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20.10.2020

Frisches Geld: Staatsfonds von Abu Dhabi steigt mit Clifford bei Evotec ein

Das Biotech-Unternehmen Evotec besorgt sich frisches Geld und holt über eine Kapitalerhöhung den Staatsfonds von Abu Dhabi als Großaktionär an Bord. Bei der Kapitalerhöhung ohne Bezugsrecht begibt Evotec knapp 11,48 Millionen Aktien und erlöst auf diesem Weg 250 Millionen Euro. Auch eine Altaktionärin legt nach.

Thomas Krecek

Thomas Krecek

Bei der Privatplatzierung der Aktien investiert eine Tochtergesellschaft des Staatsfonds Mubadala Investment Company 200 Millionen Euro. Das entspricht einer Beteiligung von etwa 5,6 Prozent. Die Mubadala Investment Company ist der Sovereign Wealth Fund des Emirates Abu Dhabi und legt sein Geld schwerpunktmäßig unter anderem in Healthcare und Biotech an.

Den Rest der neuen Anteile sichert sich der Evotec-Anteilseigner Novo Holdings, der an dem Biotech- und Forschungsunternehmen dadurch weiterhin einen Anteil von etwa 11 Prozent hält. Novo ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Novo Nordisk Foundation und als Holdinggesellschaft des dänischen Pharma-Konzerns Novo verantwortlich für die Verwaltung der Vermögenswerte der Stiftung.

Die neuen Aktien werden zu einem Bezugspreis von 21,7802 Euro pro Aktie ausgegeben. Der Bezugspreis liegt damit rund 3,4 Prozent unter dem Schlusskurs vor dem Investment. Mit dem Geld will Evotec sein Geschäft weiter ausbauen und in Präzisionstechnologien bei Biologika, neuartige Zell- und Gentherapien sowie in die Erweiterung seiner Präsenz in den USA und Europa investieren.

Evotec rechnet im laufenden Jahr bei den Konzernerlösen weiter mit 440 bis 480 Millionen Euro – nach 446,8 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll von 123 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 100 bis 120 Millionen Euro sinken. Das Unternehmen mit weltweit mehr als 3.400 Mitarbeitern betreibt vielfältige Forschungsallianzen und Entwicklungspartnerschaften mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen, akademischen Einrichtungen, Patientenorganisationen und Risikokapitalgesellschaften.

Berater Mubadala
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Thomas Krecek (Corporate/M&A), Philipp Klöckner (Banking & Finance, beide Federführung), Mohammed Al-Shukairy (Corporate/M&A, Dubai); Associates: Dr. Moritz Petersen, Dr. Arian Nazari-Khanachayi, Lara Stelmach, Gareth Dray (Dubai, alle Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Abu Dhabi): Omran Alrasheed – aus dem Markt bekannt

Henning Schneider

Henning Schneider

Berater Novo
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Henning Schneider (Federführung), Dr. Dirk Kocher (beide Corporate), Dr. Jana Dammann de Chapto (Kartellrecht); Associates: David Rath (Capital Markets, Frankfurt), Dr. Steffen Augschill (Corporate, Düsseldorf)
Inhouse Recht (Kopenhagen): Søren Justesen  (Associate General Counsel)

Berater Evotec
Freshfields Bruckhaus Deringer (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt (Federführung); Associates: Dr. Alexander Klausmann, Robert Fischer (alle Corporate/M&A)
Evotec Inhouse (Hamburg): Dr. Christian Dargel (General Counsel)

Hintergrund: Mubadala holte sich bereits vor Jahren Clifford Chance an die Seite, etwa für ein Joint Venture mit Air Berlin für die Finanzierung von Triebwerken. Das jetzige Mandat kam über das Büro in Dubai nach Deutschland.
Mubadala setzte in der Vergangenheit aber auch schon auf Allen & Overy, die wie Clifford Chance dort einen Standort unterhält. Auch White & Case war schon mit dem Staatsfonds zu sehen.

Christoph Seibt

Christoph Seibt

Evotec setzte wieder auf Freshfields, die zuletzt bei der SE-Umwandlung oder auch 2018 zum Aufbau einer von Evotec geführten ‚Open Innovation‘-Plattform und zur Übernahme eines französischen Standortes beriet. Speziell Freshfields-Partner Seibt ist eng mit dem Unternehmen verbunden: In den letzten 20 Jahren flankierte er mehrere M&A- und Kapitalmarkttransaktionen, etwa den Kauf des US-Wettbewerbers Aptuit, und beriet ebenso zu Corporate Governance-Themen.

Die Mandatsbeziehung zwischen Latham & Watkins und Novo ist ebenso bewährt, unter anderem war die Kanzlei beim Erwerb der Ankerbeteiligung an Evotec im Februar 2017 dabei. Auch beim Kauf von BSN Medical durch Svenska Cellulosa war es Schneider, der Novo beriet. (Eva Flick, mit Material von dpa)

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