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08.11.2018

Rückkauf: Hertha BSC bereitet mit Noerr und Taylor Wessing KKR-Ausstieg vor

Der Fußballverein Hertha BSC Berlin kauft Anteile vom amerikanischen Private-Equity-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) zurück, um den Verein in Zukunft wieder selbstständig steuern zu können. Es geht dabei um eine knapp 13-prozentige Beteiligung, für die Hertha Medienberichten zufolge rund 70 Millionen Euro aufwenden muss. Das Geld dafür kommt teilweise aus einem Nordic Bond.

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Christian Pleister

Die fünfjährige Anleihe in Höhe von 40 Millionen Euro kostet die Hertha einen Zinssatz von 6,5 Prozent. Die Anleihe wurde von der Frankfurter Equinet Bank begeben, die seit Kurzem zur norwegischen Investmentbank Pareto Securities gehört. Die Norweger arbeiten daran, den Refinanzierungstrend Nordic Bond für den deutschen Mittelstand auszubauen.

Über die Anleihe hinaus sollen Bankkredite und Vorauszahlungen aus Sponsoringverträgen den Rückkauf der KKR-Beteiligung möglich machen. Diese ist in den vergangenen Jahren deutlich wertvoller geworden. War man 2014 von einem Marktwert in Höhe von 220 Millionen ausgegangen, taxierten Wirtschaftsprüfer ihn zuletzt auf rund 300 Millionen Euro.

KKR hatte 2014 61,2 Millionen Euro in den Westberliner Traditionsverein investiert. Von dem Betrag floss ein Großteil in die Tilgung von Schulden. Für rund 18 Millionen Euro erhielt die Gesellschaft einen Minderheitsanteil von 9,7 Prozent der Aktienanteile sowie das Recht, ihre Beteiligung auf 33 Prozent auszubauen.

Mittlerweile hält KKR eine Minderheitsbeteiligung von 12,7 Prozent am Berliner Traditionsverein. Für den Rückkauf der Anteile soll die Hertha Medienberichten zufolge nun 27,8 Millionen Euro zahlen. Hinzu kommen wohl etwa 43 Millionen Euro für die Ablösung weiterer Zahlungsverpflichtungen, womit sich die zu zahlende Summe auf 70,8 Millionen Euro addiert.

Die Hertha wird nach dem Rückkauf der Anteile und dem Auflösen der darüber hinausgehenden Verträge wieder allein den Verein steuern können. Damit bieten sich dem Management neue Handlungsspielräume, etwa um neue Investoren zu finden.

Berater Hertha BSC Berlin
Noerr (Berlin): Prof. Dr. Christian Pleister (Federführung; Private Equity), Dr. Holger Alfes, Dr. Dominik Kloka (beide Kapitalmarktrecht; Frankfurt), Dr. Alexander Schilling, Dr. Nikolai Warneke (beide Finanzierung); Associates: Dr. Dirk Buken, Dr. Philip Schmoll (beide Kapitalmarktrecht), Manuel Weiß (Private Equity; Berlin)
Inhouse Recht (Berlin): Thomas Herrich (Geschäftsführung/Prokurist)
Mazars (Berlin): Marco Pape (Steuerberater) – aus dem Markt bekannt

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Marc-Oliver Kurth

Berater Equinet Bank/Pareto Securities
Roschier (Stockholm): Johan Hager (Finanzierung/Restrukturierung); Associates: Niklas Eriksson, Adrian Hallström – aus dem Markt bekannt

Berater KKR
Taylor Wessing (Berlin): Marc-Oliver Kurth (Corporate/Kapitalmarktrecht), Dr. Frank Koch (Corporate/Sportrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Noerr-Partner Pleister pflegt gute Kontakte in die Führungsetage des Vereins, dessen Wirtschaftsrat er bis 2013 angehörte. Bereits den Einstieg von KKR begleitete er für die Hertha federführend. Die aktuelle Transaktion bereitete er mit den Roschier-Anwälten vor, die für die Equinet Bank die Nordic-Bond-Konditionen nach schwedischem Recht verhandelten. Bei der bilanziellen Gestaltung half aufseiten der Hertha auch ihr langjähriger Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Pape von Mazars.

Erst im Anschluss an die Bond-Verhandlungen nahm die Hertha die Verhandlungen mit KKR auf, die sich erneut von Taylor Wessing beraten lassen. Anders allerdings als beim Einstieg 2014 führt insbesondere der Berliner Büroleiter und auf Aktienrecht spezialisierte Kurth die Verhandlungen um den Rückkauf. Das Mandat selbst geht allerdings auf den Taylor Wessing-Partner Koch zurück.

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Stefan Aldag

JUVE-Informationen zufolge sind die Verhandlungen zum Rückkauf der Beteiligung und der darüber hinausgehenden Verpflichtungen in vollem Gange. Über den Abschluss des Geschäfts entscheidet allerdings letztlich die Hertha-Hauptversammlung unter notarieller Aufsicht. Bekannt ist, dass die Hertha dazu regelmäßig auf den Berliner GSK Stockmann-Partner und Notar Stefan Aldag zurückgreift. Aldag ist Vereinsmitglied. (Martin Ströder)

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