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08.06.2018

Brief und Siegel: Mayer-Kuvert erhält mit PwC Legal und Menold neue Großinvestoren

Mayer-Kuvert bekommt einen neuen Gesellschafter: Beim Heilbronner Hersteller von Briefumschlägen, der zuletzt rund 220 Millionen Euro umsetzte, wurden im Zuge einer Kapitalerhöhnung die Mehrheitsanteile veräußert. Käufer der Anteile ist ein Family Office, das nach einem Bieterkampf zum Zug kam. JUVE-Recherchen zufolge handelt es sich dabei um die deutsche Unternehmerfamilie Schwarz, die ebenfalls im Heilbronner Raum beheimatet ist.

Marlies Raschke

Marlies Raschke

Für das Traditionsunternehmen, das schon 1877 als Ernst Mayer Briefhüllenfabrik gegründet wurde, sind rund 1.600 Mitarbeiter tätig, davon etwa 550  in Deutschland. Ein finanzieller Restrukturierungsprozess wurde schon im vergangenen Jahr eingeleitet worden, die Schließung des Dürener Produktionsstandortes ist angekündigt. Die Tochterfirma BlessOF, die ebenfalls Versandtaschen und Kuverts herstellt, hatte 2017 ein Insolvenzverfahren abgeschlossen, indem sie einen Teil ihres Geschäftsbetriebes von Kirchheim/Teck   nach Heilbronn verlagerte. Sie hatte den Weg über ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gewählt.

Die Meyer-Kuvert-Eigner hingegen holten sich nun eine deutsche Investoren-Familie an Bord. Die Gesellschafterversammlung hatte Anfang März eine Neufassung des Gesellschaftervertrages und eine Erhöhung des Stammkapitals beschlossen. Als Geschäftsführer ist neben CEO Thomas Schwarz nun auch Heinrich Pötter eingetragen, der frühere Chefeinkäufer des Lidl-Konzerns.

Die als verschwiegen geltende Schwarz-Gruppe, zu der sowohl Lidl als auch die Warenhaus-Kette Kaufland gehört, ist mit mehr als 90 Milliarden Euro Umsatz das größte Familienunternehmen Deutschlands.

Berater Family Office
Noerr (München): Dr. Gerald Reger (Gesellschaftsrecht), Marlies Raschke (Dresden; Restrukturierung) − aus dem Markt bekannt

Steffen Schniepp

Steffen Schniepp

Berater Meyer-Kuvert
PricewaterhouseCoopers Legal (Stuttgart): Steffen Schniepp (Federführung), Minkus Fischer, Thomas Wenninger, Andreas Kupsch (München; alle M&A); Associates: Axel Rinnert, Karsten Horch, Stephan Schaal (alle Corporate/ M&A) 
PricewaterhouseCoopers (Stuttgart): Manuela Guth, Thorsten Holt (beide Corporate Tax)
Menold Bezler (Stuttgart): Dr. Frank Schäffler (Federführung), Steffen Follner (Finanzierung), Jost Rudersdorf (M&A), Jochen Sedlitz, Dr. Jasmin Urlaub (beide Restrukturierung), Dr. Steffen Kircher (Immobilienrecht), Robert Elhardt (Arbeitsrecht), Dr. Stefan Messmer (Kartellrecht); Associate: Felix Rebel (Corporate/Insolvenzrecht), Dr. Alexandra Kierner (Handelsrecht), Dr. Jochen Bernhardt (Kartellrecht)

Berater Bankenkonsortium
Latham & Watkins (Hamburg): Frank Grell; Associate: Dr. Janina Schmidt-Keßler (beide Restrukturierung)

Frank Schäffler

Frank Schäffler

Hintergrund: Noerr ist nach Marktinformationen schon länger für die Schwarz-Gruppe tätig. Neben dem Client-Partner Reger kam hier nach JUVE-Informationen auch Neupartnerin Raschke zum Einsatz, die sich auf M&A-Transaktionen aus der Restrukturierung heraus spezialisiert hat.

Das Stuttgarter Team um PwC Legal-Partner Schniepp hatte sich bei Meyer-Kuvert offensichtlich in einem  Pitch gegen Großkanzleien durchgesetzt.. Zudem wurden für diese Transaktion auch zahlreiche PwC-Kollegen aus ausländischen Büros eingebunden, die die internationale Due Dilligence unterstützten.

Soweit bekannt, wurde die Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler schon vor rund 18 Monaten von der Meyer-Kuvert-Gruppe für die Refinanzierung hinzugezogen. Sie arbeitet regelmäßig mit dem Unternehmensberatern von Bacher & Partner zusammen und war hier nun mit dem deutschen Teil der Due Dilligence betraut. Die Federführung hatte der restrukturierungserfahrene Partner Schäffler. Menold stellte mit Sedlitz für BlessOF im vergangenen Jahr auch den Sanierungsgeschäftsführer.

Martin Mucha von Grub Brugger & Partner war seinerzeit vom Amtsgericht Esslingen zum Sachwalter bestellt worden. Arbeitsrechtlich begleitete Dr. Cornelia Grundmann aus der Waltroper Sozietät Bopp den Transformationsprozess, die schon länger für den Verpackungshersteller im Einsatz ist. Steuerlich wird Meyer-Kuvert fortlaufend von der Steuerberatung Revisa begleitet, die einen Kanzleistandort in Neckarsulm hat.

Notariell beurkundet wurde die Transaktion dem Vernehmen nach von Prof. Dr. Thomas Reith aus der Stuttgarter Sozietät Reith Neumahr. (Sonja Behrens)

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