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08.10.2019

Wechsel bei Thyssenkrupp: Seitz verhandelt Ausstiegspaket von Vorstandschef Kerkhoff

Die Managerin Martina Merz hat Guido Kerkhoff an der Spitze von Thyssenkrupp abgelöst. Es ist der dritte Wechsel an der Führungsspitze des Stahl- und Industriekonzerns innerhalb von nur 15 Monaten. Merz ist seit ein paar Jahren hauptberufliche Aufsichtsrätin. Medienberichten zufolge bekommt Kerkhoff eine Abfindung von sechs Millionen Euro.

Stefan Seitz

Stefan Seitz

Mit Kerkhoff habe sich der Aufsichtsrat auf eine einvernehmliche Auflösung seines Vertrags geeinigt, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Eine Summe wurde dabei nicht genannt.

Bei den Verhandlungen wurde Kerkhoff nach JUVE-Informationen von Dr. Stefan Seitz und Counsel Dr. Johannes Traut aus der Kölner Kanzlei Seitz beraten. Die renommierte Arbeitsrechtspraxis berät Unternehmen bei großen Umstrukturierungen, aber auch Manager und Vorstände bei Vertragsverhandlungen. Seitz und Counsel Dr. Andreas von Medem unterstützten beispielsweise kürzlich BMW-Chef Harald Krüger bei seinem Rückzug aus der Konzernspitze. Auch der neue Uniper-Chef Andreas Schierenbeck gehörte nach JUVE-Informationen bei seinem Wechsel zu Uniper zum Mandantenkreis von Seitz.

Soweit bekannt, hat sich der Thyssenkrupp-Aufsichtsrat bei den Ausstiegsverhandlungen mit Kerkhoff nicht extern beraten lassen, sondern hat auf Inhouse-Kompetenz aus dem eigenen Juristenkreis gesetzt. Das Unternehmen wollte dies nicht kommentieren.

Kerkhoff war zunehmend ins Kreuzfeuer von Investoren und der IG Metall geraten. Sie warfen ihm fehlende Konsequenz und Erfolglosigkeit bei der Sanierung des Industrieriesen vor.

Arne Wittig

Arne Wittig

Neben der Personalie Kerkhoff gab es in der jüngsten Zeit noch weitere Veränderungen im Vorstand: Gleichzeitig mit Merz berief der Aufsichtsrat Dr. Klaus Keysberg in den Vorstand. Er wird für die Materialgeschäfte verantwortlich sein. Compliance-Vorstand Dr. Donatus Kaufmann schied Ende September aus dem Gremium aus.

Der Wechsel von Kerkhoff zu Merz ist nicht alltäglich, denn die 56-Jährige war bisher Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssenkrupp und damit die Chefkontrolleurin der Vorstandschefs. Sie soll auch nur eine Übergangslösung an der Spitze des Konzerns sein. Nach maximal zwölf Monaten soll Merz in den Aufsichtsrat zurückkehren und Platz für die oder den nächsten CEO machen. Bis dahin wird der frühere Siemens-Manager Siegfried Russwurm den Aufsichtsrat leiten.

An dem von Kerkhoff zuletzt verfolgten Umbau des unübersichtlichen Konzerns mit seinem 160.000 Mitarbeitern in eine schlanke Holding mit eigenständigeren Sparten will Merz festhalten. Bei der Umstrukturierung berät vor allem Linklaters das Unternehmen und die Rechtsabteilung unter General Counsel Arne Wittig. (Christiane Schiffer, mit Material von dpa)

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