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06.02.2018

Management-Interview: „Wir haben die Zahlen genauer im Blick“

Dr. Ralf Springer, Managing Partner von Norton Rose Fulbright, über den neuen COO der Kanzlei und ein ehrgeiziges Umsatzziel.

JUVE: Herr Springer, seit Sie Managing-Partner sind, ist Norton Rose Fulbright in Deutschland geschrumpft – teilweise ungewollt. In diesem Jahr wollen Sie gerade einmal drei Associates einstellen. Sind Sie auf Verschlankungskurs?

Ralf Springer

Ralf Springer

Ralf Springer: Da muss ich widersprechen. Im Hamburger Büro sind etliche Anwälte zu uns gekommen und das Büro ist signifikant gewachsen. Es hat vor 18 Monaten einen Team-Abgang in München gegeben, ja. Aber seitdem konnten wir uns mit guten Laterals verstärken. Was die Associates angeht: Wir stellen nicht mehr auf Vorrat ein, so wie es früher bei dem einen oder anderen Partner der Fall war. Wir achten viel stärker auf die Auslastung des Einzelnen und setzen Associates bei verschiedenen Partnern ein, damit eine zufriedenstellende Auslastung gewährleistet ist.

Für so ein striktes Management war Ihre Kanzlei bislang nicht bekannt …

Diesen neuen Weg haben wir schon vor einiger Zeit eingeschlagen und werden ihn weitergehen. Wir müssen uns noch mehr professionalisieren und fokussieren. Deshalb haben wir auch unser Management neu aufgestellt und erheblich verschlankt. Wir haben zudem einen neuen COO an Bord geholt. Was die Personalstärke anbelangt, bin ich relativ entspannt. Wir müssen nicht zwingend mehr als 200 Leute in Deutschland sein. 170 reichen auch aus – wenn die gut sind und die Leistung bringen, die es braucht, um in unserer Peergroup zu bestehen. Qualitatives Wachstum hat auf jeden Fall Vorrang vor Kopfzahlen.

Apropos Leistung: Der durchschnittliche Umsatz pro Berufsträger (UBT) lag im vergangenen Jahr bei 400.000 Euro …

… und das kann uns nicht zufriedenstellen. Obwohl ich mir sicher bin, dass das Ergebnis des
aktuellen Geschäftsjahrs schon besser ausfallen wird. Doch unser UBT muss in den nächsten
Jahren auf 500.000 Euro steigen. An diesem Ziel werden sich alle Partner messen lassen müssen.

Die Pläne, hochkarätigere Mandate an Land zu ziehen, gibt es aber schon länger. Warum gelang es Ihnen bislang nicht, Ihre Produktivität zu erhöhen?

Es gibt noch zu viele Mandate, die zu wenig einbringen und einen hohen administrativen Aufwand bedeuten. Die müssen wir uns konsequenter anschauen. Wir haben diese Zahlen nun genauer als früher im Blick – auch durch unseren neuen COO, Alexander Thau, der im Frankfurter Büro sitzt und unter anderem darauf achten wird, dass Partner ihre eigene Praxis und Mandate stärker durchleuchten.

Jetzt klingen Sie schon fast so wie der Managing-Partner einer US-Transaktionskanzlei.

Werkbankpartner für eine US-Praxis zu werden ist nicht unser Ziel. Und dieser Weg, sich stärker auf Produktivität zu konzentrieren, wird uns auch nicht, wie oft gemutmaßt, aus London vorgeschrieben. Es ist vielmehr unser ureigenes Interesse. Wir wollen unternehmerisch denkende Anwälte und wir wollen ihnen ganz klar auch weiterhin die Freiheit einräumen, ihr Geschäft zu entwickeln und nicht Mandate abzulehnen, weil sie bestimmten Umsatzerwartungen nicht genügen. Es ist eben ein Balanceakt.

Das Gespräch führte Eva Lienemann.