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30.07.2020

Insolvenz: Verwalterin Görg muss bei der German Property Group viel aufklären

Nach langer Unklarheit über die Lage bei der Immobiliengruppe haben Kernunternehmen der German Property Group beim Amtsgericht Bremen Insolvenz beantragt. Görg-Partner Prof. Dr. Gerrit Hölzle wurde zum vorläufigen Verwalter im Rahmen einer vermutlich milliardenschweren Konzerninsolvenz der gesamten Unternehmensgruppe bestellt.

Gerrit Hölzle

Gerrit Hölzle

Schon vor über einem Jahr berichteten der britische Sender BBC und die ARD kritisch über die wirtschaftliche Lage der Gruppe, die denkmalgeschützte Häuser in ganz Deutschland gekauft hat, um sie zu sanieren: Viele der Gebäude verfielen. Gleichzeitig bangten die Anleger, vor allem im Ausland, um ihre Altersvorsorge. Seit 2016 hat das Kernunternehmen der Gruppe keine Jahresabschlüsse veröffentlicht, sodass die Faktenlage undurchsichtig ist.

Medienberichte sprachen 2019 von rund 60 Objekten in Deutschland und über 300 Millionen Euro eingesammelten Anlegergeldern. JUVE liegen aktuelle Schätzungen von mit der Sache vertrauten Personen vor, die von etwa 500 Millionen Euro Verschuldung und über einer Milliarde Euro eingesammelten Kapitals ausgehen. Die schrittweise Stellung von Insolvenzanträgen für die über hundert zur German Property Group gehörenden Projektentwicklungsgesellschaften wird in Kürze in einer mit dem Gericht aus Gründen der Verfahrenseffizienz abgestimmten Reihenfolge erfolgen.

Der erfahrene Insolvenzrechtler Hölzle wird einiges aufzuklären haben: Die Gläubigerstruktur der auch in Asien, Großbritannien und Irland aktiven Gruppe ist komplex. Nachdem die Geschäftsführung der Kerngesellschaft dieses Jahr bereits zweimal gewechselt hat, verlegte sie auch ihren Sitz noch wenige Tage vor dem Insolvenzantrag von Langenhagen nach Bremen. Nach JUVE vorliegenden Informationen sind die Geschäftsanteile auf eine Auffanggesellschaft übertragen worden, die sich einen Überblick verschafft und dann die Anträge gestellt hat.

Dem Vernehmen nach hat vor dem Insolvenzantrag im Frühling ein internationales Team von Kirkland & Ellis Restrukturierungsmöglichkeiten für die Gruppe überprüft. Federführend soll dabei der Münchner Partner Dr. Wolfram Prusko beraten haben.

Diverse Anlegerkanzleien haben sich bereits positioniert. Marktbekannt wurde zudem, dass größere Gläubigergruppen sich von den namhaften Restrukturierungspraxen von Gleiss Lutz, Dentons und Greenberg Traurig (unbestätigt) vertreten lassen.

Der gefragte Insolvenzexperte Hölzle übernahm noch im Juli in Hildesheim die Geschäftsleitung der insolventen Gießereigruppe KSM Castings, im Juni rückte er als CRO in die Geschäftsführung der insolventen Hamburger Modekette Bonita. (Ludger Steckelbach)

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