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11.07.2019

Streit beim Zulieferer: Gerloff und Grub Brugger kümmern sich um insolvente Weber Automotive

Der süddeutsche Automobilzulieferer Weber Automotive und die dazugehörige Weber Industrie Holding haben einen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht Konstanz eröffnete ein Verfahren in Eigenverwaltung und setzte Dr. Christian Gerloff von Gerloff Liebler als Sachwalter ein. Als Generalbevollmächtigter ist Martin Mucha von Grub Brugger in das Management des Unternehmens eingetreten. Rund 1.500 Mitarbeiter sind von diesem Schritt betroffen. Verärgert über den Gang zum Gericht ist das Private-Equity-Unternehmen Ardian, Mehrheitsgesellschafterin bei Weber.

Christian Gerloff

Christian Gerloff

Ardian war 2016 an Bord gekommen. Der Finanzinvestor übernahm seinerzeit 75 Prozent der Anteile. Der Weber-Familie gehörten weiterhin 25 Prozent, sie behielt auch die Immobilien und Werke im Privatbesitz. Laut Presseberichten gab es schon länger Streit zwischen den Gesellschaftern über die Mietkosten sowie die weitere Finanzierung und Ausrichtung des Unternehmens.

Im vergangenen Herbst hatte der Zulieferer noch mitgeteilt, dass er seine Geschäftsführung neu aufstelle. Die Eigentümerfamilie hingegen werde sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und nur noch im Beirat und auf Holdingsebene vertreten sein. Damals hieß es, das Markdorfer Unternehmen habe seinen Umsatz in den zurückliegenden vier Jahren auf  mehr als 300 Millionen Euro verdoppelt. Doch schon Ende vergangenen Jahres konnte es wohl seinen Kreditverbindlichkeiten nicht mehr nachkommen. Trotz Sanierungsgutachten war bislang keine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen.

Martin Mucha

Martin Mucha

Absatzrückgänge treffen die Zuliefererbranche

Weber Automotive steht nicht alleine da mit ihrem Liquiditätsengpass. Die Absatzkrise bei den Autoherstellern, ausgelöst durch den Dieselskandal und verstärkt durch E-Mobilität, schlägt bei vielen Zulieferern durch. So hatte beispielsweise Wielpütz in Düsseldorf schon vor einigen Monaten das Eigenverwaltungsverfahren zur Sanierung gewählt (850 Mitarbeiter). Auch die Wayand AG aus Idar-Oberstein teilte ihren rund 500 Beschäftigten mit, dass ihre Gehälter nur vorübergehend gesichert seien. Beim Automobilzulieferer Küpper Metallverarbeitung Heiligenhaus musste man Ende Juni die Tore schließen, weil die Investorengespräche gescheitert waren.

Sachwalter Weber Automotive
Gerloff Liebler (München): Dr. Christian Gerloff (Sachwalter), Dr. Marco Liebler (Insolvenzrecht), Christian Rogner (Arbeitsrecht)

Maximilian Schwab

Maximilian Schwab

Berater Weber Automotive
Grub Brugger (Stuttgart): Martin Mucha (Generalbevollmächtiger), Dr. Volker Muschalle (beide Restrukturierung), Sebastian Schäfer, Dr. Tobias Rentschler; Associate: Stephan Vogel (alle Insolvenzrecht)
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Stefan Sax (Restrukturierung) , Steffen Schellschmidt (Finanzierung), Dr. Cristina Weidner, Joachim Ponseck; Associate: Diana Schulte-Stiefermann (alle Restrukturierung)
PricewaterhouseCoopers (München): Thomas Steinberger (Leiter Automotive Transactions), Katherina Gasser (Restrukturierung)

Berater Ardian (Mehrheitsgesellschafterin)
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Dr. Maximilian Schwab − aus dem Markt bekannt
Wellensiek (Frankfurt): Dr. Richard Scholz − aus dem Markt bekannt

Christopher Wolff

Christopher Wolff

Berater Familie Weber (Minderheitsgesellschafterin)
Paul Hastings (Frankfurt): Christopher Wolff  (Gesellschaftsrecht) −  aus dem Markt bekannt
Finkenhof (Frankfurt): Dr. Lorenzo Matthaei, Dr. Maximilian von Mangoldt (beide Insolvenzrecht) − aus dem Markt bekannt 
Broich (Frankfurt): Ferdinand von Rom, Wolfgang Sturm − aus dem Markt bekannt

Berater Bankenkonsortium
Allen & Overy (Frankfurt): Dr. Walter Uebelhoer − aus dem Markt 

Hintergrund: Der renommierte Stuttgarter Restrukturierungsexperte Mucha, der nun die Organvertretung übernimmt, ist branchenerfahren. Er war vor zwei Jahren auch beim Motorenzulieferer Hoeckle im Einsatz und als Sachwalter der acht Gesellschaften von Kontec im Jahr 2017. Sein Kanzleipartner Dr. Volker Muschalle beriet Weber Automotive bereits seit Längerem in sanierungs- und restrukturierungsrechtlichen Fragen und steht daher mit den Gesellschaftern und Banken im Austausch.

Stefan Sax

Stefan Sax

Zudem wird das Unternehmen seit Anfang des Jahres von Clifford Chance unterstützt; das Restrukturierungsteam um Partner Sax wird häufig im insolvenznahen Bereich von großen Mittelständlern mandatiert, auch um finanzierungsrechtle Stablisierungsmaßnahmen auszuhandeln.  Eine Münchner Mannschaft von PricewaterhouseCoopers, die auf den Automobilsektor spezialisiert ist, unterstützt das Unternehmen dem Vernehmen nach in betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Themen.

Auch das Bankenkonsortium hat mit Partner Uebelhoer einen erfahrenen Berater für die strauchelne Zulieferindustrie an der Seite. Er hatte schon vor zehn Jahren die Refinanzierung bei Schaeffler mit ausgehandelt.

Sachwalter Gerloff hatte in den vergangenen Jahren vor allem mit Modehändlern zu tun. Er war –  wenn auch in unterschiedlichen Rollen – befasst mit Escada, Laurèl, Rudolf Wöhr, Rena Lange und Gerry Weber. Im Automobilsektor hatte er beispielsweise 2010 die Oberland Automobile im Insolvenzverfahren begleitet und die Betriebe des insolventen BMW-Autohauses Böhm + Kelleners kontrolliert. Er wird in seiner Sachwalterrolle bei Weber von einem Kanzleiteam unterstützt, zu dem auch der Rechtspfleger Christian Stoffler gehört. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der Firma GL Change-Management. Diese wurde Anfang des Jahres als Sanierungsberatungseinheit von Gerloff Liebler aufgesetzt.

Als sich Ardian 2016 an Weber Automotive beteiligte, wurde sie von Willkie beraten. Das Team leitete Partner Schwab zusammen mit dem zwischenzeitlich verstorbenen Partner Mario Schmidt. Für die Durchsetzung der notwendigen Sanierungsmaßnahmen wurde nach Marktinformationen ein Team von Wellensiek mandatiert, das Ardian nicht zum ersten Mal beraten haben soll.

Die Familie Weber wird schon seit vielen Jahren von Paul Hastings-Partner Wolff beraten. Für die Sondersituation haben sie nun nach JUVE-Recherchen das Restrukturierungsteam von Finkenhof hinzugezogen sowie prozesserfahrene Gesellschaftsrechtler aus der Frankfurter Boutique Broich. (Sonja Behrens)

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