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19.06.2020

Auf Erfolg programmiert: Robotik-Start-up wirbt mit Lacore 26 Millionen Euro ein

Das Dresdner Start-up Wandelbots hat in einer B-Finanzierungsrunde 26 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Mithilfe von Robotik-Software sollen auch Menschen ohne Programmierkenntnisse Roboter steuern können. Das Konzept überzeugt immer mehr namhafte Investoren: Unter anderem Microsoft und Siemens stiegen über ihre Venture-Arme neu bei Wandelbots ein. Angeführt wurde die Runde durch den Londoner Venture-Capital-Fonds 83 North. Und auch ein Family Office aus Duisburg gab Geld.

Natalie Vahsen

Natalie Vahsen

Robotik-Unternehmen sind in der Corona-Krise Gewinner. So auch das Start-up Wandelbots, das 2017 aus der Technischen Universität Dresden heraus von Christian und Maria Piechnick zusammen mit vier Doktoranden gegründet wurde. Zu den Wandelbots-Kunden gehören unter anderem Volkswagen, BMW oder Infineon. Das Unternehmen begann mit einem smarten Anzug, dank dessen auch Techniklaien große Industrieroboter bewegen können. 2018 gewann Wandelbots so Paua Ventures und EQT Ventures als Investoren. In der Gesellschafterliste des Unternehmens stehen weitere bekannte Namen, darunter Unternehmer Felix Haas, SAP-Manager Christian Dahlen und Atlantic Labs.

Mittlerweile hat Wandelbots seine Software so weiterentwickelt, dass sie sich auf Stifte oder Computermäuse übertragen lässt, um damit Roboter steuern zu können. Das frische Kapital will das Unternehmen nutzen, um den ‚TracePen‘, einen programmierbaren Stift zum Anlernen von Robotern, auf den Markt zu bringen. Das Konzept überzeugt immer mehr Investoren: So stieg in der jüngsten Finanzierungsrunde Microsoft über seinen Venture-Arm M12 ein – eines der wenigen Investments, die der US-Softwareriese bislang in Deutschland getätigt hat. Als Lead Investor gewann Wandelbots den Londoner VC-Fonds 83 North. Es ist nach dem Investment in das deutsche VC-Einhorn Celonis das zweite 83-North-Investment in ein deutsches Unternehmen. Zu den weiteren Investoren gehört das Family Office von Haniel aus Duisburg sowie Bestandsinvestor Paua und EQT Ventures.

Berater Wandelbots
Lacore (Berlin): Natalie Vahsen (Corporate); Associates: Stefanie Berges, Paola Leiva (Corporate), Magda Grünenwald (Corporate, IP/IT/Datenschutz), Paula Deus, Maria Höricke (beide IP) 

Berater 83 North
Goodwin Procter: William Schnoor (London), Gregor Klenk (beide Federführung); Associate: Jana Pamukova (beide Frankfurt; alle Private Equity)

Gregor Klenk

Gregor Klenk

Berater Next47
Reed Smith (München): Justus Binder (Corporate) – aus dem Markt bekannt

Berater M12
Orrick
(München): Dr. Jörg Ritter, Greg Heibel (Silicon Valley; beide Federführung; beide Corporate), Christine Kaniak (Finanzierung); Associate: Andrea Schlote (Corporate)

Berater Haniel
Orrick
(Düsseldorf): Dr. Sven Greulich (Federführung), Carsten Bernauer; Associates: Dr. Johannes Rüberg, Onur Öztürk (alle Private Equity)

Berater Paua Ventures
Vogel Heerma Waitz (Berlin): Dr. Simon Pfefferle (Private Equity) – aus dem Markt bekannt

Berater EQT Ventures
DLA Piper (Frankfurt): Andreas Füchsel; Associate: Philipp Groll (beide Private Equity)

Hintergrund: Die Term Sheets der Finanzierungsrunde verhandelten die Parteien komplett inmitten der Corona-Krise – allerdings hatte sich Wandelbots schon seit Januar auf die Suche nach neuen Investoren gemacht. Die auf VC spezialisierte Berliner Kanzlei Lacore stand schon einmal 2017 bei der Seed-Finanzierungsrunde an der Seite des Robotik-Unternehmens. Die A-Runde 2018 bestritt das Start-up dann allerdings mit Hogan Lovells, um nun für die aktuelle Finanzierungsrunde zu Lacore zurückzukehren.

Der Lead Investor 83 North setzte auf ein Goodwin-Team aus London und Frankfurt: Der Venture-Capital-Spezialist Klenk war vor gut einem Jahr von Latham & Watkins ins einzige deutsche Goodwin-Büro in Frankfurt gewechselt. Goodwin Procter ist mit 83 North seit Längerem über das Londoner Büro verbunden: Der dortige Partner Schnoor beriet 83 North bereits bei diversen Investments. Bei dem Investment in das deutsche Start-up Celonis, das sie als Co-Investor gemeinsam mit dem US-Fonds Accel tätigten, ließ sich 83 North 2016 und 2018 von Hengeler Mueller beraten.

Die weiteren Investoren wie Next47 (Siemens) oder M12 (Microsoft) setzten auf bewährte Berater. So hatte Orrick-Partner Ritter M12 bereits bei seinem Investment in das Berliner AI-Start-up Twenty Billion Neurons (TwentyBN) beraten, und auch das Team um Orrick-Partner Greulich war bereits bei diversen Investments an der Seite von Haniel zu sehen. Beurkundet wurde die Transaktion nach JUVE-Informationen von Carlos Katins und Konstantin von Richthofen von Flick Gocke Schaumburg. (Eva Lienemann)

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