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28.08.2017

Stuttgart: Quinn Emanuel eröffnet Büro mit Latham-Kartellrechtler

Die US-Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan eröffnet zum September in Stuttgart ihr viertes deutsches Büro. Der Kern des Gründungsteams besteht aus Prof. Dr. Rüdiger Lahme (38) und Dr. Jesko Preuß (36). Kartellrechtler Lahme kommt aus dem Hamburger Büro der US-Wettbewerberin Latham & Watkins, Patentrechtler Preuß aus dem Mannheimer Büro von Quinn Emanuel.

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Rüdiger Lahme

Dass die Prozesskanzlei Quinn Emanuel nun auch in den Stuttgarter Markt geht, ist angesichts der vielen Konflikte in der Autobranche naheliegend. Stuttgart ist der Hauptsitz von Daimler, der Konzern gehört im Patentrecht und mit Blick auf Kartellschadensersatz zu den zentralen Quinn-Mandanten in dieser Branche. Zudem ist die Ballung weiterer exportstarker Unternehmen im Raum Stuttgart interessant für die US-Kanzlei mit weltweit rund 700 Berufsträgern.

Rüdiger Lahme, der zunächst als Counsel bei Quinn Emanuel einsteigt, ist bisher Senior Associate in der angesehenen Kartellrechtspraxis von Latham & Watkins. Er hat sich früh auf Kartellschadensersatz spezialisiert. Unter anderem spielte er zuletzt eine zentrale Rolle in dem Latham-Team, das Singapore Airlines als Beteiligte des Luftfrachtkartells im bisher größten deutschen Schadensersatzverfahren vertritt.

Preuß ist seit 2012 Anwalt bei Quinn Emanuel in Mannheim, vor Kurzem wurde er zum Counsel ernannt. Er unterstützte etwa Managing-Partner Dr. Marcus Grosch im Streit zwischen Motorola und Apple zum sogenannten Wisch-Patent und wird auch in Stuttgart weiter Mandanten – darunter Maschinenbauer und Automobilzulieferer – in IP-rechtlichen Verfahren vertreten.

Von null auf vier in sieben Jahren

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Jesko Preuß

Vor sieben Jahren eröffnete Quinn Emanuel ihr erstes deutsches Büro in Mannheim. Der Standort gilt weiterhin als Drehkreuz für die Patentverfahren hierzulande. Das 2012 in Hamburg eröffnete Büro hat inzwischen das größere Team. Bekannteste Partnerin dort ist Dr. Nadine Herrmann, Leiterin der europäischen Kartellrechtspraxis, die ihre Zeit zwischen Hamburg und Brüssel teilt. Das 2013 in München eröffnete Büro, in dem auch Grosch parallel tätig ist, wird nicht zuletzt mit Blick auf das geplante Europäische Patentgericht (UPC) noch mehr Gewicht bekommen. 

Neben patent- und kapitalmarktrechtlichen Verfahren, für die sie in Deutschland besonders bekannt ist, begleitet Quinn Emanuel zunehmend auch Streitigkeiten im Gesellschaftsrecht und zu Kartellschadensersatz. Die Hamburger Partnerin Herrmann etwa vertritt die Klagegesellschaft CDC gegen die Mitglieder des Zementkartells und begleitet den Hotelportal-Betreiber Booking bei der Abwehr kartellrechtlicher Ansprüche. Auch bei internen Untersuchungen ist Quinn Emanuel im Einsatz, zuletzt etwa beim Weltfußballverband Fifa.

Internationale Kanzleien entdecken Stuttgart

Der Stuttgarter Kanzleimarkt gilt zwar als recht verschlossen, aber Quinn Emanuel wird nicht die erste internationale Kanzlei vor Ort sein. Die kanadische Sozietät Gowling WLG hatte vor ein paar Monaten dort ihr zweites deutsches Büro eröffnet. Und vor den Toren der Stadt, in Böblingen, ist Squire Patton Boggs schon länger mit einem litigationerfahrenen Team vertreten. Das Team wird von Nicole Boehler geführt und kam über die Fusion mit der US-Wettbewerberin Carroll Burdick & McDonough im März 2016 zu Squire. Dort sind fünf Anwälte mit US-Zulassung tätig. Das Team berät auch regelmäßig Automobilhersteller und Zulieferer in internationalen Streitigkeiten und Schadensersatzprozessen. (Sonja Behrens)

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