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16.05.2018

Sanierungsberatung: Team von Schultze & Braun macht sich selbstständig

Rückschlag für den Wachstumskurs von Schultze & Braun: Aus dem Beratungszweig der Insolvenz-Großkanzlei haben sich zum Mai Andreas Elsäßer (45), Christoph Chardon (45) und Jan Metzner (43) verabschiedet. Sie sind jetzt unter dem Namen Elsäßer Restrukturierung eigenständig tätig.

Zum Startteam gehören neben den drei Partnern beziehungsweise Geschäftsführern außerdem die Associates Florian von Seyfried und Ole Brauer sowie die Arbeitsrechtlerin Daniela Gunreben, die nach Stationen bei Rödl & Partner und Schultze & Braun zuletzt in eigener Kanzlei tätig war.

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Andreas Elsäßer

„Der Restrukturierungsmarkt unterliegt gerade einem starken Wandel. Erfolgreich werden künftig diejenigen sein, die in der Akquise unmittelbar das Unternehmen erreichen und nicht nur über Multiplikatoren agieren. Dabei kann ein starkes Insolvenz-Branding in sehr frühen Restrukturierungssituationen hinderlich sein“, erklärte Andreas Elsäßer. Der Abschied von der Kanzlei sei allerdings keinesfalls im Streit erfolgt. Er begründete den Schritt auch mit persönlichen Motiven. „Wer einmal fast 7 Jahre lang Unternehmer war, der will irgendwann auch wieder Unternehmer sein.“ Elsäßer hatte im November 2014 seine eigene Kanzlei aufgegeben und war zu Schultze & Braun gestoßen, die damals ihren Stuttgarter Standort innerhalb kurzer Zeit zwei Mal deutlich aufwerten konnten. Im Jahr zuvor war dort das renommierte Insolvenzverwalter-Team von Viniol & Partner zu Schultze & Braun gewechselt. Aus diesem Team stammt auch einer der drei Neugründer, Jan Metzner.

Stuttgart und München zum Start

Zudem war Elsäßer für Schultze & Braun immer mehr vom Standort München aus tätig. Dort hatte Christoph Chardon im Sommer 2016 das Beratungsteam verstärkt. Chardon hatte zuvor auf Kanzleienseite für Grub Brugger sowie für Wellensiek gearbeitet und außerdem Erfahrung als Leiter der UniCredit Credit Management Bank gesammelt. Er war bei Schultze & Braun unter anderem 2017 federführend für den Insolvenzverwalter der Oschatz-Gruppe, Dr. Frank Kebekus von Kebekus et Zimmermann, am Verkauf des insolventen Anlagenbauers beteiligt.

Der Abgang der Sanierungsanwälte ist für Schultze & Braun ein herber Verlust. Zwar konnte sich die Kanzlei zuletzt mit ihrem Insolvenzverwalterzweig an der Spitze der bundesweiten Verfahrensstatistik platzieren, doch in der Sanierungsberatung scheint zuletzt vor allem das Team um Elsäßer gepunktet zu haben. Speziell in der Bewältigung von Eigenverwaltungsverfahren hat es sich hervorgetan. Zuletzt waren dies etwa die Fälle der Papierfabrik Hainsberg am Amtsgericht Dresden und des Solarmontage-Unternehmens Schletter am Amtsgericht Mühldorf. In den Krisenunternehmen haben die Partner der neuen Kanzlei nicht selten operative Verantwortung als sogenannte Sanierungsgeschäftsführer übernommen. Im Fall der Schletter-Gruppe reicht die Zuständigkeit sogar bis in die USA. In einem Chapter 15-Verfahren nach US-amerikanischem Insolvenzrecht wird die dortige Tochtergesellschaft von Schletter durch Christoph Chardon als offiziellem ausländischen Vertreter betreut.

Kleine Einheit oder Großkanzlei?

Die Elsässer-Neugründung zeigt, dass die Konzentrationsbewegungen in der deutschen Sanierungsszene nicht eindeutig sind. Zwar hatten sich einige gestandene Insolvenzverwalter im vergangenen Jahr neu orientiert und auf diese Weise Sozietäten mittlerer Größe wie Mönning Feser hervorgebracht beziehungsweise die Teams von Reinhardt & Kollegen oder Römermann deutlich verstärkt. Doch gerade die Konstruktion der Insolvenz-Großkanzleien mit einem breiten Angebot aus Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung scheint gegen Abgänge und strategische Neuausrichtungen nicht gefeit. So haben sich die in ESUG-Verfahren erfolgreichen hww Unternehmensberater sieben Jahre nach ihrem Zusammenschluss mit hww in diesem Frühjahr wieder selbstständig gemacht und firmieren nun unter der Marke Restrukturierungspartner. Die Vermutung liegt nahe, dass sie ebenso wie die Gründer von Elsässer die unabhängige Vernetzung mit kleineren Einheiten auf dem Restrukturierungsmarkt bevorzugen.

Immerhin kann Schultze & Braun im Herzen der Bankenmetropole Frankfurt einen Achtungserfolg verbuchen: Der neue Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Dr. Stefan Schmittmann, war zuletzt zwei Jahre lang als of Counsel bei der Kanzlei gelistet. Diese Tätigkeit ruht jetzt, doch der Kontakt zu dem als Risikovorstand erfahrenen Bankmanager dürfte nicht schaden. (Markus Lembeck)