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07.05.2021

Versilbert: Nissan schlägt Daimler-Beteiligung mit Freshfields los

Der japanische Autobauer Nissan hat seine milliardenschwere Daimler-Beteiligung verkauft. In einem beschleunigten Platzierungsverfahren gingen 16,4 Millionen Daimler-Aktien in den Handel. Nissan hielt 1,5 Prozent an Daimler und nahm über den Aktienverkauf rund 1,15 Milliarden Euro ein. Begleitet wurde die Transaktion von der Société General und der Bank of America.

Barbara Keil

Barbara Keil

Erst im März hatte sich der französische Autobauer Renault von einem gleich großen Daimler-Aktienpaket auf dieselbe Weise getrennt. 2012 waren Nissan und Renault bei Daimler eingestiegen – im Zuge eine Überkreuzbeteiligung zwischen den drei Autobauern. Damals sollte mithilfe der gesellschaftsrechtlichen Verschränkung eine strategische Kooperation zur Entwicklung von neuen Modellen untermauert werden. Die operative Zusammenarbeit zwischen der Renault-Nissan-Allianz und Daimler wurde 2016 gar nochmals verstärkt und soll dem Vernehmen nach auch zukünftig fortgesetzt werden.

Während Daimler seine Beteiligung in Höhe von jeweils 3,1 Prozent an den Wettbewerbern weiterhin hält und diese Aktienpakete schon 2016 in seine Pensionsvermögen parkiert hat, entschieden sich Renault und Nissan, ihre Daimler-Investments zu veräußern.

Daimler hingegen richtet seinen Blick weiter nach China. Schon Anfang 2020 hatte der Stuttgarter Autobauer mit der Geely Holding ein globales Joint Venture an den Start gebracht, um die Marke smart weiter auszubauen. Mit dem chinesischen Autobauer, dessen Gründer Li Shufu seit 2018 fast zehn Prozent der Anteile von Daimler hält, soll auch die Entwicklung von Hybrid- und E-Antrieben sowie Wasserstoffantrieb forciert werden.

Obendrein steht der Sparte Daimler Truck im zweiten Halbjahr eine Ausgliederung und Börsennotierung bevor, sofern die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Herbst 2021 dafür grünes Licht erteilen.

Berater Nissan
Freshfields Bruckhaus Deringer: Barbara Keil (München), Nicholas Günther (Düsseldorf; beide Corporate/M&A), Julian Makin, David Ludwick (beide Kapitalmarktrecht; beide London), Lucas Schweitzer (Düsseldorf), Christina Zapf (Frankfurt), Richard Ho (London; alle Corporate/Kapitalmarktrecht); Associates: Timo Piller (Kapitalmarktrecht; Düsseldorf), Katie Bentel (Corporate; London)

Berater Banken
Inhouse Recht (Bank of America, London): Mark Bicknell (General Counsel for the EMEA Region)
Inhouse Recht (Société General; Paris): Thierry Allain (Legal Adviser/ECM)

Hintergrund: Die Banken setzten bei dieser Blitztransaktion von Nissan dem Vernehmen nach auf ihre Inhouse-Abteilungen.

Die Mandatsbeziehung zwischen Nissan und Freshfields-Partnerin Keil besteht bereits seit sechs Jahren. Sie entstand bei der rechtlichen Beratung zu ‚Connected Cars‘ beziehungsweise zum autonomen Fahren und erstreckt sich inzwischen auch auf andere Aktivitäten des japanischen Automobilherstellers in Europa.

Freshfields, die derzeit vor allem für ihre Beratung der Volkswagen-Gruppe bekannt ist, sah man früher auch gelegentlich an der Seite von Daimler: Gesellschaftsrechtler Gleske stielte beispielsweise 2012 die Dreieckskonstellation zwischen Daimler, Nissan und Renault ein. Ein Jahr später sicherten sich die Stuttgarter mithilfe von Finanzierungspartner Yorck Jetter eine neue Kreditlinie in Höhe von neun Milliarden Euro.

Die Freshfields-Partner Dr. Heiner Braun und Dr. Robin Helmke wiederum unterstützten die Geely Group, als sie sich hierzulande an dem Flugtaxihersteller Volocopter beteiligte. Im Übrigen gilt der chinesische Autobauer auch als etablierter Mandant der internationalen Kanzlei King Wood & Malleson. (Sonja Behrens)

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