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05.04.2017

Schwerer Schlag: Top-Partner des Berliner Büros wollen Flick Gocke verlassen

Flick Gocke Schaumburg steht JUVE-Informationen zufolge in Berlin vor dem Verlust von knapp der Hälfte ihres Büros. Besonders bitter für die Kanzlei: Ausgerechnet die jüngeren Motoren des starken Hauptstadtteams, die Partner Dr. Helder Schnittker (46) und Dr. Peter Möllmann (37), wollen ihr den Rücken kehren und sich samt ihres rund zehnköpfigen Teams selbstständig machen.

Schnittker_Helder

Helder Schnittker

Bereits seit Wochen kursieren die Pläne der beiden angesehenen Partner bis weit über die Kanzleigrenzen hinaus. Entsprechend offen äußert sich auch Flick Gocke dazu: „Helder Schnittker und Peter Möllmann haben die Partnerschaft informiert, dass sie beabsichtigen, Flick Gocke Schaumburg zu verlassen, um sich in eigener Einheit in Berlin selbstständig zu machen“, sagte der Bonner Partner Dr. Jens Schönfeld. „Der Zeitpunkt des Ausscheidens steht noch nicht fest. Wir bedauern die Entscheidung sehr und würden gerne an der Zusammenarbeit mit den Kollegen in Berlin festhalten.“

An einen Verbleib des Partnerduos, das vor allem für die Beratung der Private-Equity- und Venture-Capital-Branche an der Schnittstelle zum Steuerrecht steht, glaubt jedoch in der Kanzlei kaum mehr jemand. Dazu passt auch, dass nach JUVE-Informationen hinter den Kulissen bereits intensiv über den möglichen Ausstiegszeitpunkt gesprochen wird, denn ein Weggang gestaltet sich für Flick Gocke-Partner zumindest formal zeitlich wenig flexibel. Sie können lediglich zum 30. Juni eines Jahres kündigen, wirksam wird diese dann zum Jahresende – im Fall von Schnittker und Möllmann ist die Kanzlei aber dem Vernehmen nach bereit, von dieser starren Regelung abzuweichen, um ein früheres Ausscheiden zu ermöglichen. Vieles spricht deshalb dafür, dass Schnittker und Möllmann tatsächlich noch vor dem Jahresende die Kanzlei verlassen, was diese JUVE-Informationen zufolge auch anstreben. Äußern wollen sich beide zu diesem Ausstiegsszenario allerdings nicht.

Zweiter zentraler Partnerverlust

Bei Flick Gocke verbleiben nach JUVE-Informationen allerdings Dr. Florian Kutt und Dr. Martin Oltmanns, die beide ebenfalls angesehene Equity-Partner des Hauptstadtbüros sind, und mit ihnen rund ein Dutzend weiterer Anwälte, darunter auch mehrere Salary-Partner.

Dennoch ist es für Flick Gocke der zweite einschneidende Personalverlust binnen kurzer Zeit. Zum Jahreswechsel hatte die Kanzlei in Bonn bereits das Ausscheiden ihres lange Jahre wichtigsten, wenn auch intern nicht unumstrittenen Gesellschaftsrechtlers Prof. Dr. Stefan Simon verkraften müssen, der in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank eingezogen war. Das Ausscheiden von Möllmann und Schnittker trifft die Sozietät aber schon aufgrund des Umfangs ihres Teams und ihres Geschäfts ungleich schwerer.

Möllmann_Peter

Peter Möllmann

Beide gehören zu den wichtigsten Beratern der aufstrebenden Start-up-Szene in Berlin. Zu ihren Mandanten zählt unter anderem die Ströer-Gruppe, die ein Team um Möllmann etwa bei der Mehrheitsbeteiligung an Statista beriet. Als neuen Mandanten konnten die Berliner zuletzt auch den Großinvestor Triton gewinnen. In ihrer Praxis kombiniert das Team um Schnittker und Möllmann fonds- und steuerrechtliche Beratung und konnte sich so am lukrativeren Ende der Arbeit für die Venture-Capital-Szene positionieren.

Neben dem klassischen steuerrechtlichen Schwerpunkt im Bonner Stammhaus hatte sich dadurch die Arbeit für die Private-Equity- und Venture-Capital-Szene zu einem weiteren Aushängeschild der Kanzlei entwickelt. Erst vor kurzem war sogar weitere Verstärkung auf diesem Feld hinzugekommen, als in München vom insolventen Europaarm von King & Wood Mallesons die beiden Partner Christian Schatz und Dr. Martin Brockhausen kamen.

Strukturelle Herausforderungen

Doch nicht nur geschäftlich bedeutet die Entscheidung des Teams, Flick Gocke zu verlassen, einen gravierenden Einschnitt. Sie offenbart auch weithin sichtbar strukturelle Divergenzen. Schon seit Längerem stößt die Sozietät mit ihrer traditionellen Strategie, vor allem auf die individuelle Stärke der einzelnen Partner zu setzen und weniger auf organisierte, fachliche Zusammenarbeit, zunehmend an ihre Grenzen. Nach wie vor bildet Bonn das eindeutige Machtzentrum der Kanzlei.

So ist es mehr oder weniger ein offenes Geheimnis, dass sich bereits vor geraumer Zeit Berliner und auch Partner anderer Standorte, die eine entsprechende Veränderung des bisherigen Kurses forderten, mit Abwanderungsgedanken trugen. Weitere, damit einhergehende Konfliktfelder vor allem zwischen der älteren und jüngeren Partnergeneration waren neben der Kultur der Zusammenarbeit auch Fragen der Gewinnverteilung. Über mögliche Veränderungen der Vergütungsstruktur auf Partner- aber auch auf Associateebene wird nach JUVE-Recherchen derzeit bei Flick Gocke diskutiert.

In Berlin jedenfalls steht die Kanzlei, ähnlich wie bereits vor über sechs Jahren, vor einem notwendigen Wiederausbau. Seinerzeit hatten sich ebenfalls zwei Partner in die Selbstständigkeit verabschiedet: Dr. Thomas Müller-Thuns und Prof. Dr. Lenhard Jesse. In der Folge holte Flick Gocke dann unter anderem Schnittker von der damaligen Hamburger Kanzlei Alpers & Stenger. (René Bender)

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