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21.11.2019

Großer Etat: Wirecard trennt Recht und Compliance und stockt personell deutlich auf

Der Zahlungsdienstleister Wirecard will die Zahl der Compliance-Mitarbeiter noch bis Ende des Jahres deutlich erhöhen. Allein die Compliance-Abteilung, die inzwischen eigenständig neben der Rechtsabteilung steht und von Daniel Steinhoff (36) geleitet wird, soll am Jahresende mehr als doppelt so groß sein wie derzeit. Hinzu kommen noch Experten für Geldwäsche, IT-Sicherheit und Risikomanagement, die an andere Geschäftsbereiche angebunden sind. 

Daniel Steinhoff

Daniel Steinhoff

Steinhoff war bis August Vize der von Andrea Görres geleiteten Rechtsabteilung und in dieser Funktion schon für das Thema Compliance zuständig. Im Sommer beschlossen die Gremien, das Thema Compliance dadurch aufzuwerten, dass es aus der Rechtsabteilung herausgelöst wird. Es besteht nun eine direkte Berichtslinie zu CFO Alexander von Knoop.

Dem neuen Global Head of Compliance, Steinhoff, untersteht derzeit eine rund 20-köpfige international tätige Mannschaft, die bis Ende 2019 auf 50 wachsen soll. Die Mehrheit davon sind Mitarbeiter mit nicht-juristischer Ausbildung und unterschiedlichen Spezialisierungen, beispielsweise Datenschützer und Wirtschaftswissenschaftler. Außerdem gibt es noch Experten für IT-Sicherheit, Geldwäsche und Risikomanagement, die in eigenen Berichtslinien zwar zu Compliance zählen, aber nicht Steinhoff zugeordnet sind. Insgesamt ist von 230 Mitarbeitern die Rede, die bis Jahresende unter Compliance fallen sollen – bei einer Mitarbeiterzahl von rund 5.800.

Für die internen Untersuchungen zu den Bilanzmanipulationsvorwürfen, die im Raum stehen, beschäftigt Wirecard neben der indischen Kanzlei Rajah & Tann auch Fieldfisher und Gibson Dunn & Crutcher. Auch Herbert Smith Freehills ist mit Compliance-Beratung für Wirecard befasst. Der Kontakt besteht zum internationalen Leiter der Corporate Crime- und Investigation-Praxis, Kyle Wombolt, in Hongkong.

Jüngst hat das Unternehmen eine Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG in Auftrag gegeben. Immer wieder hatten kritische Berichte der ‚Financial Times‘ zu angeblich mangelhafter Bilanzierung Druck auf den Aktienkurs von Wirecard ausgelöst. Das Unternehmen sieht sich dagegen im Visier von Spekulanten, die mit sinkenden Aktienkursen Geld verdienen wollen. In Deutschland prüfen die Staatsanwaltschaft München und die Finanzaufsicht BaFin den Verdacht, dass es sich um organisierte Attacken von Börsenspekulanten handelte. Für die Auseinandersetzungen mit der ‚Financial Times‘ beauftragte das Unternehmen Franz Enderle und Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub von Bub Memminger & Partner. (Christiane Schiffer, mit Material von dpa)

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