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30.04.2021

Krankenhaus und Autobahn: CMS-Mandantin Equitix kauft Anteile an ÖPP-Projekten

Der britische Infrastrukturinvestor Equitix übernimmt Anteile an sechs europäischen ÖPP-Projekten von der niederländischen Investmentgesellschaft DIF Capital Partners. Zu dem Portfolio gehören Anteile an einer Autobahnprojektgesellschaft und einem Eisenbahnnetz in Norddeutschland sowie an einem Krankenhausprojekt in Wien. In den Niederlanden wechselten mehrere Autobahnabschnitte und ein Hafen den Eigentümer.

Gerd Leutner

Gerd Leutner

Zum Kaufpreis machen die Parteien keine Angaben. Medienberichten zufolge startete das Bieterverfahren mit einem Gesamtpaketwert von bis zu 145 Millionen Euro. Zahlreiche institutionelle Investoren zeigten Interesse an der Auktion. Bekannt sind als Bieter Infrared Capital und BBGI.

Zum Verkauf standen nicht die Assets, sondern Anteile an den Verträgen mit der öffentlichen Hand, die für die vertraglich zu erbringenden Leistungen regelmäßig einen fixen Betrag an die Projektgesellschaften überweist. An diesen Gesellschaften hielt die DIF überwiegend Minderheitsanteile.

In Deutschland gehörte die zwischen Hamburg und Sylt verkehrende Marschbahn zum Paket, deren Eisenbahnen und Waggons Teil des ÖPP-Vertrags sind, sowie die Autobahnprojektgesellschaft ViaSolutions Nord West, die Betreiberin eines Streckenabschnitts der A7 ist. In Wien verkaufte DIF seinen Anteil an einem Projekt des Krankenhausanstaltenverbunds (KAV) zum Betrieb von radioonkologischen Geräten.

Die jeweiligen Beteiligungen übernimmt mit Equitix ein erfahrener Infrastrukturinvestor und Fondsmanager der britischen Tetragon-Gruppe. Die sitzt in Saint Peter Port, das auf der Kanalinsel Guernsey liegt. Equitix gehört seit 2014 zur Gruppe, die 2013 den Hedge Fund Polygon erwarb. Equitix investiert in Infrastrukturprojekte und entwickelt sie auch.

Marktbeobachter werten den Verkauf von sechs Beteiligungen an europäischen Infrastrukturprojekten als Zeichen für einen funktionierenden Sekundärmarkt. Allerdings geben sie einschränkend zu bedenken, dass solche Pakete rar sind. Nur sehr selten gibt es für Infrastrukturinvestoren die Gelegenheit, sich in Projektgesellschaften etwa im Bereich Autobahnen einzukaufen. Insgesamt ist die Anzahl der ÖPP-Projekte in Deutschland klein, in Österreich noch kleiner. Ob sich das ändert, hängt auch von politischen Mehrheiten ab.

Wolfgang Melzer

Wolfgang Melzer

Berater Equitix
CMS Cameron McKenna Nabarro Olswang (London): Bill Carr (Federführung; Corporate/M&A), Russell Hoare (Kartellrecht), Paul Smith (Infrastruktur), Jonathan Dames (Bank- und Finanzrecht)
CMS Hasche Sigle (Berlin): Dr. Gerd Leutner (Corporate/M&A), Dr. Nicolai Ritter (Immobilienwirtschaftsrecht), Dr. Jens Moraht, Alexander Schmitt (beide Bank- und Finanzrecht), Kai Neuhaus (Kartellrecht/Außenhandel; Brüssel); Associates: Dr. Henry Stieglmeier (Immobilienwirtschaftsrecht), Dr. Martin Eichholz, Charlotte-Sophie Unger (beide Corporate/M&A), Moritz Pottek (Kartellrecht; Brüssel)
CMS Reich-Rohrwig Hainz (Wien): Dr. Peter Huber (Corporate/M&A), Dr. Bernt Elsner (Kartellrecht), Marcell Clark (Bank- und Finanzrecht); Associates: Dr. Ruth Bittner, Mario Maier, Simon Cook (alle Corporate/M&A; letzterer Rechtsanwaltsanwärter)
CMS Derks Star Busmann (Amsterdam): Cecilia van der Weijden (Corporate/M&A), Jeroen Berlage (Immobilienwirtschaftsrecht); Associates: Maurits Rabbie, Marcellina Rietvelt, Etienne Courbois (alle Corporate/M&A), Roderick Nieuwmeyer (Kartellrecht)
CMS DeBaker (Luxemburg): Gérard Maitrejean (Corporate/M&A)

Berater Dutch Infrastructure Fund
Allen & Overy (Amsterdam): Zeeger de Jongh (Bank- und Finanzrecht), Sarah Pickersgill (Corporate/M&A; London), Dr. Udo Olgemöller (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Wolfgang Melzer, Dr. Peter Stenz (beide Bank- und Finanzrecht; alle Frankfurt); Associates: Angélique Pfeiffelmann (Konfliktlösung; Frankfurt), Daniel Wendler (Corporate/M&A; Hamburg), Hugh Hobhouse (London), Dr. Rauni Ahammer (München), Alan Markgraf (Frankfurt), Cees van Ginneken, Mesut Korkmaz, Lara Montijn (alle Bank- und Finanzrecht), Olivia Hardy (Corporate/M&A; London)
Dorda (Wien): Dr. Tibor Varga (Bank- und Finanzrecht), Dr. Bernhard Müller (Öffentliches Recht); Associate: Patricia Backhausen (Corporate) – aus dem Markt bekannt

Berater Infrared Capital
White & Case (London): Simon Caridia, Florian Degenhardt, Beate Treibmann (beide Hamburg; alle Bank- und Finanzrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Bieter
Norton Rose Fullbright (München): Dr. Dirk Trautmann, Timo Noftz (beide Infrastruktur/Finanzierung) – aus dem Markt bekannt

Berater Bieter
Ashurst (Frankfurt): Dr. Maximilian Uibeleisen (Infrastruktur/Öffentliches Recht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Sitz der DIF ist Amsterdam, wo Allen & Overy-Partner de Jongh das Bieterverfahren organisierte sowie zum Verkauf der niederländischen Assets zuarbeitete. Die Verkaufsverhandlungen und die Dokumentation wurden nach englischem Recht und deswegen aus London geführt. Für die österreichischen Projekte war Dorda-Partner Varga im Mandat, für die deutschen der Allen & Overy-Partner Melzer, der für die Marschbahn vor vielen Jahren die Finanzierung verhandelt hatte.

CMS ist regelmäßig für Equitix im Mandat. Die Berliner Partner Leutner und Ritter berieten hier zum Kauf der deutschen Assets. Die Vertragsverhandlung führte der Londoner Partner Carr.

Bekannt ist, dass sowohl Norton Rose als auch Ashurst unter anderem auch mit deutschen Teams Bieter in dem Prozess begleiteten. Die öffentlich bekannten Interessenten Infrared und BBGI waren nicht ihre Mandanten. (Martin Ströder)

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