Artikel drucken
31.10.2017

Coup für Cleary: Linklaters-Partner Deselaers wechselt zur US-Konkurrenz

Cleary Gottlieb Steen & Hamilton verstärkt ihr Kölner Büro mit einem der renommiertesten deutschen Kartellrechtler: Von Linklaters wechselt Dr. Wolfgang Deselaers (56) voraussichtlich Mitte November zu der US-Konkurrentin. Linklaters verliert damit ihren erfahrensten deutschen Kartellrechtler. Zuletzt hatte er maßgeblich die Verbindung zur Litigation-Gruppe vorangetrieben und ein Spezialistenteam für Kartellschadensersatz aufgebaut. Im Kölner Cleary-Büro trifft Deselaers auf alte Bekannte: Mit den dortigen Kartellrechtlern hatte er bereits im früheren Kölner Linklaters-Büro zusammengearbeitet.

Herr Wolfgang Deselaers 2

Wolfgang Deselaers

Er war seit 1997 Partner der Linklaters-Vorgängerkanzlei Oppenhoff & Rädler, die 2001 mit der Londoner Top-Kanzlei fusionierte. Seinen Schwerpunkt verlegte Deselaers schon früh nach Brüssel, ins Zentrum des europäischen Kartellrechts. Als einem der wenigen Kartellrechtsspezialisten gelang es ihm dabei, eine starke Vernetzung im Brüsseler Markt mit einer hohen Marktpräsenz auch in Deutschland zu verbinden.

Zu Deselaers‘ Mandanten zählten die Deutsche Bahn, Beiersdorf, Siemens und die Goodmills-Vorgängerin VK Mühlen. Zuletzt baute er die Beziehung zum Nestlé-Konzern aus, den er etwa in einem Schadensersatzprozess gegen das Zuckerkartell vertritt. Seit rund zwei Jahren leitete er bei Linklaters ein internationales Team von Kartellrechts- und Litigationanwälten, das namhafte Unternehmen grenzüberschreitend zu Kartellschadensersatz berät.

Verstärkung bei Kartellschadensersatz

Die international im Kartellrecht hoch angesehene US-Kanzlei Cleary Gottlieb hatte 2003 für die Erweiterung ihrer deutschen Kartellrechtspraxis von Linklaters schon Prof. Dr. Dirk Schroeder und Dr. Romina Polley als Partner geholt – und damit den Grundstein für ihr zweites deutsches Büro in Köln gelegt. Während der Aufbau eines Corporate-Teams in Köln sich schwierig gestaltete, verfügt die US-Kanzlei dort über ein renommiertes Team von rund 20 Kartellrechtlern, darunter mit Deselaers vier Partner.

Das Kölner Team steuerte etwa für die langjährige Schroeder-Mandantin Dow Chemical immer wieder heikle Kartellverfahren und weltweite Fusionskontrollen. Im prozesslastigen Bereich Kartellschadensersatz verfügt Cleary zwar mit Rüdiger Harms über einen angesehenen Counsel, allerdings hatten sich andere Top-Praxen zuletzt dynamischer entwickelt. Auch insofern ist der Zugang Deselaers‘ strategisch ein wichtiger Schritt für Cleary. Er wird schwerpunktmäßig im Kölner Büro von Cleary arbeiten, aber weiterhin auch von Brüssel aus tätig sein.

Wie bei Linklaters umfasst das Team aus deutschen Kartellrechtlern bei Cleary rund 25 Anwälte. Auch nach dem Verlust von Deselaers hat Linklaters weiterhin ein Team aus im Markt anerkannten, erfahrenen Spezialisten an den Standorten Düsseldorf und Brüssel, darunter zwei Partner in Düsseldorf, einen deutschen Partber in Brüssel und einen in London. So zählt die Kartellrechtspraxis etwa zu den Beratern des VW-Konzerns im aktuellen Skandal um mögliche Absprachen führender deutscher Automobilkonzerne und beriet zuletzt die Deutsche Börse und Linde bei komplexen Fusionskontrollen. (Antje Neumann, Marc Chmielewski)

  • Teilen