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20.03.2020

Nach Random House-Übernahme: Bertelsmann sortiert sich mit Linklaters und HFK

Nach der vollständigen Übernahme von Penguin Random House geht Bertelsmann durch die Bücher: Der Gütersloher Medienkonzern hat den Erwerb des restlichen 25-Prozent-Anteils an dem großen Publikumsverlag mit einem Kredit über 675 Millionen Euro fremdfinanziert. Zudem verkaufte Bertelsmann das Münchner Bürogebäude NM28, das hauptsächlich von Random House-Mitarbeitern genutzt wurde. Es ging in einer Sale-and-Lease-back-Transaktion an die Allianz Real Estate.

Neil Weiand

Neil Weiand

Bertelsmann hatte Ende 2019 angekündigt, Alleineigentümer des internationalen Publikumsverlags Penguin Random House werden zu wollen, der seinen Hauptsitz in New York hat. Seit 2017 hielt Bertelsmann schon 75 Prozent der Anteile. Den restlichen Anteil kauft sie für 675 Millionen Dollar von der britischen Mitgesellschafterin Pearson.

Im Zuge der Transaktion soll auch die deutsche Verlagsgruppe Random House, die schon jetzt vollständig von Bertelsmann gehalten wird, in die Buchverlagsgruppe integriert werden, die dann mehr als 300 Einzelverlage zählt. Die Anteilsübernahme bedarf allerdings noch behördlicher Freigaben. 

Um den Zukauf zu finanzieren, unterzeichnete Bertelsmann mit den Konsortialführern – der französischen Großbank BNP Paribas, der Barclays Bank Ireland  sowie der National Westminster Bank  – einen Kreditvertrag über 675 Millionen Euro.

Zudem wurde bekannt, dass Bertelsmann das Münchner Bürogebäude NM28 für 214 Millionen Euro an die Allianz Real Estate, die Immobilientochter des Versicherungskonzerns, verkauft hat und gleichzeitig langfristig zurückmietet.

Bertelsmann ist mit einem Umsatz von 17,7 Milliarden Euro das größte Medienunternehmen Europas. Das Familienunternehmen zählt weltweit gut 117.000 Mitarbeiter.

Zur Finanzierungstransaktion

Berater Bertelsmann 
Linklaters (Frankfurt): Dr. Neil George Weiand, Dr. Urs Lewens (beide Finanzrecht)
Inhouse Recht (Gütersloh): Dr. Hendrik Horn (Senior Vice President) 

Berater BNP Paribas
Hengeler Mueller (Frankfurt): Dr. Johannes Tieves; Associate: Tom Shingler (beide Finanzierung)

Volker Zerr

Volker Zerr

Zur Immobilientransaktion

Berater Allianz Real Estate 
CMS Hasche Sigle (Stuttgart): Dr. Volker Zerr, Dr. Martin Prothmann (beide Federführung; beide Immobilienrecht), Dr. Antje Becker-Boley (Energierecht), Dr. Winfried Schnepp (Regulierung; Köln), Dr. Christian Haellmigk (Kartellrecht), Dr. Sabina Krispenz (Corporate/M&A); Associates: Jacqueline Terhöven, Aylin Kocak, Dr. Elena Mackh, Sandra Scheib (alle Immobilienrecht), Sonja Ebert (Energierecht)
Inhouse Recht (Stuttgart): Dr. Markus Trotter-Melitz (Head of Legal), Mirjam Frick (Senior Legal Counsel)

Christian Nunn

Christian Nunn

Berater Bertelsmann
Inhouse Recht (Gütersloh): Julia Neudecker (Immobilien)
HFK Heiermann Franke Knipp und Partner (München): Dr. Christian Nunn, Franz-Josef Koch

Hintergrund: Die Mandatsbeziehung der HFK-Anwälte zum Bertelsmann-Konzern besteht seit mehr als 12 Jahren, damals berieten sie das Medienunternehmen und die Vermögensverwaltung KGAL bei einem Immobilienverkauf in München. Hier berieten sie nicht nur zum Objektverkauf, sondern auch zur Struktur des neuen Mietvertrags, der über einige Jahre läuft. Gesteuert wurde die Transaktion unternehmensintern von Henrik Pahls, Leiter Corporate Finance, in enger Abstimmung mit der Rechts- und Steuerabteilung.

Auch Linklaters-Anwalt Weiland unterstützt das große Medienunternehmen nicht zum ersten Mal. Der Bank- und Finanzrechtler hatte das Management schon 2012 zur Umwandlung der Bertelsmann AG in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien beraten. Damals allerdings noch unter der Flagge von Allen & Overy. Dass der Kontakt sich nun auch bei Linklaters niederschlägt, zeigte sich schon im vergangenen Sommer, als Bertelsmann mithilfe von Weiand und Counsel Lewens ihre syndizierte Kreditlinie in Höhe von 1,2 Milliarden Euro refinanzierte.

Johannes Tieves

Johannes Tieves

Hengeler, die hier an der Seite der Kreditgeber stand, ist mit den Verantwortlichen des Medienunternehmens auch gut bekannt: 2013 unterstützte ein Team zunächst die  Sekundärnotierung der Bertelsmann-Tochter RTL Group an der Frankfurter Börse und wenig später auch ein beschleunigtes Bookbuilding-Angebot an institutionelle Investoren. Auch für die vollständige Integration des Verlags Gruner + Jahr vor fünf Jahren war die deutsche Großkanzlei mandatiert.

Die Mandatsbeziehung zur BNP Paribas war dann im vergangenen Herbst sichtbar geworden, als das Göttinger Pharmaunternehmen Sartorius Teile des Lifescience-Portfolios von dem US-Konzern Danaher erwarb und die französische Großbank dafür die Finanzierung zur Verfügung stellte, beraten von Hengeler-Partner Tieves und seinem Team.

Die Immobilientochter der Allianz, die das Bertelsmann-Haus in Besitz nahm, setzt regelmäßig auf den Stuttgarter CMS-Partner Zerr. Mit seiner Hilfe erwarb sie beispielsweise vor zwei Jahren auch das Wiener Hochhaus The Icon Vienna. Hier teilte sich Zerr die Transaktionsleitung mit Prothmann, der Anfang des Jahres zum Counsel ernannt wurde. Dem Vernehmen nach wurde auf Vorschlag von HFK der Immobiliendeal von Sebastian Herrler aus dem Notariat Prof. Dr. Wicke Herrler in München beurkundet.

Als die Allianz-Gruppe hingegen jüngst das Braunschweiger Einkaufszentrum „Welfenhof“ an einen Privatinvestor verkaufte, war eine Team um Menold Bezler im Einsatz, die Kanzlei hatte im vergangenen Jahr auch schon eine Grundstückstransaktion der Allianz in Nürnberg flankiert. Für den Verkauf des Grundstücks Opernplatz 2 in der Frankfurter Innenstadt hatte die Rechtsabteilung der Allianz Real Estate hingegen Clifford Chance mandatiert. (Sonja Behrens)

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