Artikel drucken
25.08.2018

Pharmamarkt: Chinesen übernehmen mit Bird & Bird bayerisches Start-up

Ein chinesisches Konsortium aus Hybio Pharmaceutical und Yungfen Capital hat das Spezialpharmaunternehmen AMW und dessen Tochtergesellschaft Endomedica gekauft. Die Investoren übernehmen alle Anteile der bisherigen Kapitalgeber, dazu zählen die Tübinger SHS Beteiligunsgesellschaft und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Bayern Kapital, die wiederum die Venture-Capital-Gesellschaft des Freistaats Bayern ist, und der IBG Risikokapitalfonds II, der ein zentrales Förderinstrument des Landes Sachsen-Anhalt darstellt. Ebenfalls ihre Anteile verkauften die Münchner Beteiligungsgesellschaft BayBG sowie der süddeutsche Frühphaseninvestor UVC Partners.

Stefan Münch

Stefan Münch

AMW mit Sitz im bayerischen Warngau entwickelt und produziert Wirkstoffabgabesysteme in Form von Pflastern und Implantaten, die sich insbesondere für die Schmerztherapie und Krebspatienten eignen. Das 2008 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 90 Mitarbeiter und konnte bislang, wie bei Pharmaunternehmen im Aufbau üblich, noch keine Gewinne erwirtschaften.

Die Hauptprodukte des seit 2011 an der Börse in Shenzhen gelisteten Unternehmens Hybio sind auf Erkrankungen des Verdauungsapparats, auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Infektionskrankheiten und Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane ausgerichtet. Spezialisiert ist Hybio bislang auf Peptide und peptidbasierte Arzneimittel, die den Hormonhaushalt stimulieren können.

Hinter der Private-Equity-Gesellschaft Yunfeng Capital stecken Alibaba-Mitgründer Jack Ma und Target Media-Gründer David Yu.

Berater Hybio Pharmaceutical/YF Capital
Bird & Bird (München): Stefan Münch (Federführung; Corporate/M&A), Dr. Alexander Csaki (Öffentliches Recht), Dr. Christopher Maierhöfer (Patentrecht), Dr. Henriette Picot (Handelsrecht), Dr. Markus Körner (Markenrecht), Dr. Michael Jünemann (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Dr. Ralph Panzer (Arbeitsrecht), Stephan Kübler (auch Federführung; Corporate/M&A), Dr. Ximeng Wang (deutscher China-Desk), Christian Lindenthal, Thomas Urband (beide Markenrecht), Dr. Martin Jäger (EU & Competition; Düsseldorf), Gerrit Wiedow (Arbeitsrecht; Hamburg); Associates: Michael Gassner, Benedikt Weiss, Marijana Bilos (alle Corporate/M&A), Clarissa Junge-Gierse, Katja Weiss (beide Öffentliches Wirtschaftsrecht), Dominic Igel, Marie-Theres Schmid (beide Patentrecht), Johannes Baumann (Handelsrecht), Wolfgang Ernst (Markenrecht), Johannes Wirtz (Bank- und Finanzrecht; Frankfurt), Heike Lesch (EU & Competition), Jie Zhang (Commercial; beide Düsseldorf), Julia Gottinger (Arbeitsrecht)

Oliver Köster

Oliver Köster

Berater SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement
Beiten Burkhardt (Hamburg): Oliver Köster (Federführung); Associate: Tassilo Klesen (Berlin; beide Corporate/M&A)

Berater BayBG, Bayern Kapital, KfW, UVC Partners
Lutz Abel (München): Dr. Bernard Noreisch (Federführung), Dr. Marco Eickmann (beide Venture Capital/M&A)

Berater Gründer AMW
Weitnauer (München): Dr. Wolfgang Weitnauer

Hintergrund: Der Kontakt zwischen Bird & Bird und Hybio Pharmaceuticals kam über die Münchner Anwältin Wang zustande, die auch Mitglied des deutschen China-Desk der Kanzlei ist. Die beiden federführenden Bird & Bird-Anwälte Münch und Kübler sind erfahren im Umgang mit chinesischen Mandanten. Unter anderem durch die Kooperation mit der chinesischen Kanzlei AllBright Law Offiices beraten beide regelmäßig in Transaktionen mit China-Bezug.

Ebenfalls entscheidend für die Mandatierung war die Branchenerfahrung der Kanzlei im Life-Science-Sektor: So berieten Münch und Kübler beispielsweise zum Ankauf der Epigenomics-Ausgründung Epiontis durch die US-Firma Precision for Medicine Group oder zum Erwerb der Berliner Doctari-Gruppe, die eine Vermittlungsplattform für Ärzte und Pflegefachkräfte betreibt, durch den britischen Finanzinvestor Vitruvian Partners.

Die Münchner Venture-Capital-Praxis von Weitnauer ist nicht nur auf die Beratung von Start-ups und Investoren spezialisiert, sondern auch auf die Gesundheitsbranche. Den AMW-Gründer Dr. Wilfried Fischer hatte Namenspartner Wolfgang Weitnauer schon bei der Gründung des Unternehmens 2008 beraten und stand sowohl ihm als auch den Investoren SHS, Bayern Kapital, KfW und BayBG regelmäßig zur Seite, zuletzt bei der Finanzierungsrunde 2016.

Für die jetztige Transaktion war SHS auf der Suche nach einem Anwalt, der Transaktionserfahrung mit chinesischen Mandanten mitbringt. Hier konnte Beiten-Partner Köster punkten und sicherte sich in einem Pitch den Lead für die Verkäuferberatung. Neben seiner eigenen Erfahrung in einigen In- und Outbound-Transaktionen konnte Köster bei Fragen nach chinesischem Recht auf seine Kollegen in Peking zurückgreifen.

Für die anderen Investoren kam etwas später Lutz Abel-Partner Noreisch ins Spiel. Zunächst kam die BayBG, für die Noreisch schon seit mehreren Jahren immer wieder tätig ist, auf ihn zu. Die restlichen Investoren folgten – bis auf UVC Partners bekannte Gesichter für Noreisch. So begleitete er die Bayern Kapital bei den letzten Finanzierungsrunden der AMW und die KfW unter anderem 2015 beim Verkauf von Sunhill Technologies. (Annette Kamps)

 

  • Teilen