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12.01.2021

Insolvenz: Adler Modemärkte geht mit Gerloff, Gleiss Lutz und Anchor in die Eigenverwaltung

Die börsennotierte Bekleidungskette Adler Modemärkte hat beim Amtsgericht Aschaffenburg ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Der fränkische Textilhändler beschäftigt rund 3.350 Mitarbeiter und macht die coronabedingten Schließungen für seine Überschuldung verantwortlich.

Christian Gerloff

Christian Gerloff

Adler bestellte Dr. Christian Gerloff von der Münchner Kanzlei Gerloff Liebler zum Generalbevollmächtigten. Nach Angaben des Unternehmens sind auch für die 100-prozentigen Tochtergesellschaften Adler Mode, Adler Orange und Adler Orange Verwaltung vorläufige Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mit ihm eröffnet worden.

Gerloff ist seit 2020 auch Insolvenzverwalter von Escada, die er bereits 2009 in einem Insolvenzverfahren betreute. Als Verfahrensbevollmächtigte agiert dort Allen & Overy. Deren Partner Dr. Sven Prüfer und Gerloff sind seit dem Eigenverwaltungsverfahren von Gerry Weber ein eingespieltes Team. 

Tobias Wahl

Tobias Wahl

Im Adler-Verfahren wurde der Mannheimer Anchor-Gründungspartner Tobias Wahl als vorläufiger Sachwalter der betroffenen Gesellschaften bestellt. Zuständiger Insolvenzrichter ist Dr. Jürgen Roth.

Adler betreibt nach eigenen Angaben derzeit 171 Märkte, davon 142 in Deutschland, sowie einen Onlineshop. Die Gruppe erzielte 2019 einen Umsatz von 495 Millionen Euro. Gegründet wurde das Unternehmen 1948 als Konfektionsbetrieb in Annaberg. 

Zwar ist der Umsatz der Gruppe aufgrund des Strukturwandels im Textileinzelhandel seit fünf Jahren moderat rückläufig. Dank zumindest geringer Jahresüberschüsse in den vergangenen Abschlüssen lag das Eigenkapital zuletzt aber immerhin noch bei 62 Millionen Euro. Bis 2019 kam die Aktiengesellschaft ohne Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten aus, der größte Fremdkapitalposten waren Leasingverbindlichkeiten von 265 Millionen Euro, die im Wesentlichen aus den Ladenlokalen stammen.

Gleiss Lutz beriet bereits Finanzierungsrunde

Matthias Tresselt

Matthias Tresselt

Im Mai 2020 hatte Adler dank einer Staatsbürgschaft Kredite bekommen, um durch die Corona-Krise zu kommen. Ein Team von Gleiss Lutz beriet das Unternehmen bei der Vereinbarung über Finanzierungszusagen über 69 Millionen Euro. Der dahinterstehende Konsortialkredit basiert auf einer Länder-Großbürgschaft der Landesregierungen von Bayern und Nordrhein-Westfalen und wird von deren Kernbanken über eine Laufzeit von sechs Jahren zu marktüblichen Konditionen gewährt.

Federführend in dem Frankfurter Team war der Finanzrechtspartner Dr. Kai Birke. Kapitalmarktrechtlich beriet Dr. Stephan Aubel und insolvenzrechtlich Dr. Matthias Tresselt aus Stuttgart. Die beiden Associates Dr. Jan-Alexander Lange aus der Frankfurter Finanzrechtspraxis und der Stuttgarter Restrukturierer Joachim Glöckler ergänzten dieses Team.

Gleiss ist regelmäßig für Adler tätig und hatte unter anderem auch deren Börsengang beraten. Die Kanzlei berät das Unternehmen auch im Insolvenzverfahren. Das Team bereitete dabei einen der ersten Anträge nach den seit Januar geltenden, strengeren Anforderungen durch das Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetz vor.

Außer Tresselt, Aubel, Birke und Glöckler gehören folgende weitere Anwälte zu dem aktuellen Team von Gleiss Lutz: der Hamburger Steuerrechtspartner Dr. Johann Wagner, der Frankfurter Counsel Alexander Gebhardt für Kapitalmarktrecht sowie die Associates Moritz Lochmann aus München für M&A, Dr. Walter Andert aus Berlin und Jannik Hermes aus Frankfurt für Kapitalmarktrecht.

Noerr hatte bei der Finanzierung im Frühling unter der Federführung der Frankfurter Bank- und Finanzrechtspartner Andreas Naujoks und Dr. Torsten Wehrhahn die Banken beraten. Zu ihrem Team gehörten die Münchner Restrukturierungspartnerin Dr. Dorothee Prosteder, aus Hamburg die assoziierte Partnerin Simone Schönen im Insolvenzrecht und der Frankfurter Associate Patrick Geist für das Bank- und Finanzrecht.

Vom Mehrheitsaktionär S&E Kapital kann Adler kaum Hilfe erwarten. Der Investor gehört zur Steilmann-Gruppe, deren Hauptgesellschaft seit etwa vier Jahren insolvent ist und keinen Käufer für ihre Beteiligung gefunden hat. Verwalter von Steilmann ist der Düsseldorfer Anwalt Dr. Frank Kebekus von Kebekus et Zimmermann.

Aus dem Markt wurde bekannt, dass General Counsel Daniel Getzin inhouse für Adler in dem Verfahren tätig ist. Den Aufsichtsrat berät bereits seit der Finanzierung der Hamburger Luther-Partner Frank Tschentscher, der jüngst mit der Beratung der Esprit-Gesellschafter weitere Branchenerfahrung sammelte. Für die ausländischen Tochtergesellschaften sollen Wenger Plattner in der Schweiz und Loyens & Loeff in Luxemburg aktiv sein. In Österreich beraten von Wolf Theiss die Restrukturierungsexpertin Eva Spiegel und der Bank- und Finanzrechtspartner Matthias Schimka. Ihre Mandatierung erfolgte aufgrund von Kontakten zu Gleiss Lutz aus dem Steinhoff-Mandat.

Wirtschaftsprüfer der Adler Modemärkte ist seit mehr als zehn Jahren PricewaterhouseCoopers. Die Stuttgarter Partnerin Angelika Kraus bestätigte den jüngsten Abschluss. (Ludger Steckelbach)

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