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05.07.2019

Auf Dortmunds Spuren: Unterhaching geht mit Pinsent Masons an die Börse

19 Jahre nach Borussia Dortmund wagt mit der Spielvereinigung Unterhaching ein zweiter deutscher Fußballverein den Sprung an die Börse. Der aktuelle Drittligist, der von 1999 bis 2001 in der Bundesliga spielte, will sich mit dem Börsengang finanziell neu aufstellen und bis zum Jahr 2022 in die 2. Bundesliga zurückkehren.

Thomas Mayrhofer

Thomas Mayrhofer

Der Wertpapierprospekt für den Börsengang wurde am 4. Juli gebilligt. Die Aktien des Fußballvereins sollen vom 15. bis 26. Juli platziert und dann an der Börse München gehandelt werden. Der Ausgabepreis der rund 950.000 Aktien beträgt 8,10 Euro, der Emissionserlös würde sich bei Platzierung aller Aktien auf knapp 7,7 Millionen Euro belaufen. Bereits im vergangenen Winter hatte die SpVgg Unterhaching ihre Profiabteilung bis zur U16-Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft in der Form einer Kommanditgesellschaft auf Aktien ausgegliedert.

Die Finanzierung deutscher Profifußballvereine durch in- und ausländische Investoren birgt wegen der sogenannten „50+1-Regel“ besondere Herausforderungen. Nach dieser Vorschrift ist es Kapitalanlegern nicht möglich, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Damit soll eine Übernahme durch Investoren verhindert werden und der Verein die Entscheidungshoheit behalten. Ein Börsengang könnte daher für viele Vereine eine Finanzierungsalternative bedeuten.

Berater SpVgg Unterhaching
Pinsent Masons (München): Thomas Mayrhofer (Federführung); Associates: Markus Joachimsthaler (beide Kapitalmarktrecht), Dr. Julia Traumann (IP)
euprax Perchtold & Partner (München): Robert Perchtold, Jens Krall (Steuern) – aus dem Markt bekannt
Dr. Kleeberg & Partner (München): Karl Nagengast (Wirtschaftsprüfung) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Kapitalmarktrechtsleiter Mayrhofer beriet mit seinem Team die Spielvereinigung zu allen rechtlichen Fragen des Börsengangs, erstellte den Emissionsprospekt und begleitete das Zulassungsverfahren bei der BaFin und der Börse München. In das Mandat kam er über eine Empfehlung von Portfolio Control. Das Starnberger Kapitalmarkthaus, das über eine Zulassung als Emissionsexperte an der Börse München verfügt, begleitete die Platzierung der Aktien. Banken waren nicht beteiligt. Die Beratung der für den Börsengang notwendigen Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien übernahm nach JUVE-Informationen die Münchner Steuerberatungsgesellschaft euprax Perchtold & Partner. Zu Prüfungsfragen wurde Dr. Kleeberg & Partner hinzugezogen.

Mit dem Börsengang von Unterhaching konnte Pinsent Masons ein erstes Mandat im deutschen Profifußball gewinnen. Auf internationaler Ebene hat die Kanzlei bereits mehrere Vereine begleitet. Neben der rechtlichen Beratung zahlreicher Clubs aus der Premier League sowie der ersten schottischen Liga im Transaktions-, Investment- und Spielertransferbereich war die Kanzlei auch beteiligt bei der Investition eines kanadischen Investors in den italienischen Verein FC Bologna.

Die Kapitalmarktpraxis von Pinsent Masons befindet sich derzeit im Ausbau: Ab August wird Dr. Susanne Lenz als Partnerin in Frankfurt die Praxis um den in München sitzenden Praxischef Mayrhofer ergänzen. Lenz war seit Ende 2015 Counsel bei Hogan Lovells. Ebenfalls von Hogan Lovells kam bereits im Juli ein erfahrener Associate und US-qualifizierter Anwalt zu Pinsent Masons. Beide wollen von Frankfurt aus die Bankenbranche fokussieren und Kapitalmarkttransaktionen mit US-Element abdecken. (Stephan Mittelhäuser)

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