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20.05.2020

Virtuelle HV: Deutsche Bank-Aktionäre versammeln sich online

Die Deutsche Bank-Aktionäre haben auf der jährlichen Hauptversammlung unter anderem über den Umbau des Aufsichtsrats abgestimmt. Wegen der Corona-Pandemie hielt die Deutsche Bank ihre HV erstmals virtuell ab.

Ralph Wollburg

Ralph Wollburg

Die Deutsche Bank hat sich über die vergangenen Jahre aus einigen Geschäftsfeldern zurückgezogen und das Investmentbanking geschrumpft. Zudem soll bis Ende 2022 konzernweit die Zahl der Vollzeitstellen um etwa 18.000 auf weltweit 74.000 sinken. Die wegen der Pandemie auf Eis gelegten Gespräche zum Stellenabbau werden wieder aufgenommen.

Auf der Tagesordnung standen zwei umstrittene Personalien: Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer sollten in den Aufsichtsrat gewählt werden. Weimer wird in Medienberichten immer wieder als möglicher Nachfolger von Aufsichtsratschef Paul Achleitner genannt.

Die Fondsgesellschaft Deka Investment warnte vor möglichen Interessenkonflikten. Weimer selbst hatte bei der Hauptversammlung der Deutschen Börse tags zuvor gesagt, er plane derzeit, seinen bis zum 31. Dezember 2024 laufenden Vertrag bei der Börse „bis zum Ende der regulären Laufzeit zu erfüllen“. Weimer betonte: „Solange ich Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse bin, ist die Übernahme des Aufsichtsratsvorsitzes bei der Deutschen Bank ausgeschlossen.“

Karen Kuder

Karen Kuder

Achleitner, der seit 2012 dem Aufsichtsrat vorsteht und dessen Amtszeit 2022 endet, erklärte: „Eine Wiederwahl strebe ich nicht an. Nach zehn Jahren in dieser Verantwortung muss es dann auch genug sein.“

Auch Gabriels Berufung im Januar hatte Kritik ausgelöst – wie so oft, wenn frühere Spitzenpolitiker in die Wirtschaft wechseln. Der ehemalige Außenminister und Vizekanzler war schon im März per Gerichtsbeschluss für den Deutsche-Bank-Aufsichtsrat bestellt worden.

Die Frage, ob der Dax-Konzern mitten in der Corona-Krise Dividende zahlen soll, war nach dem fünften Verlustjahr in Folge schon vorher beantwortet: Eine Ausschüttung war ohnehin nicht vorgesehen. Die Deutsche Bank steckt mitten in einem tiefgreifenden Konzernumbau. Auch im laufenden Jahr drohen unter dem Strich rote Zahlen.

Berater Aufsichtsrat
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg, Associates: Dr. Andreas Zenner, Dr. Julius Raapke (alle Gesellschaftsrecht)

Hans Diekmann

Hans Diekmann

Berater Vorstand
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Karen Kuder (General Counsel), Astrid Keinath, Volker Butzke – aus dem Markt bekannt
Linklaters (Düsseldorf): Prof. Dr. Hans-Ulrich Wilsing, Dr. Klaus von der Linden (beide Gesellschaftsrecht)
Allen & Overy (Düsseldorf): Dr. Hans Diekmann, Dr. Jonas Wittgens (Hamburg), Associate: Dorothée Kupiek (alle Gesellschaftsrecht)

Notar
Hogan Lovells (Frankfurt): Dr. Joachim Habetha

Hintergrund: Sowohl die Linklaters-Teams um die Partner Wollburg und Wilsing als auch Allen & Overy mit Hans Diekmann sind bereits seit etlichen Jahren regelmäßig als HV-Begleiter für die Deutsche Bank tätig. Wilsing vertrat die Bank auch im Streit vor dem Landgericht Frankfurt um mehrere Beschlüsse der HV 2019. Notar Joachim Habetha beurkundet die HVen der Deutschen Bank ebenfalls seit Jahren. 

Für Inhouse-Anwältin Karen Kuder war dies die erste HV in ihrer neuen Funktion als General Counsel. Sie löste erst vor Kurzem den bisherigen Chefjuristen Prof. Dr. Florian Drinhausen ab, der nach verlorenem Machtkampf mit dem designierten Rechtsvorstand Prof. Dr. Stefan Simon den Posten geräumt hatte. (Norbert Parzinger, mit Material von dpa)

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