Artikel drucken
27.03.2017

Antizyklisch: McDermott eröffnet Standort in Köln

McDermott Will & Emery, die im Rheinland bereits über einen Standort in Düsseldorf verfügt, eröffnet zum Juli ein kleines Büro in Köln. Damit will die US-Kanzlei verstärkt Anwälte ansprechen, die ihren Lebensmittelpunkt in der Region Köln-Bonn haben. Neben der Einführung der 38,5 Stunden-Woche soll auch der neue Standort für mehr Attraktivität im Wettbewerb um die besten Associates sorgen – abseits der Gehälterdebatte.

Ortmanns_Jens

Jens Ortmanns

McDermott hält neben Frankfurt und München ein Büro mit 44 Anwälten in Düsseldorf. Außerhalb Nordrhein-Westfalens scheint zwar die Entfernung zwischen Köln und Düsseldorf von 40 Kilometern marginal, de facto bedeutet der Weg vom und ins Büro aber eine Fahrzeit von pro Tag etwa zwei Stunden. Diesen Zeitaufwand möchte McDermott seinen in Köln und Umgebung wohnenden Anwälten ersparen und richtet deshalb ein Büro in der Kölner Innenstadt ein.

„Die Arbeitswelt wird zunehmend flexibler und die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf ist ein zentrales Motiv unserer Wachstumsstrategie in Deutschland“, sagte Dr. Jens Ortmanns, Leiter der deutschen Corporate-Praxisgruppe. „Wir wollen interessierten Kolleginnen und Kollegen dort Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben, ihnen kurze Wege ermöglichen und ein modernes und flexibles Arbeitsumfeld zur Verfügung stellen.“

Ob und welche Partner fest in Köln vor Ort sein werden, ist bislang noch nicht bekannt. Geplant ist, dass auch McDermott-Anwälte aus München und Düsseldorf das neue Büro als temporären Arbeitsplatz nutzen können. IT, Personalabteilung, Buchhaltung und weitere Verwaltungsteile werden weiterhin in Düsseldorf angesiedelt bleiben.

Eine Eröffnung in Köln ist für eine internationale Großkanzlei derzeit eher eine antizyklische Entwicklung, in der jüngeren Vergangenheit wurden meist Büros geschlossen. Freshfields Bruckhaus Deringer hatte Köln im vergangenen Jahr verlassen und ihre Geschäfte komplett nach Düsseldorf verlagert – nicht alle gingen diesen Schritt mit. Neben einigen Associates blieb beispielsweise der renommierte Corporate-Experte Dr. Oliver von Rosenberg in Köln und wechselte zu Görg.

Im Wettbewerb um den besten Nachwuchs hatte McDermott bereits in der vergangenen Woche für Gesprächsstoff gesorgt. Die Kanzlei hat in Düsseldorf ein alternatives Beschäftigungsmodell eingerichtet, bei dem Anwälte mit fest vereinbarten 35 bis 38,5 Wochenstunden einsteigen können. Dafür bezahlt die Kanzlei zwischen 68.000 und 75.000 Euro im ersten Berufsjahr. Auch diese Associates sollen theoretisch zum Vollpartner ernannt werden können. (Christiane Schiffer)

  • Teilen