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27.10.2014

Juve spricht mit … Dr. Christian Zschocke von Morgan Lewis & Bockius

Christian Zschocke ist seit 1997 Managing-Partner des einzigen deutschen Büros der US-Kanzlei Morgan Lewis. Diese strebt derzeit an, mit Bingham McCutchen zu einer der weltweit zehn größten Kanzleien zu fusionieren.

JUVE: Wann können wir denn mit dem Vollzug der geplanten Fusion mit Bingham McCutchen rechnen und was wird dies für die deutsche Praxis verändern?
Zschocke: Ich muss Sie enttäuschen, von mir gibt es dazu keinerlei Kommentar.

Aber auch unabhängig davon stellen sich hierzulande drängende Aufgaben.
Das ist richtig. Wir arbeiten an einer Verstärkung unserer gesamten europäischen Präsenz. Dabei kommt Deutschland eine hervorgehobene Rolle zu. Wir sind hier personell noch schmal aufgestellt. So fehlt es etwa teilweise dort an Verstärkung, wo wir international stark besetzt sind, etwa im Bereich Litigation, Energierecht sowie vielleicht IP.

Das Thema der Personalbasis wird durch die Weggänge von zwei Partnern und einigen Associates im vergangenen Jahr noch akuter. Wie wollen Sie dies lösen?
Einige ältere Associates sind in die Rechtsabteilung von Mandanten gegangen. Dafür sind eine Reihe neue, jüngere hinzugekommen. Eine Sozietät muss stets in Bewegung bleiben. Die beiden Partner waren die ersten, die uns seit etwa einem Jahrzehnt verlassen haben. Auf unsere primären Ziele hatte dies keine Auswirkung. Wir arbeiten weiter profitabel und führen die jüngere Generation verantwortungsvoll an die Partnerschaft heran.

Zurück zum Problem des personellen Wachstums. Warum soll dies ausgerechnet jetzt gelingen?
Wachstum für sich alleine ist nicht die Lösung. Vielleicht sind wir etwas risikoavers und tun uns deshalb etwas schwer. Fakt ist aber auch, dass wir seit den Anfängen mit einem Brückenkopf nun schon 25 Jahre in Deutschland sind und bislang immer profitabel waren. Damit können wir gut leben. Wichtig ist deshalb, wie das Wachstum stattfindet und welche Kompromisse man eingehen möchte. Ist es realistischer, durch einzelne Zugänge strategisch klug zu wachsen oder eher opportunistisch durch Teams oder ganze Büros? Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Den Erfolg, den wir in Moskau durch den Gewinn des Teams von Dewey & LeBoeuf erzielen, hätten wir anders so nicht hinbekommen.

Offensichtlich schielen Sie eher auf ganze Teams oder sogar neue Büros? Es wirkte zuletzt fast so, dass Morgan Lewis sich mit dem Status quo in Frankfurt eingerichtet hatte. Wo wollen Sie denn in einem Jahr stehen?
Ein personelles Wachstum ist ein Ziel, ebenso die stärkere Vernetzung mit unseren osteuropäischen Büros. In Deutschland sind wir keinesfalls auf Frankfurt beschränkt. Wenn sich die Möglichkeit bietet, sind auch Hamburg, München und Köln/Düsseldorf interessante Märkte.

Das Gespräch führte René Bender

 

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