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11.01.2018

Krebsimpfstoffe: Amerikanische Morgan Lewis-Mandantin Eli Lilly unterstützt deutsche CureVac

Der amerikanische Pharmariese Eli Lilly investiert rund 90 Millionen Euro in die Tübinger Biotech-Firma CureVac. Vertraglich wurde zudem vereinbart, die Entwicklung und Kommerzialisierung von bis zu fünf Impfstoffen gegen Krebs gemeinsam voranzutreiben. Im Erfolgsfall könnten bis zu 1,5 Milliarden Euro an das Tübinger Unternehmen fließen, das Patente für die Herstellung von Impfstoffen gegen Krebs hält.

Ulrich Korth

Ulrich Korth

Der Vereinbarung gemäß bestimmen die Amerikaner die Forschungsziele sowie die Kommerzialisierung möglicher Impfstoffe, während CureVac auf der Grundlage ihrer Patente an der technischen Umsetzung arbeitet. Dazu leistet Eli Lilly neben einem Eigenkapital-Investment über 45 Millionen Euro eine ähnlich hohe Vorabzahlung, die weiter aufgestockt wird, wenn CureVac Zwischenziele erreicht.

Die Entwicklungskooperation zwischen CureVac und Eli Lilly wurde zwar schon im Oktober bekanntgegeben, die Transaktion bedurfte jedoch aufgrund der einbezogenen Patente einer speziellen Freigabe nach US-Kartellrecht. Nachdem diese erfolgt war, wurde die Beteiligung von Eli Lilly über die entsprechenden Vorstands- und Aufsichtsratsbeschlüsse eingeleitet. Kurz vor Jahresende konnte die Kapitalerhöhung bei CureVac eingetragen werden, mit der Eli Lilly als Neuaktionärin bestätigt wurde.

CureVac wurde 2000 an der Universität Tübingen gegründet. Nach zwölf Jahren erhielt das Unternehmen seine erste signifikante Kapitalzufuhr von Dietmar Hopp, einem der SAP-Gründer. 2015 hatte das Unternehmen für Aufsehen gesorgt, als es 46 Millionen Euro von der Bill & Melinda Gates-Stiftung einwarb. Knapp ein Jahr später kamen weitere 100 Millionen Euro unter anderem von der Investmentfirma Baillie Gifford hinzu. Es war bis dato eine der größten Kapitalerhöhungen im deutschen Biotech-Sektor. Im Zuge der Privatplatzierung hatte CureVac seinerzeit auch die Umwandlung von einer GmbH in eine AG vollzogen.

Das amerikanische Pharmaunternehmen Eli Lilly, das weltweit 42.000 Mitarbeiter beschäftigt, erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von 21 Milliarden US-Dollar. 2015 schloss es bereits eine Entwicklungs- und Forschungskooperation mit dem Mainzer Unternehmen BioNTech. Ein Jahr später platzierte es mit Hilfe der Credit Suisse und der Deutschen Bank mehrere Bonds im Gesamtwert von 1,2 Milliarden Schweizer Franken – nicht zuletzt, um in aufstrebende europäische Biotech-Firmen zu investieren.

Berater Eli Lilly
Morgan Lewis & Bockius: Benjamin Pensak (IP/Life Science; San Francisco), Dr. Ulrich Korth (Corporate/M&A; Frankfurt)

Christina Eschenfelder

Christina Eschenfelder

Berater CureVac
Inhhouse Recht (Tübingen): Dr. Franz-Werner Haas (Chief Corporate Office), Dr. Andreas Kirsch (Vice President Legal)
Ritterhaus (Mannheim): Dr. Christina Eschenfelder (Federführung), Dr. Moritz Weber (beide Corporate/M&A)
Baker & McKenzie (München): Dr. Constanze Ulmer-Eilfort (Federführung), Pamela Church (New York), Jur Strobos (Washington; alle IP), Dr. Nicolas Kredel (Düsseldorf), Creighton Macy (Washington; beide Kartellrecht); Associates: Fabian Böttger (IP; München), Jan Kresken (Kartellrecht; Düsseldorf)

Hintergrund: Eli Lilly ist eine langjährige Mandantin von Morgan Lewis. Für die patent- und lizenzrechtlichen Fragen mandatierte sie Partner Pensak aus San Francisco. Die gesellschafts – und aktionärsrechtlichen Fragen hierzulande klärte der Frankfurter Partner Korth, der im Februar 2017 von Freshfields Bruckhaus Deringer zur US-Kanzlei gewechselt war.

Ulmer-Eilfort_Constanze

Constanze Ulmer-Eilfort

CureVac vertraut seit Jahren auf ein eingespieltes Partnerinnen-Team von Rittershaus und Baker McKenzie. Baker-Partnerin Ulmer-Eilfort, die hier federführend für alle IP-Themen verantwortlich war, hatte für die Tübinger beispielsweise vor vier Jahren schon eine Kooperationsvereinbarung mit Boehringer Ingelheim zur Immuntherapie gegen Lungenkarzinome ausgehandelt. Das länderübergreifende Baker-Team klärte hier auch die regulatorische Themen mit den Aufsichtsbehörden.

Ritterhaus-Partnerin Eschenfelder koordinierte hingegen die Kapitalerhöhung bei CureVac gesellschaftsrechtlich. Die Kanzlei ist eine langjährige Beraterin von Dietmar Hopp und dessen Beteiligungsgesellschaft Dievini Hopp BioTech, für deren Portfolio-Gesellschaften sie regelmäßig Finanzierungsrunden begleiten. Zuletzt flankierten sie etwa die Finanzierungsrunde des Heidelberger Biomedizin-Unternehmens Molecular Health, das mehr als 40 Millionen Euro für den weiteren Ausbau einwarb.

Den Einstieg von Baillie Gifford begleitete seinerzeit ein Gleiss Lutz-Team um den Frankfurter Partner Dr. Jan Bauer und den Berliner Counsel Dr. Martin Viciano Gofferje. Die Bill & Melinda Gates-Stiftung mandatierte für ihr Investment das Berliner Büro von K&L Gates. (Sonja Behrens)