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25.11.2018

Kommentar zu Legal Tech: Jeder kocht sein eigenes Süppchen

In Österreich haben sich sieben Kanzleien zu einer Legal-Tech-Offensive zusammengeschlossen. Sie wollen gemeinsam investieren und gemeinsam digitalisieren. Ein Vorbild für deutsche Kanzleien, die beim Thema Legal Tech ebenfalls öfter an einem Strang ziehen sollten.

Als Legal Tech vor wenigen Jahren am Kanzleihorizont auftauchte, gab es schnell ein Hauen und Stechen: Welche Großkanzlei investiert am schnellsten in die neueste Software? Wer besitzt die meisten Innovation Officer? Wer schafft es, die coolsten Legal-Tech-Konferenzen zu organisieren? Inzwischen hat sich das Klima abgekühlt. Da erreicht den deutschen Markt eine Nachricht aus einem Nachbarland, die es in sich hat: Sieben renommierte österreichische Kanzleien haben eine Legal-Tech-Initiative aus der Taufe gehoben. Sie wollen einen mittleren sechsstelligen Betrag investieren, um – Achtung! – gemeinsam die Digitalisierung ihres Geschäfts voranzutreiben.

So etwas gab es bislang nicht in Österreich, und in Deutschland schon gar nicht. Nicht, dass es hierzulande keine Legal-Tech-Initiativen gäbe, klar: Allerdings tun sich dabei oft Kanzleien mit Legal-Tech-Start-ups und Unternehmen zusammen – und eben nicht mit ihresgleichen. Dass Kanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer oder Dentons beim Thema Legal Tech ihr eigenes Süppchen kochen, weil sie dafür Millionen in die Hand nehmen können – geschenkt. Die Mehrzahl der Kanzleien in Deutschland hat aber viel kleinere Budgets für Innovation, wenn überhaupt. Trotzdem stehen auch sie vor der Frage, wie sie digital werden sollen, um konkurrenzfähig zu bleiben – und sind damit häufig überfordert. Starr vor Angst, in das Falsche zu investieren, investieren viele von ihnen lieber gar nicht und verpassen es am Ende, auf den Zug in die digitale Welt aufzuspringen.

Sie sollten sich ein Vorbild an den Österreichern nehmen: Schließen sich Kanzleien zusammen, muss nicht jede von ihnen das Risiko allein tragen. Denn oft ist das IT-Investment teuer und die Materie für Juristen schwer durchschaubar. Weil alle vor der gleichen Herausforderung stehen, könnten die Kanzleien gemeinsam standardisierte digitale Lösungen finden, von denen am Ende der gesamte Rechtsmarkt profitieren könnte. Konkurrenzdenken ist hier fehl am Platz. (Eva Lienemann)

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