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29.04.2021

IPO: Nürnberger Softwareunternehmen strebt mit Freshfields und Latham an die Börse

Der schwedische Finanzinvestor EQT bringt das Nürnberger Softwareunternehmen Suse an die Börse. Ein Teil der Suse-Aktien soll spätestens ab Ende Juni im Prime Standard der Frankfurter Börse gehandelt werden. EQT hatte das Unternehmen 2018 für 2,18 Milliarden Euro von Micro Focus gekauft und seitdem eine deutliche Wertsteigerung erzielt.

Rick van Aerssen

Rick van Aerssen

Das 1992 gegründete Unternehmen mit dem grünen Chamäleon als Logo startete ein Jahr nach der Veröffenlichung des Linux Kernels. Suse passt wie einige Mitbewerber das Open-Source-System Linux in Distributionen für Nutzer an und berät Großanwender wie Behörden und Unternehmen per Kundendienst.

Das Unternehmen will beim Börsengang mit der Ausgabe neuer Aktien 414 Millionen Euro einnehmen. Damit steuert der Börsenneuling hochgerechnet auf eine Bewertung von sieben bis neun Milliarden Euro zu. EQT gibt zunächst nur einen kleinen Teil seiner Aktien ab und will weiterhin größter Aktionär bleiben. Suse wird vor dem Börsengang aus einer luxemburgischen Konzerngesellschaft in schwedischem Eigentum in eine Société Anonyme umgeformt. Dies deutet einerseits die Internationalität des IPO an und zeigt andererseits, warum der große Börsengang als Erfolg des Frankfurter Kapitalmarkts angesehen wird.

David Rath

David Rath

Suse plant, in dem milliardenschweren und wachsenden Marktsegment seine Umsätze in den nächsten Jahren deutlich zu steigern. Im Geschäftsjahr bis Ende Oktober 2020 setzte das Unternehmen 416 Millionen Euro um und damit 17 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Bruttomarge lag bei enormen 94 Prozent.

Der US-Mitbewerber Red Hat ging 1999 an die US-Technologiebörse Nasdaq. Er wurde nach seiner Expansion und einigen Akquisitionen 2018 von IBM für 34 Milliarden Dollar gekauft.

Bank of America und Morgan Stanley organisieren als Banken den Börsengang. Als weitere Bookrunner sind die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Jefferies und JPMorgan beteiligt.

Berater EQT und Suse
Freshfields Bruckhaus Deringer (Frankfurt): Rick van Aerssen, Simone Bono (London), Stephan Pachinger (Wien; alle Bank- und Finanzrecht), Dr. Wessel Heukamp (M&A; München), Kyle Miller (Gesellschaftsrecht), Dr. Frank Schaer (Arbeitsrecht); Associates: Dr. Nikolaus Bunting, John Haviland (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Verena Nosch (M&A; München), Simon Fitzpatrick (Bank- und Finanzrecht; Wien), Judith Römer (Arbeitsrecht)

Berater Banken
Latham & Watkins (Frankfurt): Dr. Oliver Seiler, David Rath (beide Bank- und Finanzrecht), Dr. Rainer Traugott (Private Equity; München) – aus dem Markt bekannt
Arendt & Medernach (Luxemburg): François Warken (Federführung); Associates: Noémi Gémesi, Jérôme Jacques (alle Kapitalmarktrecht)

Hintergrund: Freshfields beriet Suse bereits vor knapp zwei Jahrzehnte einmal bei einem Verkauf. Damals jedoch mit einer anderen Generation Anwälte und bei der damals noch deutlich kleineren Mandantin.

In Luxemburg soll nach JUVE-Informationen auf Unternehmensseite Bonn & Schmitt aktiv sein. Ein Team der dortigen internationalen Kanzlei Arendt & Medernach hat an der Seite von Latham bei dem Börsengang zu Fragen des luxemburgischen Rechts beraten.

Neben diesem Teil-Exit kauft EQT sich auch weiterhin in die deutsche Informationstechnik- und Softwarebranche ein. Ende 2020 war Milbank-Partner Dr. Steffen Oppenländer mit einem Team für Zukäufe im Einsatz – und das nicht zum ersten Mal: Er hatte das schwedische Beteiligungshaus auch 2018 beim Suse-Kauf unterstützt, gemeinsam mit Latham und Poellath. Die beiden Münchner Poellath-Partner Hohaus und Koch-Schulte hatten das EQT-Management bereits beim Einstieg in seine Beteiligung beraten. (Ludger Steckelbach)

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