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18.08.2017

Neuland: FlixBus wagt sich mit Inhouse-Spezialisten und Hogan Lovells auf die Schiene

Die Straße reicht FlixBus nicht mehr. Das Unternehmen steigt in das Geschäft mit Fernzügen ein und gründet das Bahnunternehmen FlixTrain. Dabei bleibt FlixBus seinem Kooperationsmodell treu: Betreiber der Zugverbindung ist das tschechische Unternehmen Leo Express, das die Rechte dafür von dem insolventen Bahn-Wettbewerber Locomore gekauft hat. FlixBus will dafür sorgen, dass die von Leo Express betriebenen Züge ausgelastet sind.

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Peter Huber

Kunden des Münchner Fernbusunternehmens FlixBus können über die Internetplattform Tickets für die Strecke Berlin-Stuttgart kaufen. Flixbus wittert in der Kombination von Bus- und Schienenfernverkehr einen Zukunftsmarkt.

Die eisenbahnrechtliche Genehmigung und Fahrzeug-Leasingverträge für die Strecke erwarb Leo Express aus der Insolvenzmasse von Locomore. Das Berliner Start-up war im Herbst 2016 auf der Strecke Berlin-Stuttgart an den Start gegangen. Fast täglich bot es die bis zuletzt relativ gut ausgelasteten Fahrten an. Dennoch musste Locomore Mitte Mai Insolvenz anmelden. Das Geld reichte nicht aus, um den kostspieligen Bahnbetrieb aufrechtzuerhalten. Dem Vernehmen nach mussten für die Streckennutzung rund 6.000 Euro täglich an die DB Netz überwiesen werden. Ihren Markteintritt hatten Locomore unter anderem über Crowdfunding im Internet finanziert. Dabei waren bis zuletzt rund 930.000 Euro zusammengekommen, die nun allerdings kaum mehr zu retten sind.

Peter Memminger

Peter Memminger

Leo Express ist finanziell besser aufgestellt als das Berliner Start-up. Die Tschechen kombinieren seit 2012 erfolgreich Bus- und Schienenverkehr. Mitte 2016 waren sie in den österreichischen Fernbusmarkt eingestiegen. Im Osten Europas bieten sie viele grenzüberschreitende Verbindungen, etwa nach Polen, Ungarn oder auch in die Ukraine, an.

Berater Flixbus
Inhouse Recht (München): Katrin Moder (General Counsel), Charlotte Sailer, Henry Ogunrinde
Hogan Lovells (München): Peter Huber (Corporate/M&A; Federführung),  Prof. Dr. Thomas Dünchheim (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Düsseldorf), Dr. Heiko Tschauner (Insolvenzrecht), Dr. Ingmar Dörr (Steuerrecht), Dr. Christoph Wünschmann (Kartellrecht); Associates: Dr. Tobias Kahnert, Friederike Heesemann (Corporate/M&A), Christian Ritz (Kartellrecht), Dennis Beckers (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Düsseldorf)

Berater Leo Express
Memminger (Frankfurt): Dr. Peter Memminger (Federführung), Emma Kersch (beide Corporate), Wolfgang Büchner (IP/IT); Associate: Lelu Li (Regulierung)
Inhouse Recht (Tschechien): Veronika Novotná – aus dem Markt bekannt

Berater Locomore
Leonard Rattunde (Berlin): Prof. Dr. Rolf Rattunde (Insolvenzrecht)

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Rolf Rattunde

Hintergrund: Bereits seit 2015 kooperiert FlixBus in Tschechien mit Leo Express. Die Gespräche zwischen beiden Unternehmen zum Einstieg in den deutschen Bahnmarkt liefen dem Vernehmen nach seit Längerem. Innerhalb der FlixBus-Rechtsabteilung um die General Counsel Moder war Charlotte Saier für die Vertragsverhandlungen zuständig, Ogunrinde übernahm regulatorische Themen wie die Gründung der FlixTrain-Gesellschaft und ihre Zulassung als Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Die Besonderheiten der Transaktion bedingten letztlich auch die Mandatierung von Hogan Lovells, deren Partner Huber ein Stammberater von FlixBus ist. Erstmals hatte er das Unternehmen Ende 2014 beim Zusammenschluss mit MeinFernbus beraten. Im vergangenen Jahr war Hogan Lovells für die Übernahme von Postbus mandatiert. Die Mandatsbeziehung ist aber nicht exklusiv. Bei der Gründung eines Joint Ventures mit dem österreichischen Busunternehmer Blaguss etwa kam voriges Jahr der langjährige gesellschaftsrechtliche Berater von Flixbus zum Zug, Thomas Gemmeke von Baker Tilly.

Für den Einstieg in den deutschen Schienenfernverkehr suchte Moder nach einer Kanzlei, die im Eisenbahnrecht beraten kann und nicht bereits von der Konkurrenz mandatiert wird. Nicht zuletzt dürfte auch das Know-how des auf regulatorische Fragen spezialisierten Düsseldorfer Partners Dünchheim für Hogan Lovells gesprochen haben.

Für Memminger war es die erste Mandatierung durch Leo Express, der Kontakt kam über Empfehlungen zustande. Die Corporate-Boutique war erst zu Beginn des Jahres von Dr. Peter Memminger gegründet worden, der bis dahin Partner bei Milbank Tweed Hadley & McCloy war. Während der Schwerpunkt des Mandats im Gesellschaftsrecht lag, übernahm Associate Lelu Li die regulatorische Beratung im Zusammenhang mit der DB Netz.

Locomore ist im Mai in die Insolvenz gegangen. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestellte damals den Berliner Insolvenzspezialisten Rattunde zum vorläufigen Sachwalter. Rattunde war unter anderem auch als Sachwalter des Suhrkamp-Verlags tätig. (Martin Ströder, Helena Hauser)

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