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07.12.2018

Insolvenz: Gerichtsurteil und Autokrise bremsen Mitec aus

Der Autozulieferer Mitec Automotive geht in die Insolvenz. Ausschlaggebend für die Insolvenzanmeldung beim Amtsgericht Meiningen soll neben der aktuellen Marktlage ein Urteil des Landgerichts Meiningen gewesen sein. Während die Geschäftsleitung des Thüringer Herstellers von Getriebekomponenten sich von Schneider Geiwitz & Partner beraten lässt, wurde Axel Bierbach von der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen zum vorläufigen Sachwalter bestellt.

Arndt Geiwitz

Arndt Geiwitz

Das Landgericht Meiningen entschied Ende November überraschenderweise gegen Mitec. In dem Verfahren gegen Ford ging es um die Höhe von Schadensersatzforderungen, die auf Verfehlungen aus dem Jahr 2007 zurückgehen. Die Verfehlungen hatte Mitec in einem anderen Verfahren zuvor erfolgreich feststellen lassen und sah daher seine Schadensersatzforderungen begründet. Entsprechend überraschend kam für das Thüringer Unternehmen nun die Entscheidung des Landgerichts Meiningen, das jegliche Schadensersatzansprüche als verjährt ansieht. 137 Millionen Euro fordert das Unternehmen, das sich in dem Verfahren von einem Team der Kanzlei Beiten Burkhardt um den Frankfurter Partner Dr. Christof Aha vertreten ließ. Die Geschäftsführung kündigte an, das Verfahren weiterführen zu wollen.

Dem Vernehmen nach nahm der Hersteller von Getriebetechnologie auch die Gerichtsentscheidung zum Anlass, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung einzuleiten. Das Unternehmen hatte zuvor bereits eine Restrukturierung eingeleitet. Der Thüringer Zulieferer kämpft seit Monaten mit sinkenden Absatzmengen. Die Autohersteller kauften in den vergangenen Wochen teils deutlich weniger Getriebekomponenten.

Im Eigenverwaltungsverfahren will man seinen knapp 1.000 Mitarbeitern mit Hilfe neuer Investoren eine Perspektive bieten. Die Geschäftsleitung wird dabei durch ein Team von Schneider Geiwitz & Partner unter Führung von Arndt Geiwitz aus Neu-Ulm beraten. Sie bereiten unter anderem eine Due Diligence für die Investorensuche vor. 

Axel Bierbach

Axel Bierbach

Das Amtsgericht Meiningen bestellte Bierbach, Partner der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen. Die Kanzlei ist am Amtsgericht Meiningen schon lange aktiv, wenn auch nicht mit sehr vielen Verfahren. Auch für die vorhergehende Großinsolvenz in Thüringen, die der Stadtwerke Gera, wurde mit Dr. Michael Jaffé ein Verwalter aus Bayern importiert. Die Insolvenzkanzleien mit Standort in Thüringen sind eher lokale Player, die etwa bei den Fußballinsolvenzen von Rot-Weiß Erfurt (Volker Reinhardt von Reinhardt & Kollegen) und dem benachbarten Chemnitzer FC (Dr. Klaus Siemon aus der gleichnamigen Kanzlei) aktiv sind. (Ludger Steckelbach)

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