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14.08.2020

Rechtsmarkt der Zukunft: Institut legt Grundsätze für Common Legal Plattform vor

Eine nicht kommerzielle, offene, neutrale und interdisziplinäre Kommunikationsplattform für alle Teilnehmer des Rechtsmarkts – das Münchner Liquid Legal Institute hat Grundsätze für eine solche ‚Common Legal Plattform‘ (CLP) veröffentlicht. Mit den Grundsätzen wollen die Autoren den bestehenden Angeboten am Markt helfen, sich weiter an eine funktionierende Lösung für den gesamten Rechtsmarkt heranzutasten.

Schindler_Dierk

Dierk Schindler

Nach den Vorstellungen der Autoren Kai Jacob, Dierk Schindler und Bernhard Waltl soll eine Plattform allen Rechtsmarktteilnehmern einschließlich dem Gesetzgeber, der Verwaltung und der Justiz zunächst die Möglichkeit zum Austausch geben. Langfristiges Ziel des Projekts soll die geschäftliche, fachliche und technische Standardisierung und Harmonisierung von Verträgen und anderen Rechtsdokumenten sowie von Arbeitsprozessen inklusive des Austauschs von Daten sein.

In der jüngeren Vergangenheit sind einige, meist kommerzielle Plattformen unter anderem von Microsoft und Google mit einem speziellen Angebot für den Rechtsmarkt an den Start gegangen. Dazu gehört auch Reynen Court. Im April dieses Jahres hatten die Kanzleien CMS, Cooley und Rajah & Tann Asia die Branchenplattform ‚Lupl‘ als offenes Netzwerk gegründet. Auch EY Law bietet mit seinem Produkt Riverview ähnliche Möglichkeiten.

Bernhard Waltl

Bernhard Waltl

Die Autoren von Liquid Legal Institute bewerten die bestehenden Angebote grundsätzlich positiv, sehen in ihnen allerdings nicht das Potenzial, eine umfassende Lösung für den Rechtsmarkt bereitzustellen. Gegen Lupl spricht aus ihrer Sicht insbesondere, dass die von einem Kanzleikonsortium ins Leben gerufene Plattform möglicherweise Unternehmen zum Mitmachen bewegt, weitere Kanzleien aber nur schwer zu gewinnen sind.

Marktteilnehmer begrüßen die Veröffentlichung der Grundsätze. Denn dass die Standardisierung von Prozessen im Rechtsmarkt insbesondere den Rechtsabteilungen bei komplexen, arbeitsteilig organisierten Transaktionsprojekten einen Mehrwert bringt, ist unumstritten. Zu oft arbeiten Juristen noch mit den klassischen Office-Lösungen. Die Verbreitung von Grundsätzen für ein zukünftiges digitales ‚Ökosystem Recht‘, wie die Initiatoren von CLP ihr langfristiges Ziel beschreiben, könnte das Bewusstsein schärfen, dass bei der Prozessdigitalisierung im deutschen Rechtsmarkt noch fehlt, glauben sie.

Kai Jacob

Kai Jacob

Dabei kann auch helfen, dass die Initiative aus München ernst genommen wird: Dies ist nicht zuletzt der Fall, weil die ehrenamtlich tätigen Autoren im Markt bestens bekannt und gut vernetzt sind. Jacob ist bei Deloitte Legal im Bereich ‚Legal Management Consulting‘ tätig und war zuvor beim Software-Haus SAP. Schindler war Chefjurist bei NetApp und ist nun bei Bosch ‚Vice President & Head of Corporate Legal Services‘. Und Waltl ist ‚Computer and Data Scientist bei BMW‘ und Gründungsmitglied des Liquid Legal Institute. (Helena Hauser, Martin Ströder)

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