügt Stübinger über Erfahrung in mindestens zwei Gebieten, die auch Deminor als Prozessfinanzierer beschäftigen: Kartellschadensersatz- und Massenklagen.

Deminor wurde 1990 gegründet und verfügt neben dem Hauptsitz Brüssel heute über Büros in New York, Hongkong, London, Luxemburg und Mailand. Hinter dem Finanzierer stehen die drei Hauptpartner Erik Bomans, der auch CEO ist, Charles Demoulin und Edouard Fremault. Zudem halten ein Family Office sowie weitere Privatpersonen Anteile. Nach einer kürzlichen Finanzierungsrunde über 40 Millionen Euro teilte Deminor mit, man sei bereit, in den nächsten zwei bis drei Jahren 90 Millionen Euro in neue Fälle zu investieren. 

Finanzierer rollen den deutschen Markt auf

Bisher finanziert Deminor professionelle Investoren, die etwa gegen Porsche im Zuge der VW-Dieselaffäre vorgehen oder gegen die Konzerne Steinhoff und Toshiba wegen Bilanzfälschung. Das Schadensvolumen der von Deminor finanzierten Streitigkeiten beträgt in der Regel mindestens fünf Millionen Euro. Familien- und Erbschaftsstreitigkeiten sowie Arzthaftungsklagen gehören nicht zum Portfolio.

Noch bis vor wenigen Jahren war der deutsche Markt für Prozessfinanzierung dominiert von Foris sowie Legial und Roland Prozessfinanz, die beide Teile von Versicherungskonzernen waren. Inzwischen ist Roland von dem internationalen Finanzierer Omni Bridgeway übernommen worden. Der Schweizer Finanzierer Nivalion hat heute Büros in Deutschland, geführt von einem ehemaligen Clifford Chance-Counsel. Dass Anwälte aus Spitzenkanzleien zu Prozessfinanzierern wechseln, ist eine neuere Entwicklung. Foris gewann kürzlich den früheren General Counsel von United Internet und GfK, Frederick Iwans, als Vorstandsmitglied. Der Branchenprimus Burford beschäftigt deutsche Anwälte und soll seit längerem ebenfalls mit der Eröffnung eines deutschen Büros liebäugeln. (Marc Chmielewski)

  • Teilen