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10.09.2013

Windreich: Sanierung mit Schultze & Braun-Sachwalter, Darlehensgeberin Sarasin mit Linklaters unter Druck

Der Windparkentwickler Windreich hat beim Insolvenzgericht Esslingen einen Antrag auf Eigenverwaltung gestellt, dem offensichtlich stattgegeben wurde. Holger Blümle von Schultze & Braun beaufsichtigt als Sachwalter das Insolvenzverfahren. Mit der Windreich-Krise gerät auch die Schweizer Bank Sarasin unter Druck und sieht sich ersten Klagen ausgesetzt.

Holger Blümle

Holger Blümle

Mit seinem Eigenantrag versucht der Firmengründer Willi Balz, das Unternehmen in Eigenregie zu sanieren. Er konnte den Richtern in Esslingen offenbar glaubhaft machen, dass die Zahlungsschwierigkeiten nur vorübergehend sind. Andernfalls hätte das Amtsgericht das Verfahren schon aufgrund des Antrags eines Gläubigers eröffnet, der schon vor mindestens zehn Tagen gestellt worden war.

Aus dem Markt ist bekannt, dass sich Windreich im Gesellschaftsrecht/M&A und bei Restrukturierungsfragen laufend von Flick Gocke Schaumburg beraten lässt. Die Federführung obliegt hierbei Prof. Dr. Stefan Simon.

Offenbar setzt Windreich weiterhin auf einen zeitnahen Verkauf eines Teils des Offshorewindparks MEG I vor der Nordseeinsel Borkum. Das Projekt ist ausdrücklich nicht Teil der Insolvenz. Allerdings spricht Balz schon seit Monaten über den Verkauf, der angeblich bis zu 120 Millionen Euro bringen soll.

Bereits im März hatte der Windreich-Chef mit seinem Geschäftsgebaren schon der Ermittler auf den Plan gerufen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation und der Insolvenzverschleppung gegen Balz und andere Windreich-Manager (mehr…).

Mit dem Antrag auf Eigenverwaltung hat sich Balz auch aus der Geschäftsführung zurückgezogen. Er hatte die Windreich AG im März in eine GmbH umgewandelt. Alleiniger Geschäftsführer ist jetzt Werner Heer, der unter anderem Vorstandsvorsitzender des Windanlagenbauers Fuhrländer war, der im September 2012 Insolvenz angemeldet hatte. Bei Fuhrländer war das Insolvenzverfahren ebenfalls in Eigenverwaltung begonnen worden (mehr …), allerdings gelang die Rettung auch dann nicht, als der Sachwalter Prof. Dr. Thomas Schmidt von der Kanzlei König später zum regulären Insolvenzverwalter bestellt wurde.

Windreich-Krise setzt die Schweizer Bank Sarasin unter Druck
Mit dem Antrag von Windreich ist auch ein großer Firmenkredit der Schweizer Bank Sarasin ausfallgefährdet. Der Windparkentwickler steht bei Sarasin mit 70 Millionen Euro in der Kreide. Die drohende Zahlungsunfähigkeit hat für Sarasin weitere Folgen. Das Kreditinstitut hatte zahlreichen vermögenden Privatkunden den Erwerb von Windreich-Anleihen empfohlen, ohne auf ihr eigene Darlehen an Windreich hinzuweisen. Anlegeranwälte sehen darin einen Interessenkonflikt, weil Sarasin ein großes Eigeninteresse hatte, die Anleihen zu platzieren.

Zahlreiche Anleihengläubiger gehen daher gegen Sarasin vor. So ist bekannt, dass Daniela Bergdolt und Elke Schubert von Bergdolt und Schubert und Klaus Rotter von der gleichnamigen Kanzlei hier tätig sind. Es ist bereits mindestens eine Klage vor dem Landgericht Regensburg anhängig, die meisten Fälle werden aber noch außergerichtlich verhandelt. Auf diese Auseinandersetzungen hat auch der Antrag auf Eigenverwaltung Auswirkungen. Er zeigt, wie hoch das Risiko der Anleihe war und dass Sarasin möglicherweise ihre Beratungspflichten verletzt hat. 

Sarasin betreut die Auseinandersetzungen intern durch den Leiter Legal & Compliance in Deutschland Sascha Wollersheim und setzt zudem auf die Expertise von Linklaters. Aus dem Markt bekannt ist, dass Sarasin in einem ersten Prozess von dem Litigation-Partner Robert Henrici aus Frankfurt vertreten wird. (Volker Votsmeier, Markus Lembeck)

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