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14.05.2018

Associatevergütung: Große Unterschiede ab dem zweiten Jahr

Während alle Blicke auf die Einstiegsgehälter gerichtet sind, achten Bewerber anfangs oft weniger darauf, wie die Bezahlung nach ein paar Jahren im Beruf aussieht. Dabei gibt es hier große Unterschiede – selbst zwischen Kanzleien, bei denen Absolventen mit demselben First-Year-Gehalt einsteigen. Im Marktdurchschnitt legen die Festgehälter für angestellte Anwälte ohnehin nur bis zum achten Berufsjahr zu. Danach steigt – wenn überhaupt – nur noch der Bonus.

Die Aufstellung der Gehälter im vierten bis sechsten Berufsjahr zeigt deutliche Unterschiede auch zwischen Kanzleien, die dasselbe Einstiegsgehalt bieten. Wer etwa für reguläre 120.000 Euro bei Linklaters anfängt, bekommt im sechsten Berufsjahr nach aktuellem Stand 170.000 Euro. Auch Noerr bietet Berufsanfängern bis zu 120.000 Euro, im sechsten Jahr liegt das reguläre Gehalt dort aber ‚nur‘ bei maximal 140.000 Euro. Bei beiden Kanzleien kommt noch eine Bonuskomponente dazu, die bei Linklaters bis zu 60.000 Euro betragen kann. Welche Höhe der Bonus bei Noerr erreichen kann, ist nicht bekannt.

Ähnlich sieht etwa der Vergleich zwischen CMS Hasche Sigle und Watson Farley & Williams aus: Beide bezahlen im ersten Jahr einheitlich 100.000 Euro. Im fünften Jahr bekommen die Associates bei Watson Farley aber bereits 130.000 Euro, während CMS 110.000 Euro bietet. Beide Kanzleien schütten zusätzlich Boni aus, als übliche Obergrenze nennt CMS 30.000 Euro, die von Watson Farley ist nicht bekannt. Eher sparsames Wachstum beim regulären Festgehalt und eine umso stärkere Betonung der Leistungskomponente sind bei einigen Kanzleien die Kehrseite der hohen Einstiegsgehälter.

Immer kreativere Gehaltsmodelle

Besonders stark erfolgsabhängig vergütet etwa die Berliner Transaktionsboutique BMH Bräutigam & Partner ihre Associates. Dort steigt das Festgehalt im zweiten Jahr nicht, es sinkt von 90.000 auf 65.000 Euro. Hinzu kommt dann aber eine variable Komponente, die sich am Ergebnis der Gesamtkanzlei bemisst und bis zu 70.000 Euro betragen kann. Den umgekehrten Weg geht seit Kurzem die Frankfurter Corporate-Boutique Broich: Wer die strenge Auslese am Ende des ersten Berufsjahres übersteht, bekommt schon im zweiten Jahr rekordverdächtige 150.000 Euro plus 10.000 Euro Garantiebonus überwiesen (1. Jahr: 110.000 Euro). In den Folgejahren steigt dann nur noch der mögliche Bonus, der im fünften Jahr bis zu 80.000 Euro betragen kann.

 

Kanzleisalär

 

Für angestellte Anwälte in Kanzleien ist nach durchschnittlich sieben Jahren beim Festgehalt ohnehin das Ende der Fahnenstange erreicht, das geht aus der azur-Associate-Umfrage 2017 hervor. Wie die Umfrageteilnehmer berichten, verlagert sich der Zuwachs in den höheren Berufsjahren auf flexible Gehaltsbestandteile, die im zehnten Jahr durchschnittlich am höchsten ausfallen. Partner, die in der azur-Umfrage nicht gefragt waren, dürften dagegen schon nach sechs bis sieben Berufsjahren deutlich mehr Geld mit nach Hause nehmen. Obwohl dauerhafte Salary-Partner- oder Counsel-Positionen in vielen Kanzleien existieren, gibt es demnach finanziell auch weiterhin kaum Alternativen zum Vollpartnerstatus.

Milbank und Sullivan nun gleichauf

Für Berufseinsteiger bieten die Kanzleien nach wie vor bis zu 140.000 Euro. Milbank Tweed Hadley & McCloy und Sullivan & Cromwell liegen mit ihren Spitzengeboten nunmehr gleichauf, seit letztere die Bemessung ihrer Gehälter in Deutschland von US-Dollar auf Euro umgestellt hat. Bis Ende 2017 hatte Sullivan 160.000 US-Dollar bezahlt, wobei sich die Associates aussuchen konnten, ob die Umrechnung in Euro zum Kurs eines bestimmten Tages oder gemittelt über einen längeren Zeitraum erfolgen sollte. Mit sinkendem Dollarkurs verringerte sich allerdings auch das Gehalt der deutschen Associates. Wie nun bekannt wurde, führte die Kanzlei deshalb zum Jahreswechsel ein neues Anfangssalär von 140.000 Euro ein. (Norbert Parzinger)