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23.05.2017

Brüssel: Sullivan eröffnet mit deutschem Wilson Sonsini-Partner

Sullivan & Cromwell hat im Mai ein Büro in Brüssel eröffnet und dazu im ersten Schritt bei der US-Konkurrentin Wilson Sonsini Goodrich & Rosati deren deutschen Partner Dr. Michael Rosenthal (47) abgeworben. Damit setzt sich der aktuell zu beobachtende Trend fort, dass bisher aus London geführte EU-Kartellrechtspraxen ihre Präsenz auf dem europäischen Kontinent verstärken.

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Michael Rosenthal

Rosenthal hatte vor einigen Jahren für die US-Westküstenkanzlei deren erstes Büro in Europa eröffnet. Wilson Sonsini ist in den USA eng mit Google verbunden – auch Rosenthal und das europäische Team konnten sich einige Mandate aus dem Umfeld des Internetriesen sichern. So beriet es zusammen mit der US-Praxis Youtube bei der Verteidigung gegen eine kartellrechtliche Beschwerde des Verbands unabhängiger Musiklabels Impala. Zusätzlich pflegte Rosenthal Verbindungen zu namhaften deutschen Konzernen wie K+S und BMW. Den Automobilkonzern vertritt er vor dem EuG in einem Prozess um Beihilfen für eine Leipziger Produktionsstätte für Elektrofahrzeuge.

Als Rosenthal 2015 K+S kartellrechtlich bei der Abwehr des feindlichen Übernahmeversuchs durch Potash beriet, arbeitete er an der Seite eines kapitalmarkt- und gesellschaftsrechtlichen Teams von Sullivan & Cromwell. Dazu gehörte auch der Frankfurter Partner Dr. Carsten Berrar, den Rosenthal schon lange kennt.

Erst im Februar hatte Sullivan in den USA ihre Kartellrechtspraxis prominent verstärkt, als mit Renata Hesse die bisherige Leiterin der Kartellrechtsabteilung im Department of Justice als Partnerin in Washington dazu kam. In Europa unterhält Sullivan bisher Büros in Frankfurt, Paris sowie London, wo bisher das europäische Kartellrechtsteam um einen britischen Partner angesiedelt war. Auch ein Deutscher gehört als European Counsel zu dem dortigen Team.

Doch das Modell, von London aus eine europäische Kartellrechtspraxis zu betreiben, ist keineswegs nur bei Sullivan seit der Brexit-Entscheidung Großbritanniens in die Diskussion geraten. Zahlreiche Londoner Anwälte haben schon unmittelbar nach dem Referendum eine irische Anwaltszulassung erworben, um auch nach dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens eine EU-Anwaltszulassung zu besitzen. Die Hoffnung ist, dass sie so weiterhin im Europarecht beraten sowie vor EU-Behörden und -Gerichten auftreten können.

Doch inzwischen macht sich anscheinend die Sorge breit, dass dieser Kunstgriff Mandanten unter Umständen nicht auf Dauer überzeugt und diese sich unmittelbar den Kontakt zu Brüsseler Anwälte suchen könnten. Eine besondere Signalwirkung ging in dieser Hinsicht von Slaughter and May aus, die sich jüngst entschieden hat, ein sechsköpfiges Team aus ihrer bisher in London ansässigen Kartellrechtspraxis nach Brüssel zu verlegen. Slaughter and May ist die britische Partnerkanzlei von Hengeler Mueller, beide teilen sich in Brüssel seit einigen Jahren ein Büro mit den anderen Mitgliedern des Best-Friend-Netzwerks. Auch bei anderen britischen Kanzleien gibt es dem Vernehmen nach vergleichbare Überlegungen.

Bei Wilson Sonsini verbleibt in Brüssel auch nach dem Weggang von Rosenthal noch ein gut zehnköpfiges Team aus Kartellrechtlern, Datenschutz- und Cybersecurity- sowie Patentrechtsspezialisten. (Antje Neumann)

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