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12.03.2019

Viel eingezahlt: Weltsparen erhält mit Schnittker Möllmann 100-Millionen-Finanzspritze und kauft eine Bank

Der Berliner Festgeld- und Tagesgeldvermittler Raisin hat eine Bank gekauft: EZB und BaFin müssen dem bereits vor einem Jahr eingefädelten Deal allerdings noch zustimmen. Zudem hat das Start-up in einer D-Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro eingesammelt. Neben den bestehenden Investoren wie PayPal, Index Ventures und Ribbit Capital stieg nach JUVE-Informationen der Growth Fonds Hedosophia neu als Lead Investor ein.

Peter Möllmann

Peter Möllmann

Zum ersten Mal kauft ein deutsches Start-up eine Bank: Raisin, Betreiber der Plattform Weltsparen, übernimmt die Frankfurter MHB Bank, die seit 2005 in den Händen des US-Finanzinvestors Lone Star ist. Raisin arbeitet schon seit Jahren mit der Bank zusammen, weil das Start-up selbst keine Banklizenz hat. Wer sein Geld bei der Raisin-Plattform Weltsparen anlegte, musste es auf ein Konto bei der MHB-Bank überweisen, von wo aus es an eines der 65 europäischen Institute weitergeleitet wurde, die Anlagen mit Zinssätzen von bis zu 2,2 Prozent anbieten. Auch wenn dieser Umweg den Kunden künftig erspart bleibt, sollen Raisin und MHB-Bank auch nach der Übernahme getrennte Unternehmen bleiben.
 
Kurz zuvor wurde bekannt, dass Raisin 100 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt hat, das laut Raisin „in strategische Übernahmen und die weitere Internationalisierung investiert“ werde. Lead Investor ist Hedospohia, ein Fonds mit Sitz in London, der unter anderem in die Smartphone-Bank N26 investiert ist.

Ulrike Binder Im vergangenen Jahr hatte Raisin bereits Zinsportale in den Niederlanden und Großbritannien gestartet. In diesem Jahr soll die Expansion in mindestens zwei weitere Länder folgen. Das Berliner Fintech ist in England mit einer Niederlassung in Manchester präsent. Mit der Finanzierungsrunde erhöht sich das in Raisin investierte Kapital auf 170 Millionen Euro. Nach Medienberichten wird das Unternehmen derzeit mit 500 Millionen Euro bewertet.

Die Finanzierung ist eine der größten für deutsche Finanz-Start-ups der vergangenen Jahre. Sie zeigt einen Trend in der Geldanlage: Viele Sparer scheuen riskante Investments wie Aktien und bevorzugen Bankeinlagen – die aber in Deutschland kaum Zinsen abwerfen. Raisin vermittelt ihnen über Weltsparen höher verzinste Tages- und Festgelder von 62 Banken im Ausland – etwa in Italien, Portugal, Zypern oder Bulgarien.

Markus Krüger

Markus Krüger

D-Finanzierungsrunde

Berater Raisin
Schnittker Möllmann Partners (Berlin): Dr. Peter Möllmann, Dr. Tim Schlösser (beide Federführung); Associates: Dr. Ansgar Frank, Dr. Leonie Neu, Daniel Grisar, Dr. Martyna Sabat (alle Venture Capital)
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Marc Roberts (General Counsel)
 
Berater Hedosophia
Latham & Watkins (Frankfurt): Dr. Markus Krüger (Federführung; Gesellschaftsrecht) – aus dem Markt bekannt

Übernahme MHB-Bank

Berater Raisin
Schnittker Möllmann Partners: Dr. Tim Schlösser, Dr. Peter Möllmann (beide Federführung; beide Berlin), Dr. Stefan Richter, Dr. Malte Bergmann (beide Steuerrecht), Lennart Lorenz (Aufsichtsrecht; alle Hamburg); Associates: Dr. Ansgar Frank, Dr. Leonie Neu, Janina Erichsen, Daniel Grisar (alle Berlin)
Inhouse Recht (Berlin): Dr. Marc Roberts (General Counsel)
 
Berater MHB Bank
Schalast (Frankfurt): Dr. Andreas Walter (Federführung; Bankrecht), Kristof Schnitzler (Gesellschaftsrecht), Alexander Gebhard (Aufsichtsrecht), Philippe Woesch (Finanzrecht); Associates: Oskar Becker (Aufsichtsrecht), Enno Zipse, Lisa Duwald (beide Bankrecht)
Lindemann Schwennicke & Partner (Berlin): Dr. Till Brocker (Federführung), Dr. Daniel Radig; Associate: Dr. Isabelle Ruf (alle Bankrecht)

Ulrike Binder

Ulrike Binder

Berater Lone Star
Mayer Brown (Frankfurt): Dr. Ulrike Binder (Federführung; Gesellschaftsrecht); Associate: Slaven Kovacevic

Hintergrund: Die Mandatsbeziehungen zwischen SMP-Gründungspartner Möllmann und Raisin reichen bis zur Gründungsphase des Start-ups zurück. Damals hieß Raisin noch SavingGlobal – das Unternehmen benannte sich 2016 in Raisin um. Möllmann begleitete alle Raisin-Finanzierungsrunden, bis 2017 noch als Partner bei Flick Gocke Schaumburg.

Über die Mandatsbeziehungen zwischen Latham & Watkins und dem als extrem verschwiegen geltenden Londoner VC-Fonds Hedospohia ist nichts Näheres bekannt. Alle weiteren Investoren, die die D-Finanzierungsrunde mitgegangen sind, wurden – wie in solchen Fällen üblich – durch ihre Inhouseteams vertreten und hatten keine externen Anwälte mandatiert.

Schalast berät die MHB Bank seit der Übernahme 2005 durch Lone Star und dort unter anderem in sämtlichen Fintech-Kooperationen, die die Bank seitdem eingegangen ist.

Die Berliner Kanzlei Lindemann & Schwennicke berät Raisin ebenfalls seit Gründung und war bei der Transaktion vor allem für die bankrechtliche Due Dilligence im Einsatz.

Mayer Brown gehört zu den regelmäßigen Beraterinnen des US-Finanzinvestors Lone Star, unter anderem ist aus dem Markt bekannt, dass die Kanzlei den Verkaufsprozess von IKB für Lone Star steuert. Jedoch sind auch Willkie Farr & Gallagher oder Hengeler Mueller immer mal wieder an der Seite des Investors zu sehen. (Eva Lienemann, mit Material von dpa)

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