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24.06.2019

E-Flugzeuge: Rolls-Royce erwirbt mit DLA Geschäftssparte von Siemens

Siemens verkauft eines seiner bekanntesten Zukunftsprojekte: Die Entwicklung elektrischer Flugzeugmotoren soll zum Jahresende mit sämtlichen 180 Mitarbeitern vom britischen Triebwerkhersteller Rolls-Royce übernommen werden.

Benjamin Parameswaran

Benjamin Parameswaran

Die Abteilung eAircraft hatte in den vergangenen Jahren mit ihren Triebwerken mehrere medien- und publikumswirksame Rekorde aufgestellt. Ein bekanntes Projekt war die Entwicklung eines elektrischen Flugtaxis gemeinsam mit Airbus. Diese Kooperation läuft ebenfalls Ende des Jahres aus.

Grund des Verkaufs ist, dass Siemens sich auf seine Kerngeschäfte konzentrieren will. „Aus diesem Grund wird das Geschäft mit elektrischen und hybrid-elektrischen Antriebssystemen für Flugzeuge deutlich bessere Wachstumsperspektiven mit einem neuen Eigentümer haben, der eng mit der Luft- und Raumfahrtindustrie verbunden ist“, hieß es dazu von Siemens. Rolls-Royce sei eine „perfekte Heimat“ für die E-Flugzeugmotoren und ein enger Partner von Airbus.

Die 180 eAircraft-Mitarbeiter sind in Erlangen, München und Ungarn beschäftigt. Wie viel Geld Rolls-Royce zahlt, gaben beide Unternehmen nicht bekannt. Die Transaktion soll nach einer Phase von Mitarbeitergesprächen Ende 2019 abgeschlossen werden. Nach JUVE-Informationen gab es noch weitere Bieter für die Sparte. Medienberichten zufolge befand sich darunter auch der deutsche Triebwerkehersteller MTU Aero Engines.

Myriam Schilling

Myriam Schilling

Der britische Triebwerkhersteller Rolls-Royce hat Kunden in mehr als 150 Ländern, darunter mehr als 400 Flug- und Leasinggesellschaften, 160 Streitkräfte, 70 Seestreitkräfte sowie mehr als 5.000 Energie- und Kernenergiekunden. 2018 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 15 Milliarden britischen Pfund.

Berater Rolls-Royce
DLA Piper (Hamburg): Dr. Benjamin Parameswaran, Sebastian Decker (beide Federführung; beide Corporate/M&A), Dr. Kai Bodenstedt (Arbeitsrecht), Guido Kleve (Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dr. Jan Dreyer (Kartellrecht; beide Köln), Dr. Martin Haller (Immobilienrecht; München), Dr. Konrad Rohde (Steuerrecht), Dr. Burkhard Führmeyer (IP), Dr. Marco Arteaga (Arbeitsrecht; alle Frankfurt), Helga Fehér (Arbeitsrecht; Budapest), Dr. Fabian Klein (Frankfurt), Dr. Annemarie Bloß (beide IP), Sebastian Kost (Steuerrecht; München), Dr. Enno Ahlenstiel (Kartellrecht; Köln), Zoltán Kozma (IP; Budapest); Associates: Liane Bednarz (Corporate/M&A), Georg Haberkorn (Arbeitsrecht), Philippa Eggers (IP; beide München), Dr. Diedrich Schröder (Corporate/M&A), Hauke Tammert (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Köln), Florian Jeske (Arbeitsrecht), Peter Szajlai, Bettina Boncok, Emese Szitási (alle Corporate/M&A), Dora Bocskov-Szabo, Orsolya Gondos (beide IP; alle fünf Budapest)
Inhouse Recht (Derby): Ben Horsley (Chief Counsel M&A)

Berater Siemens
Inhouse Recht (München): Sabine Kalbitz, Thomas Lautenbach (beide M&A) – aus dem Markt bekannt
Oppenhoff & Partner (Köln): Myriam Schilling – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: DLA-Partner Parameswaran hat in den vergangenen Jahren schon wiederholt Rolls-Royce Power Systems beraten. Dazu gehörte beispielsweise der Verkauf der Tochterfirma L’Orange an Woodward 2018 oder ein Joint Venture, das die Power-Systems-Tochter MTU mit dem indischen Fahrzeughersteller Force Motors einging. Bis 2014 firmierte Rolls-Royce Power Systems unter Tognum.

Nun war DLA erstmals für eine Transaktion der Flugzeugsparte des Konzerns tätig, deren Hauptsitz im englischen Derby liegt. Neben Parameswaran lag die Federführung bei dem Hamburger Corporate-Spezialisten Decker, der erst Anfang Mai dieses Jahres zum Partner ernannt worden war.

Als Siemens 2014 das Gasturbinen- und Kompressorengeschäft von Rolls-Royce Energy erwarb, wurde das britische Unternehmen von einem Londoner Team von Freshfields Bruckhaus Deringer beraten.

Für Siemens war damals wie jetzt ein Team der Münchner Konzernrechtsabteilung tätig. Als externe Berater zog es damals ein Linklaters-Team bestehend aus Londoner und Münchner Anwälte hinzu.

Diesmal mandatierte das Inhouse-Team nach JUVE-Informationen die Kölner Oppenhoff-Partnerin Schilling, die bislang noch nicht öffentlich an der Seite des Konzerns zu sehen war. Kontakte scheinen aber schon länger zu bestehen: Im Sommer 2017 hatte die Kanzlei Siemens Healthineers beim Verkauf des Elisa-Immunodiagnostikgeschäfts an DiaSorin beraten. Der damals federführende Partner war Ronald Meißner, der aber Anfang diesen Jahres die Kanzlei verließ und zur Starttruppe von Pinsent Masons in Frankfurt gehörte.  (Christine Albert, mit Material von dpa)

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