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19.03.2020

Neues Mandat: Heidelberger Druckmaschinen geht Restrukturierung mit DLA an

Die angeschlagene Heidelberger Druckmaschinen baut erneut um. Um die Kosten zu senken und die Profitabilität zu verbessern, will das Unternehmen unter anderem verlustbringende Produkte einstellen und bis zu 2.000 Stellen weltweit abbauen. Künftig soll die Konzentration auf der Profitabilität und nicht mehr auf dem Umsatzwachstum liegen. Dazu stellt der Konzern seine Finanzierung neu auf.

Benjamin Parameswaran

Benjamin Parameswaran

Im Fokust steht nun das Kerngeschäft Verpackungsdruck und dessen Digitalisierung. Insgesamt will sich Heidelberger Druck von Produkten mit einem Verlust von insgesamt 50 Millionen Euro trennen. Betroffen sind die Digitaldruckmaschine Primefire sowie eine Maschine für das Großformat im Bogenoffsetdruck, die bis spätestens Ende 2020 eingestellt werden sollen. Beide Maschinen werden am Hauptstandort Wiesloch produziert. Im Digitaldruck will sich der Konzern künftig auf die Partnerschaft mit der japanischen Ricoh konzentrieren, zudem sucht Heidelberger Druck weitere Partner.

Der Abbau der Stellen solle so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden, etwa durch Altersteilzeit und Freiwilligenprogramme, erklärte Konzernchef Rainer Hunsdörfer. Wie sich der Abbau verteilt, wollte der Manager nicht sagen. Am Standort Wiesloch gibt es einen Kündigungsschutz bis 2022.

Constantin Bettermann

Constantin Bettermann

Der Konzern will seine Liquidität nun deutlich verbessern. Um die Restrukturierung zu finanzieren und die finanzielle Stabilität zu erhöhen, will Heidelberger Druck einen Teil der Liquiditätsreserven von rund 375 Millionen Euro aus dem Treuhandvermögen des 2005 gegründeten Heidelberg Pension-Trust zurückführen. So will das Unternehmen seine Finanzierungsstruktur durch den Abbau von Verbindlichkeiten deutlich verbessern, insbesondere durch die vorzeitige Rückführung einer Hochzinsanleihe mit einem Volumen von 150 Millionen Euro.

„Wir befreien uns in einem Schritt von der drückenden Schuldenlast und können gleichzeitig in den kommenden 18 Monaten die notwendige operative Neuausrichtung konsequent umsetzen”, sagte Finanzvorstand Marcus Wassenberg. „Damit machen wir uns kurzfristig krisenfest und verbessern die Profitabilität deutlich.” Das Finanzierungskonzept werde von den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft sowie auch von allen kreditgebenden Banken mitgetragen.

Berater Heidelberger Druckmaschinen
DLA Piper: Dr. Benjamin Parameswaran (Corporate/M&A; Hamburg), Mike Danielewsky (Restrukturierung; Frankfurt), Dr. Henriette Norda (Arbeitsrecht; Hamburg; alle Federführung), Dr. Marco Arteaga (Pensionen), Dr. Roland Maaß (Kapitalmarktrecht), Semin O (Kartellrecht; alle Frankfurt), Dr. Andreas Meyer-Landrut (Corporate; Köln), Dr. Annekatrin Veit (Pensionen; München), Florian Bruder, Oliver Otto (beide Restrukturierung; beide Frankfurt), Dr. Isaschar Nicolaysen (Corporate/M&A; Hamburg); Associates: Juliane Hack (Frankfurt), Marx Dauth (beide Corporate), Dr. Gregor Schroll (Kartellrecht; beide Köln), Dr. Martin Kaltwasser (Restrukturierung; Frankfurt), Sophie von Mandelsloh, Dr. Diedrich Schröder (beide Corporate/M&A; beide Hamburg), Alexander Rösch (Kartellrecht; Frankfurt)
SZA Schilling Zutt & Anschütz (Frankfurt): Dr. Dietrich Stiller (Finanzierung)
Inhouse Recht
(Wiesloch): Dr. Constantin Bettermann (General Counsel), Monika Mahler-Schellenberger

Dietrich Stiller

Dietrich Stiller

Berater Banken
Nicht bekannt

Hintergrund: DLA Piper kam damit erstmals für Heidelberger Druckmaschinen zum Einsatz, im Herbst 2019 hatte sich die Kanzlei in einem Pitch als neue bevorzugte Panelkanzlei in mehreren Bereichen durchgesetzt. Für das aktuelle, sehr komplexe Mandat waren vor allem die Kombination aus Corporate, Arbeitsrecht und Pensionen sowie Restrukturierung gefragt. Der Kontakt kam über den CFO Wassenberg zustande, der im September vergangenen Jahres in den Vorstand des Druckmaschinenherstellers gewechselt war. Er kannte aus seiner Zeit bei Senvion und Rolls-Royce Power Systems den Corporate- und Managing-Partner Parameswaran gut. Auch bei Rolls-Royce Power Systems war DLA Panelkanzlei. 

Bereits seit Längerem erprobt ist dagegen die Zusammenarbeit mit dem Finanzierungsspezialisten Stiller. Der Frankfurter SZA-Partner hatte während seiner Zeit bei Clifford Chance Heidelberger Druck wiederholt bei Refinanzierungen begleitetet. Zu SZA war er 2016 gewechselt. Stiller beriet im Frühjahr 2019 Heidelberger Druck auch zum Einstieg des chinesischen Ankeraktionärs Masterwork. Den Coprorate-Part übernahm damals Hengeler Mueller, die Heidelberger Druckmaschinen zuvor schon viele Jahre beraten hatte.

Soweit bekannt wurden der Betriebsrat und die IG Metall nicht von einer externen Kanzlei vertreten. An den Verhandlungen waren der Betriebsratsvorsitzende Ralf Arns und der IG-Metall-Bevollmächtigte Mirko Geiger beteiligt. (Christine Albert; mit Material von dpa)

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